Prof. Dr. Carl Hahn: Zum Tod des VW-Pioniers

Kolumne von Rainer Braun
​Prof. Dr. Carl Hahn, der ehemalige Vorstands-Vorsitzende des Volkswagen-Konzerns, ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Er war Initiator der Formel V-Bewegung in den 1960er-Jahren und Motorsport-Förderer.

Was viele heute gar nicht mehr wissen – ohne Prof. Dr. Carl Hahn und seine Initiativen hätte es den Motorsport bei Volkswagen vielleicht erst sehr viel später gegeben. Denn für den damaligen VW-Generaldirektor Heinrich Nordhoff war das Wort Motorsport ein geradezu unerwünschter Begriff.

Dr. Hahn setzte sich 1964 als Präsident von Volkswagen USA darüber hinweg und sorgte gemeinsam mit Ferry Porsche und dessen Sportleiter Huschke von Hanstein dafür, dass ein Dutzend der preisgünstigen Formel V-Rennwagen mit Original VW-Motor-, -Getriebe- und -Chassis-Elementen nach Deutschland verbracht wurden.

Anfang Juli 1965 wurde am Norisring das erste Rennen der preisgünstigen, aber mit nur rund 50 PS noch schwachbrüstigen Monoposti auf deutschem Boden gestartet.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand nur ansatzweise ahnen konnte – die Formel V entwickelte sich ab 1966 zur wildesten und verrücktesten Rennserie, die der deutsche und europäische Motorsport bis dahin gesehen hatte. Viele große Fahrernamen, darunter Stars wie Niki Lauda, Dr. Helmut Marko oder Keke Rosberg, gingen aus der Formel V hervor. Auch die erste offizielle V-Anzeigen-Kampagne mit einem Rennwagen wurde von Dr. Hahn angestoßen.

Innerhalb kurzer Zeit gab es überall Landesmeisterschaften, ein Europa-Championat, Vergleichskämpfe zwischen USA und Europa und sogar eine inoffizielle Weltmeisterschaft. Wie eine Epidemie verbreitete sich die Formel V-Idee rund um den Globus.

Bald waren weltweit über 1000 VW-Rennwagen, darunter neue Konstruktionen wie Austro V, Kaimann, Fuchs, Olympic, Apal, Bora, HAS, RPB oder Swiss-V registriert. Spätestens 1967 war klar: Volkswagen hatte mit der Formel V die Motorsportwelt erobert.

Nach seiner Rückkehr aus den USA zum Mutterhaus in Wolfsburg wurde Hahn zunächst zum Vertriebschef und Vorstands-Mitglied ernannt. Kraft seines Amtes gelang es ihm, den Konzern noch enger an den Motorsport heranzuführen. So forcierte er die Gründung einer eigenständigen Motorsport-Dependance von Volkswagen in München und später in Hannover, engagierte mit dem Techniker und Journalisten Anton Konrad höchstpersönlich seinen Wunschkandidaten als ersten Geschäftsführer und genehmigte einen stattlichen Sport-Etat.

Auch Hahns Wechsel als Vorstands-Chef zum Reifenhersteller Continental ab 1972 änderte nichts mehr an der Begeisterung der Wolfsburger VW-Ingenieure am Motorsport. Und als er nach weiteren zehn Jahren wieder nach Wolfsburg zurückkehrte und neuer Vorstands-Vorsitzender wurde, engagierte sich der Konzern mehr und mehr offiziell auch im Rallye- und Tourenwagen-Sport. Auch die erfolgreiche erste Ära des VW-Formel 3-Motors in den 1980er-Jahren geht auf Carl Hahns Initiative zurück.

Beim 20-jährigen Jubiläumsfest von Volkswagen Motorsport im Wolfsburger VW-Museum hielt Prof. Hahn ebenso die Begrüßungsansprache wie fünf Jahre später an gleicher Stelle, als VW Gastgeber für die Meisterehrung der ONS (heute DMSB) war. Besonders erfreut zeigte sich Hahn damals über den Titelgewinn der Formel 3-DM mit einem VW-Motor. Der Meister 1991 hieß Tom Kristensen im Ralt RT 35-Volkswagen und durfte die persönliche Gratulation des VW-Chefs entgegennehmen.

1992 wechselte Prof. Dr. Hahn in den VW-Aufsichtsrat, 1997 ging er mit knapp 70 in den Ruhestand.

Das Interesse an Volkswagen, der weiteren Unternehmensentwicklung, der Automobilwirtschaft im Allgemeinen und auch am Motorsportgeschehen hat er bis zuletzt nicht verloren.

So besuchte er noch mit über 80 Jahren mehrfach als Gast von Audi die 24 Stunden von Le Mans. Dort hatte ich die Ehre, ihn ebenso vorm Mikro zu haben wie zuvor schon bei anderen Gelegenheiten.

Ein großer Wirtschafts-Manager und Freund des Sports hat uns mit Professor Dr. Carl Hahn für immer verlassen. Gerade der Motorsport verdankt ihm sehr viel.

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