Grand Prix Miami: Kein Vertrag, Widerstand wächst

Von Mathias Brunner
Formel 1
Miami: Die Pistenführung um die «American Airlines Arena» ist fragwürdig

Miami: Die Pistenführung um die «American Airlines Arena» ist fragwürdig

​Mit grossem Tamtam war angekündigt worden, dass Formel-1-Mehrheitsbesitzer Liberty Media einen zweiten WM-Lauf auf US-amerikanischem Boden durchführen wolle: in Miami. Aber es gibt keinen Vertrag.

«Welcome to Miami! Bienvenidos a Miami!» ist auf dem weltberühmten, federleichten Song «Miami» von Schauspieler Will Smith zu hören. Aber so willkommen scheint die Formel 1 in der US-amerikanischen Stadt nicht zu sein – bis am 1. Juli hätte ein Vertrag zur Austragung eines WM-Laufs in Florida unterzeichnet sein sollen, aber die Frist kam und ging, und passiert ist gar nichts.

Miami-Bürgermeister Francis Suarez traf sich im November 2017 mit Vertretern von Liberty Media. Ein GP-Kurs sollte um die «American Airlines Arena» herum und den berühmten Biscayne Boulevard hinunterführen. Dieser erste Streckenplan geriet sofort in die Kritik – weil er inunspiriert ist und Parkgebiete berührt. Ganz abgesehen davon, dass die Pistenführung um die Arena herum gar nicht erlaubt wäre.

Bald wurde klar: Nicht alle Einwohner von Miami schlagen vor Begeisterung ein Rad, wenn sie von der Formel 1 hören. Ein Stadtkurs mitten durch die Stadt, das brachte zahlreiche Anwohner in Aufruhr. Seit Jahren versuchen Besitzer teurer Eigentumswohnungen an der wunderschön gelegenen Küste, lauten Nachtklubs und Strassenfesten den Riegel zu schieben. Miami gibt sich weltoffen, aber alles hat seine Grenzen. Als im März 2015 die Formel E nach Miami kam, erhielt die Veranstaltung tüchtig Prügel – wegen Verkehrsumleitungen und Verschandelung von Grünflächen. Umweltschützer Peter Ehrlich junior meinte damals: «Nichts an der Formel E ist grün. Wenn 20.000 Quadratmeter Küstenlinie für ein Autorennen zerstört werden, hat das mit grün nichts zu tun.» Das Rennen war vom Stadtrat auf fünf Jahre ausgelegt worden, wurde aber nur einmal ausgetragen und verschwand erklärungsfrei aus der Formel-E-Welttournee.

Seither hat sich viel getan Downtown. In Miami spriessen Eigentumswohnungen schneller als Pilze. Die wohlhabenden Besitzer machen ihren ganzen politischen Druck spürbar, eine saubere, friedliche und ruhige Wohngegend zu kultivieren. Ende März 2018 musste der Musikklub Heart schliessen. Ein HipHop-Festival wurde auf Druck der Anwohner aus dem Bayfront Park verschwinden.

Parallel dazu ist die Allianz für ein besseres Florida gegründet worden. Die haben in Zeitungen wie dem «Miami Herald» Anzeigenkampagnen geschaltet und offen zum Widerstand gegen die Formel 1 aufgerufen. In der Anzeige steht: «Sagt Nein zur Formel 1. Hier werden auf Kosten des Steuerzahlers Strassen in eine Rennstrecke verwandelt. Die Strassen gehören uns, nicht dem Rennsport. Wir erhalten monatelange Bauarbeiten, geschlossene Strassen, Lärm, das alles bedeutet Kopfschmerz für unsere Gemeinde. Daher: Sagt dem Bürgermeister und den Stadträten Nein zu einem Formel-1-Rennen in unserer Nachbareschaft. Steuergelder sollten zum Wohl der Gemeinde verwendet werden, nicht für ein Autorennen.»

Eigentlich war einmal vorgesehen, dass ein Zehnjahresvertrag bis am 1. Juli 2018 unterzeichnet ist. Aber diese im vergangenen Mai von der Stadtregierung gesetzte Frist ist gekommen und erloschen, passiert ist nichts. Das ist auch der Grund, warum wir noch keinen WM-Fahrplan für die Formel-1-Saison 2019 haben. Denn keiner weiss, ob das für Oktober geplante Rennen in Miami stattfinden wird. Stephanie Severino, stellvertretende Kommunikationsleiterin der Stadt Miami, bestätigte gegenüber dem Magazin Forbes: «Es gibt keinen Vertrag.»

Andres Althabe, Präsident der «Biscayne Neighborhoods Association» bleibt vorsichtig: «Wir warten ab, wie der Vertrag aussieht, den der Stadtrat vorgelegt bekommt. Wenn wir keinen klaren Nutzen in diesem Rennen erkennen für die Stadt Miami, dann werden wir uns gegen diesen Anlass aussprechen.»

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