Top drei im Tech-Talk

Von Barbara Proske
Air Race
Wade Hammond, Vito Wyprächtiger und Bruno Marlière die derzeit be

Wade Hammond, Vito Wyprächtiger und Bruno Marlière die derzeit be

Im Gespräch mit Vito, Bruno und Wade über Taktik, Modifikationen und Erwartungen.

Sie schrauben für die derzeit besten drei Piloten in der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft. Vito Wyprächtiger (Team Arch), Bruno Marlière (Team Ivanoff) und Wade Hammond (Team Bonhomme) sind mit Ende 20, Anfang 30 um einiges jünger als die erfahrenen Techniker der anderen Teams, aber in punkto Können derzeit das Mass aller Dinge.

Nur drei Punkte trennen die Top drei Teams vor dem dritten Saisonrennen in Windsor, Ontario in Kanada.
Zeit, um die besten drei Teamtechniker zu bitten, ihre Ratschen, Gabelschlüssel und Schraubenzieher beiseite zu legen und sich über Taktik, Modifikationen und Erwartungen zu unterhalten.

- Wie zufrieden seid ihr mit der Leistung von Pilot und Maschine nach den ersten zwei Rennen?
Vito: Im Allgemeinen bin ich ganz zufrieden, natürlich wäre mehr immer besser. Aber da sind schon zwei Sachen, an denen wird noch fleissig gearbeitet, um sie bis Windsor auszumerzen. Was mich sehr freut ist, dass Hannes und das ganze Team auch unter Druck gut funktioniert und wir Top-Leistungen bringen können. Es ist nicht immer ganz einfach, wenn einem alle auf die Finger schauen.
Bruno: Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich von Nicolas Vertrauen in mich und in meine Arbeit erfreut bin. Es freut mich, an einem Flieger mit einem einzigartigen Design und einer soliden Struktur zu arbeiten. Was den Motor betrifft muss ich an dieser Stelle grossen Dank an den Hersteller Ly-con aussprechen, die haben wirklich einen tollen Job gemacht.
Wade: Ich bin mit beidem sehr zufrieden, vor allem, weil es unsere bislang konkurrenzfähigste Saison beim Red Bull Air Race ist. Die Kombination aus umfassenden Modifikationen, die wir über den Winter durchgeführt haben und dem talentiertesten Piloten wird für weitere Siege auf dem Konto von Team Bonhomme sorgen.

- Arbeitet ihr vor Windsor an Modifikationen bzw. werden Änderungen in spezifischen Bereichen durchgeführt oder am Flugzeug generell?
Vito: Zuerst muss unser Flieger repariert werden. Wir werden in Windsor Modifikationen am Flugzeug haben – einige sichtbar, andere nicht. Auf jeden Fall werden wir an der Aerodynamik arbeiten. Ich denke, dass alle Teams ohnehin konstant am Flugzeug arbeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Bruno: Vor Windsor wird nichts am Flieger gemacht. Aber danach geht es daran die Manöverperformance und die Leistung noch zu verbessern.
Wade: Ja, wir arbeiten an einer weiteren Gewichtsreduktion, an der Motorleistung und der Aerodynamik – also im Prinzip am gesamten Flugzeug, und das wird auch die gesamte Saison über so bleiben. Spezifische Informationen stelle ich gerne im Oktober zur Verfügung, oder aber gleich, wenn ich hier und jetzt erfahre, woran Bruno und Vito momentan arbeiten.

- Der Vogelschlag von San Diego: Was genau muss an Hannes Archs Flieger vor Windsor gemacht werden? Wie lange wird es dauern und wer macht die Reparaturen?
Vito: Das ganze Höhenleitwerk muss ersetzt werden, der Flügel hat auch erhebliche Beschädigungen davon getragen. Unser Flugzeug ist zurzeit bei Zivko Aeronautics (Hersteller) zur Reparatur. Die Jungs von Zivko sind die besten Fachkräfte, die man für so etwas haben kann und auch die schnellsten. Eigentlich sollte der Flieger ein paar Tage vor Windsor bereit sein, damit wir noch ein bisschen testen können und Hannes sich an das komplett neue Höhenleitwerk und Höhenruder gewöhnen kann.
Ich selbst werde mich inzwischen mit der einen oder anderen Modifikation beschäftigen und zusammen mit Hannes über neuen Tuning-Massnahmen brüten.

- Fühlt ihr ein bisschen mit Vito, da er vor Windsor jetzt jede Menge Arbeit hat, um den Flieger wieder auf Vordermann zu bringen?
Bruno: Das hätte jedem von uns passieren können, darum bin ich immer bis zum Schluss vorsichtig und fair. Ich bin froh dass nicht mehr passiert ist und Hannes alles gut überstanden hat. Ich hoffe, dass der Flieger rechtzeitig bis Windsor repariert sein wird.
Wade: Es tut mir leid, dass der arme Vito nicht bei Zivko ist und sein Baby gesund pflegen kann ;-), aber ich habe volles Vertrauen dass Eric und sein Team alles in Ordnung bringen.

