Seit 21 Jahren bergauf

Von Wolf- Dieter Feuerlein
In 2,2 sec. vom 0 auf 100 am Berg: Jörg Weidinger im Osella-BMW

In 2,2 sec. vom 0 auf 100 am Berg: Jörg Weidinger im Osella-BMW

Wolf Dieter Feuerlein über seine persönlichen Impressionen beim Bergrennen im luxemburgischen Eschdorf

Seit 21 Jahren geht’s in Eschdorf, einem kleinen luxemburgischen Dorf in wunderschöner Landschaft rund. Pardon…bergauf.

Über 150 Teilnehmer zeigt die stolze Teilnehmerliste. Alles, was Rang und Namen hat stand am Start. Ob Formel 3000, Formel 3, Formel Renault, die ultraschnellen CN Sportwagen, bärenstarke Tourenwagen, über die Gruppen H, A, und N. Ob super getunt, oder nur leicht modifiziert, bis hin zu den fast serienmäßigen Gr. G-Fahrzeugen.

Ging es doch um diverse Meisterschaften: Deutsche Automobil- Bergmeisterschaft, Belgische Bergmeisterschaft und Luxemburger Bergmeisterschaft. Dazu kommen der äußerst attraktive KW-Bergcup Gruppe H, Classic Berg-Cup, Renault –Tatus Bergcup, NSU-Bergpokal, Fiat –Lancia Sportpokal und der DMSB-Classic Bergpokal.

Wahrlich, gar nicht so einfach da durchzusteigen, aber es gab Klassenvielfalt und unterschiedlichste Fabrikate, fein säuberlich getrennt nach Hubraum und Leistungsgewicht (Gr. G).

Enorm was der Veranstalter, die Union des Pilotes Luxembourg auf die Reihe gebracht hat. Ein Zeitplan der funktioniert, freundliche Funktionäre, ein offenes, für jeden Besucher frei begehbares Fahrerlager, super Zuschauerplätze an den Streckenrändern. Überhaut, perfekte Organisation.

Schauen wir mal in die Divisionen und Klassen. Die Hubraumschwächsten waren die Gruppe H bis 1150 ccm. Anführer dieser Bande ist Jürgen Heßberger auf seinem Fiat 127 Martini Racing. Hatte wohl im ersten Lauf einen kurzen Blackout, den er nicht mehr wettmachen konnte. Somit war alles klar für Tobias Klimsa mit seinem VW-Scheider Polo. Für Heßberger fehlten nur 89 Hundertstel! Der 3. Platz ging an Jörg Eberle mit einem 127ziger Fiat. Dünn ging es auch bei den 1300ern ccm zu. War doch der Zweitplazierte Hugo Moser im ersten Lauf um eine glatte Sekunde schneller als der als Favorit gehandelte Hans-Joachim Schmidt. Beide auf ultraschnellen VW Polos. Kaum zu glauben, holen die Tüftler mittlerweile locker über 200 PS ohne Aufladung aus 1300 cccm. 16 Ventil und sequentielles Getriebe sind mittlerweile Standart bei den Spitzenfahrern. Total irre was da abgeht.

Gruppe H bis 2000 ccm:
Wer sonst, als Holger Hovemann mit dem Risse Kadett Coupe ist hier Chef am Berg. Was hat Opel mal für tolle Autos gebaut, mit denen man so hervorragend Motorsport betreiben kann!

Die mit 18 Startern besetzte Klasse stand ganz im Zeichen von Hovemann, gewann er, zwar eng, aber sicher vor Dirk Preisser, ebenfalls auf Kadett-Coupe. Der 3. Platz ging an Andre Schrörs auf einem äußerst seltenem Lotus Talbot. Die Zeit von Hovemann mit 1.00.905 reichte immerhin zum 40igsten Platz im Gesamtklassement. Ein schönes Ergebnis für den mehrmaligen KW-Bergcupsieger der vergangenen Jahre. Längst vergangene Zeiten werden wach, wenn es um den NSU Bergpokal geht. NSU-TT, was waren das für wunderbare Renn-Zwerge, mächtig PS unter der hinten aufgestellten Haube, perfekt vorbereitet und sauschnell- immer noch. Da kommen doch Erinnerungen an den legendären Willi Bergmeister, der seinem Namen alle Ehre gab, als er anno dazumal auf diesem Fabrikat „ Deutscher Bergmeister“ wurde. Einmal mehr gewann heuer Uwe Schindler, die immer hin mit noch 9 Startern besetzte «Methusalem» Klasse.

