Die Kunst des Boxenstopps

Von Petra Wiesmayer
Formel 1
Jeder Handgriff muss sitzen

Jeder Handgriff muss sitzen

Boxenstopps sind schon lange ein wichtiger Teil der Rennstrategie in der Formel 1. Red Bull Racing gewährt im Video einen Zeitlupenblick auf die Choreographie der Radwechsel.

Überholmanöver finden in der Formel 1 nicht nur auf der Strecke statt, sondern auch in der Boxengasse und die Boxenstrategie kann oft rennentscheidend sein. Im allgemeinen wird die Taktik vor dem Rennen festgelegt, sogenannte «Boxenstoppfenster» geben die Runden an, in denen ein Auto zum Reifenwechsel an die Box gerufen werden kann. Und dann muss es so schnell wie möglich gehen. Viel länger als zwei Sekunden dürfen Sebastian Vettel und Co. nicht stehen, denn sonst ist alles verloren. Gelingen die Boxenstopps jedoch, kann man schon mal den einen oder anderen Platz gutmachen. Früher war das anders. Da wurden die Rennen ausschließlich auf der Strecke ausgetragen und die Boxen standen nur für Notfälle zu Verfügung.

Es war zwar auch vor 1982, als Brabham die Boxenstopps erstmals eingeführt hat, nicht verboten nachzutanken, nur war da noch niemand auf die Idee gekommen, dass man Rennen durch eine bestimmte Boxentaktik sogar gewinnen könnte. Dann, 1984, wurden diese Nachtankmanöver aus Sicherheitsgründen verboten, was nicht selten dazu führte, dass beinahe bei jedem Rennen mindestens ein Fahrer kurz vor der Zielflagge ohne Sprit dastand. Die schlauen Köpfe im Team hatten einfach den Verbrauch falsch berechnet. Von 1994 und 2009 durfte wieder nachgetankt werden, jetzt müssen die Boliden wieder mit einer Tankfüllung ins Ziel kommen.

Die Boxenstrategie ist zu einer Wissenschaft für sich geworden, und kein Außenstehender wird wohl jemals deren ganzes Geheimnis ergründen können. Da spielen Faktoren eine Rolle, wie die ausgewerteten Daten der freien Trainings, die Reifenwahl, der Startplatz, die Konkurrenten, die um einen Fahrer herumstehen, das Wetter und vieles andere mehr. Abhängig davon überlegt man sich dann, wie viel Benzin man in den Tank gibt, damit Kalamitäten wie ein leerer Tank kurz vor Rennende nicht entstehen. Andererseits versucht man, abhängig von der Balance des Autos, natürlich so wenig wie möglich zu tanken, denn ein Liter Benzin wiegt 0,73 Kilogramm und jedes Kilo mehr Gewicht macht den Wagen langsamer.

Um die Boxenstopps genau timen zu können, ist es auch wichtig zu wissen, wie viel Zeit der gesamte Stopp einnimmt, inklusive Boxenein- und Ausfahrt und der Zeit, die der Fahrer braucht, um die neuen Pneus wieder auf Temperatur zu bringen. Rechnerisch ist das kaum zu erfassen, denn jeder Pilot hat einen anderen Fahrstil und dementsprechend auch einen anderen Reifenverschleiß. Ist es dann soweit, dass ein Stopp bevorsteht, läuft (meistens) alles wie ein Uhrwerk, auch wenn der Zuschauer den Eindruck eines völligen Chaos hat.

Sobald das Auto in die Boxengasse kommt, werden die Heizdecken von den neuen Reifen genommen und dann heißt es für den Fahrer, exakt auf den markierten Linien zu stoppen, denn allein das Aufsetzen des Schlagschraubers ist Millimeterarbeit. Sobald das Auto steht, hebt vorne und hinten jeweils ein Mann mit einem Wagenheber das Auto an. Gleichzeitig lösen die Mechaniker die Schrauben von den Rädern. Je drei Mann kümmern sich um ein Rad. Einer mit dem Schlagschrauber, der die Schraube löst und wieder befestigt, ein zweiter, der das alte Rad entfernt und ein dritter, der das neue wieder auf der Nabe aufsetzt. Die ganze Aktion dauert gerade mal etwas mehr als zwei Sekunden.

Damit auch alles wie am Schnürchen läuft und jeder Handgriff sitzt und nicht am Ende lose Räder durch die Gegend rollen – man erinnere sich nur an Mark Webbers missglückten Stopp am Nürburgring – müssen Boxenstopps geübt werden, immer und immer wieder, auch am Rennwochenende, um zu sehen, ob es noch irgendwo eine Schwachstelle gibt.

Dabei spielt auch die jeweilige Tagesform der einzelnen Mechaniker eine Rolle, ob sie gerade einen guten Tag haben oder einen schlechten. Der verantwortliche Chefmechaniker weiß dann beim Boxenstopp, wo er aufpassen oder vielleicht auch mal helfen muss. Bei allen Teams hat jeder seine spezifische Aufgabe. Da gibt es Leute, die sind am Schlagschrauber sehr schnell, und andere beim Räderwechseln und man nimmt natürlich immer die, die jeweils am schnellsten sind. Die einen nehmen das Rad schneller runter und die anderen montieren es schneller. Die richtige Mannschaft zusammenzustellen geht natürlich nicht von heute auf morgen. Das ist eine teils jahrelange Entwicklungszeit, bis man eine Mannschaft wirklich optimal zusammengestellt hat.

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