- Alle Top drei Piloten fliegen eine Edge 540. Lamb und Rookie Hall haben bereits bewiesen, was die MXS-R drauf hat. Wie stark schätzt ihr die MXS-R ein? Wärt ihr neugierig zu sehen, wie sich euer Pilot in einer MXS-R schlägt?
Vito: Um ehrlich zu sein bin ich überrascht, wie stark die MX-Jungs heuer sind. Ich denke auch, dass da im Laufe der Saison noch mehr kommen wird. Auch die Mechaniker der MX-Piloten haben zum Teil wahre Wunder vollbracht, speziell im Bereich der Gewichtsreduzierung. Hut ab!
Meiner Meinung nach haben es die MX-Teams schwerer, gravierende Modifikationen zu machen weil sie nichts an der Form vom Rumpf ändern können (der Rumpf der MXS-R ist aus Kohlefaser, die Edge ist aus Rohren zusammen geschweisst und von einer Verschalung umhüllt, Red.). Sagen wir, es ist nicht ganz einfach daran zu arbeiten, weil der Rumpf ein tragender Teil des Fliegers ist. Generell denke ich, dass die Edge nach wie vor das Mass aller Dinge ist, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Es wäre sehr interessant, Hannes in einer MXS-R fliegen zu sehen, aber man braucht immer Zeit, um sich an ein Flugzeug zu gewöhnen.
Bruno: Auf dem Papier sind die Unterschiede zwischen den beiden Fliegern nur gering. Aber in meinen Augen ist es einfacher, die Edge zu tunen und Gewicht zu reduzieren, das ist bei der MXS-R schwieriger. Als Pilot musst Du im Einklang mit Deiner Maschine sein, aber es wäre durchaus interessant, Nicolas in einer MXS-R fliegen zu sehen – obwohl ein guter Pilot immer etwas ausmacht.
Wade: Ich habe mir die Entwicklung der R Version von der MX genau angesehen und denke, dass das Potential sich jetzt langsam zeigen wird. Paul würde in einer MXS-R sicher auch eine gute Leistung bringen, aber die Edge ist immer noch das überlegene Rennflugzeug.

- Der Konkurrenzkampf in der Weltmeisterschaft steigt. Wie stellt ihr sicher, dass eure Mitstreiter nicht herausfinden, an was ihr arbeitet?
Vito: Man versucht natürlich so viel wie möglich zu verbergen, gleich wie in der Formel 1. Es würde ja auch keinen Sinn machen, etwas zu bauen und beim nächsten Rennen haben es dann alle anderen auch. Manche Modifikationen sind offensichtlicher als andere, aber trotzdem weiss man dann noch lange nicht, wie die genau gemacht wurden.
Bruno: Für uns Mechaniker zählt am Ende des Tages die Zeit in der letzten Runde. Natürlich versucht jedes Team seine Arbeit zu hüten. Ich denke, dass man seinen eigenen Weg finden muss und in seine eigene Arbeit vertrauen haben muss und nicht versuchen, andere zu kopieren, denn dann ist man immer einen Schritt hinten.
Wade: Die Privatsphäre in unseren Hangars ist gut, aber die Wände sind dünn. Zu wissen, dass es viele Augen und Ohren gibt, lässt uns vorsichtig sein.

- Wie gross ist der Konkurrenzkampf zwischen euch? Habt ihr Wetten laufen?
Vito: Sicher sind wir Konkurrenten und wollen gewinnen, aber zugleich sind wir auch Freunde, was nicht immer einfach ist. Ich weiss, dass wenn Not am Mann ist, ich mich auf die Jungs verlassen kann. Ich glaube, dass jeder von uns das Rennen auf der Strecke austragen will. In San Diego zum Beispiel bekamen wir gleich von Team Mangold und Lamb Hilfe mit Ersatzteilen um den Flieger flott zu machen, so etwas nenne ich Sport. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals. Ich hoffe wir können diesen Jungs auch mal einen Stein in den Garten werfen oder uns revanchieren. Ob es Wetten gibt, weiss ich nicht. Ich habe zumindest keine laufen. Aber das wäre vielleicht ganz lukrativ ;-)
Bruno: Jeder muss seinen eigenen Weg finden, um das Beste herauszuholen. Ich habe sehr viel Respekt vor den Leistungen der beiden anderen Teams und kann es kaum erwarten, unsere Maschine auf dieses Level zu bekommen.
Wade: Gesunder Wettbewerb ist Okay und wenn es nach mir geht, können wir gerne ein paar Bier auf das WM-Ergebnis wetten.

- Wer wird eurer Meinung nach beim Rennen in Windsor ganz oben auf dem Podest stehen?
Vito: Ich weiss nicht genau, was die MX-Jungs alles mit ihren Fliegern noch vorhaben, aber ich denke es wird ein ähnliches Bild sein, wie in San Diego. Vielleicht werden die MXS-R-Teams etwas stärker sein. Laut Gerüchteküche hat Paul so einiges vor, um das Gewicht seines Fliegers zu reduzieren, wenn das stimmt, wird er sicher eine Knacknuss werden. Für uns wird es eng, alle Modifikationen durchzubringen, da wir noch mit den Reparaturen vom Vogelschlag kämpfen, aber wir werden sehen.
Bruno: Unser Ziel ist es, in den Top drei zu bleiben. Drückt uns also die Daumen!
Wade: Mit Sicherheit einer unserer drei Piloten, vielleicht sogar der mit dem kürzesten Vornamen.

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