Manfred Seifter: Weißrussland zockte ihm 12.000 $ ab

Von Ivo Schützbach
Eisspeedway-GP
Manfred Seifter musste für seine Unerfahrenheit bezahlen

Manfred Seifter musste für seine Unerfahrenheit bezahlen

Am zweiten Renntag des Kasachstan-GP in Almaty stürzte Manfred Seifter und zog sich eine schwerwiegende Knieverletzung zu. Das war für den Eisspeedway-GP-Rookie aus Österreich nur der Beginn eines Spießrutenlaufs.

Mit kaputtem linkem Knie (Innen- und Kreuzband gerissen) wollte Manfred Seifter nach seinem Crash am 21. Februar in Almaty schnellst möglich nach Hause und zog das Flugzeug der Fahrt im Transporter vor.

«Wir wussten nicht genau, was mir wirklich fehlt, in Kasachstan wollte ich nicht unbedingt ins Krankenhaus», erzählte der 23-Jährige. «Das Knie tat extrem weh, es war doppelt so dick wie normal, ich konnte nicht mehr gescheit gehen. Deshalb haben wir beschlossen, dass ich sofort heim fliege. Meine Mechaniker schickte ich mit dem Transporter zurück.»

Die Mechaniker fuhren von Russland durch Weißrussland, in Brest, an der weißrussisch-polnischen Grenze, wurden sie vom Zoll aufgehalten. «Weil ich so schnell heim wollte, habe ich nicht lange überlegt, ob irgend etwas abgeht», bemerkte Seifter. «Natürlich hat ein Dokument gefehlt, dass mein Mechaniker auch ohne mich über die Grenze kommt. Alle Dokumente waren auf mich ausgestellt, ich war aber nicht dabei. Bei der Einreise nach Weißrussland musste ich eine Deklaration für das Auto ausfüllen, ich war aber leider nicht mehr dabei.»

Für die weißrussischen Zöllner war die Ausreise damit illegal und sie beschlagnahmten den VW Crafter des Österreichers wegen eines Zollvergehens.

Seifter weiter: «Der Zöllner sagte meinen Mechanikern, dass ich persönlich vorbeikommen, 50 Euro Strafe zahlen soll, dann könne ich in den Bus einsteigen und heimfahren. Natürlich habe ich wieder ein neues Visum gebraucht, damit ich wieder dahin komme. Als ich dort war, haben sie mir an der Grenze erklärt, dass es nicht so einfach sei, und dass das nicht stimme. Ich musste mich dann in einem Regierungsgebäude melden und sie sagten mir, dass das eine schwierige Situation sei. Wir hätten ein Zollvergehen gemacht und das läuft über das Gericht. Ich war nicht dort um das Auto abzuholen, sondern das war eine Vorladung mit Zeugenaussage, eine Fallaufnahme. Sie fragten mich, wie das alles zustande kam. Sie sagten mir dann, dass der Richter entscheiden werde, ob ich den Bus wieder kriege oder nicht. Ich habe mir das Gesetz angeschaut. Bei einem Zollvergehen wie unserem ist eine Strafe zwischen 50 und 200 Prozent des Warenwertes möglich»

«Der erste Schock für mich war, dass ich einen Gerichtstermin habe. Der zweite war, dass ich nicht mit dem Bus zurückfahren konnte und ich nicht wusste, wie ich wieder heim komme. Bei der Hinreise bin ich nach Minsk geflogen und dann von dort mit dem Zug nach Brest gefahren – das dauerte eineinhalb Tage. Bis ich wieder daheim war, dauerte wieder einen Tag. Am Bahnhof stand alles auf kyrillisch, ich kann kein Wort russisch. Gott sei Dank hatte ich eine Dolmetscherin dabei die schaute, dass ich wieder heim komme. Ein Freund hat mir von zuhause aus einen Flug von Warschau nach München gebucht. Die Vorladung war um 10 Uhr vormittags zu Ende, der nächste Zug nach Warschau ging um 22.15 Uhr. Ich musste also zwölf Stunden am Bahnhof warten. Um 24 Uhr war ich in Warschau, dort musste ich bis um 7.30 Uhr auf den Flieger warten.»

Heute nach Mitternacht kam der Österreicher mit seinem Bus zuhause an, als Strafe musste er 12.000 Dollar an Weißrussland bezahlen. «Wir haben noch versucht etwas zu machen, weil ich ja verletzt war», erzählte er SPEEDWEEK.com. «Aber da war nichts zu machen. Irgendwann sagten sie mir, dass am 18. März Gerichtsverhandlung sei. Für mich war es unmöglich, so kurzfristig ein Visum zu bekommen, sie sagten mir das erst kurz vorher. Wir haben dann beantragt, dass der Gerichtstermin eine Woche später ist. Das haben sie akzeptiert. Hinterher erfuhr ich, dass am 18. März Gerichtsverhandlung war – ohne mich und meinen Anwalt und trotz Verschiebung. Ich hatte ihnen meine medizinischen Papiere vorgelegt, aber die haben sie gar nicht beachtet. Mein Rechtsanwalt, den ich von der österreichischen Botschaft in Weißrussland bekam, konnte auch nicht viel machen. Wenn das Gericht dort sagt, dass es so ist, dann ist es so. Der russische Verband und auch die FIM haben Briefe geschrieben, dass ich Weltmeisterschaft fahren muss und verletzungsbedingt heim bin, das hatte aber alles null Wirkung.»

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