Audi Group: Ducati-Verkauf wurde auf Eis gelegt

Von Johannes Orasche
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Ducati und Audi: Weiter unter einem Dach?

Ducati und Audi: Weiter unter einem Dach?

Die Liste der Interessenten für Motorradhersteller Ducati war lange und prominent. Nun scheinen die Verkaufspläne jedoch vorläufig abgeblasen zu sein.

Lange Zeit wurde wild über einen möglichen Verkauf der Audi-Group-Tochter Ducati spekuliert. Unter jenen Konzernen, die Interesse zeigten, befand sich auch die indische Bajaj-Gruppe, die seit einigen Jahren Großaktionär von KTM ist und den Mattighofenern zu Verkaufserfolgen auf neuen Wachtumsmärkten in Südostasien verholfen hat – vor allem mit preiswerten Zweirädern mit wenig Hubraum.

Der Ducati-Verkaufsdeal hätte bei Volkswagen vor der wichtigen EICMA-Motorrad-Messe in Mailand im November abgeschlossen sein sollen. Es ging um einen Verkaufspreis zwischen 1,5 und 1,7 Milliarden Euro. Zur Erinnerung: Audi hatte für Ducati 2012 etwa 850 Millionen bezahlt.

Heißester Anwärter auf eine Übernahme des Kommandos in der Ducati-Zentrale in Borgo Panigale, wo eine hochmoderne neues Produktionsanlage in Betrieb genommen wurde, war lange der US-Hersteller Harley Davidson aus Milwaukee. Harley verfügt über gut gefüllte Kassen und dominiert in Nordamerika die Hälfte des Marktes für hubraumstarke Motorräder. Für die Ausarbeitung eines Kaufangebotes und eine eventuell Ausführung hatte Harley bereits das Bankhaus Goldman Sachs beauftragt.

Zuletzt schaltete sich ein italienisches Fonds-Konsortium mit Beteiligung des Benetton-Konzerns ein und befand sich bald in der Pole-Position für eine Übernahme. In das Finanz-Portfolio von Benetton gehören bereits der italienischen Autobahn-Betreiber sowie die weit verzweigte Raststationen-Kette Autogrill. Auch die Equity-Fonds Bain Capital, Permira und KKR arbeiteten an Angeboten für Ducati.

Nun ist alles anders. Der Ducati-Verkaufsplan wird wohl nicht einmal dem VW-Aufsichtsrat vorgelegt. Das Problem für den VW-Finanzvorstand Frank Witter, der den Ducati-Verkauf angeschoben hatte: Im Volkswagen-Konzern gab es mit der mächtigen Arbeitnehmervertretern eine starke Opposition gegen den Verkauf. Noch dazu waren die Betriebsräte anfangs gar nicht in die Verkaufspläne eingeweiht, was sehr schlecht ankam.

Und: Warum ein Juwel verkaufen, dass noch dazu Gewinne schreibt?

Die Vertragsverlängerung mit dem Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler, der im Diesel-Skandal angezählt war, kommt Ducati ebenfalls zugute. Stadler gilt als Befürworter von Ducati, die Marke passt ins sportliche Portfolio.

Ein deutscher Gewerkschaftssprecher ließ im Frühjahr ausrichten: «Ducati ist ein Juwel. Hersteller wie Harley Davidson hinken technisch gesehen um Meilen hinterher.»

Auch die Familien Porsche und Piëch haben die Betriebsräte zuletzt bei ihrem Veto gegen den Verkauf unterstützt.

Die Ducati Motor Holdung hat 2016 einen Umsatz von 598 Millionen Euro erwirtschaftet und dabei einen Gewinn von 50 Millionen erzielt.

Und Andrea Dovizioso ist im Moment drauf und dran, zehn Jahre nach Casey Stoner als erster Italiener für Ducati den MotoGP-WM-Titel zu holen.

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