Division 3: / 1600 ccm: Egido Pesano, ein Deutsch-Italiener aus dem Schwabenland mit seinem VW-Golf. Mit 1600 ccm knallte er Bestzeit auf Bestzeit auf die Uhr. Einfach genial wie er das macht. Dann noch das ein oder andere Urgestein des Deutschen Automobil Bergrennsports. Starten doch die meisten immer noch im aktuellen KW-Bergcup. Was wäre der Sport ohne diesen Cup. Zugegeben, die Veranstalter müssen dafür tief in die Tasche greifen, aber sie bekommen aber auch eine Top-Show dafür. VW Polos mit über 200 PS, die keine Abendsonne kennen, Opel Kadetts, deren Leistungsgrenzen in PS und Aerodynamik scheinbar gar keine Grenzen kenne, kleinen Fiats 127, wo man vor Staunen über deren Leistung den Mund nicht mehr zubekommt; und VW Golfs, deren heutige moderne Nachkommen dieser Generation nicht das Wasser reichen können.
Zum Beispiel Franz Weißdorn, einer der absolut schnellsten im VW Polo 16 V, 1300 ccm. Er ist seit ewigen Zeiten dabei und hat gewonnen, was es zu gewinnen gab. Schade, er hat seinen Super-Polo verkauft. Das Wettrüsten in den Gruppe H Klassen waren für den erfolgverwöhnten Oberheizer nicht mehr attraktiv, da die Kosten ins Unermessliche gestiegen sind. Er startet deshalb jetzt mit einem Alfa Romeo-Diesel, um wenigstens noch dabei zu sein.
Dabei ist das Auto auch schnell, aber doch zu langsam für die Klasse, in der jetzt starten muss.

Oder Herr Hovemann, sein Kadett ist das Non-plus-ultra in der Gruppe H bis 2 Liter Hubraum. Allerdings muss er, man kennt ihn allerdings auch nicht anders, voll reinhalten um seinen ärgsten Konkurrenten Dirk Preisner, ebenfalls Kadett, vom Leibe zu halten. Wahrlich, die Herren sind Drifter vor dem Herren.

Die Leckerbissen darüber hinaus sind die Gruppen die Gruppe CN Autos. 400 PS starke Sportwagen, ultraleicht und superempfindlich in der Fahrwerksabstimmung. Jörg Weidinger hat im Laptop ausgelesen, dass sein Osella-BMW in Eschdorf in 2,2 Sek auf 100 km/h beschleunigt. Wahnsinn! Überhaupt ist der zweimalige TW-Europameister mit dem BMW M3 Coupe schnell in die hauchdünne Atmosphäre dieser ultraschnellen Sportwagen eingestiegen. Als BMW-Versuchsingenieur hat er jedoch beste Karten, sich da rein zu arbeiten. Entwickelt er sein Fahrwerk mit KW- Fahrwerkstechnik doch selber und sein Motor wird von einem Freund aus der BMW- Formel 1-Abteilung vorbereitet. Ansonsten macht er mit seiner Zweimann- Truppe, begleitet von seiner bezaubernden Frau, beste Arbeit. Mit kleinem Budget zu höchster Leistung. Auch als er noch im BMW 318i Gruppe G, um den DMSB Bergpokal kämpfte und diesen auch 2003 gewann. Einfach ein toller und sympathischer Typ.

Die Formelrennwagen wie z.B. in der Formel 3, oder der Formel 3000 finden in Deutschland nicht so viel Beachtung wie im europäischen Ausland. Leider. Haben wir doch Bergrennstrecken, die auch diesen Autos normalerweise beste Bedingungen liefern würden. Aber auch mit nur wenigen dieser Boliden ist der Bergrennsport einsame Klasse. Bietet dieser Sport doch allen eine Plattform, vor allem für Privatfahrer, für Spaß, Erfolg und den Zuschauern spannende Rennen.

Wie auch heute erlebt in Eschdorf / Luxemburg

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