Bonhomme: «Über 2007 rege ich mich immer noch auf»

Von Nadja Zele
Air Race
Bonhomme studiert Sektorzeiten mit Techniker Wade Hammond.

Bonhomme studiert Sektorzeiten mit Techniker Wade Hammond.

Der Weltmeisterschaftsführende Paul Bonhomme persönlich. Wieso er seit kurzem nicht mehr so aggressiv fliegt und sich immer noch über den verpassten Titel ärgert.

Für den Briten hat 2009 ein neues Leben begonnen. Es ist das Jahr, das ihn bisher am stärksten geprägt hat, sagt er. [*Person Paul Bonhomme*] wurde im Februar Vater einer Tochter, Olivia Jean.

Hat dich die Vaterschaft verändert?
Sehr. Das stellt so einiges in Frage. Davor rennst du wie ein Idiot herum, denkst, dass alles total wichtig ist, und dann passiert so etwas, und du fragst dich: War das alles wirklich wichtig? Ich geniesse es enorm!

Geniesst du es auch, Rennpilot zu sein?
Ja, klar. Ein Kind ändert jedoch den Blickwinkel. Ohne die ganze Verantwortung geht man ein Rennen vielleicht etwas aggressiver an. Ich bin beim Fliegen nie so sehr ans Limit gegangen, dass ich mich hätte verletzen können. Ich glaube nicht, dass sich mein Flugstil geändert hat, aber vielleicht die Art, wie ich gewisse Dinge angehe. Muss ich den Zug um 8:04 Uhr um alles in der Welt erwischen? Wenn ich ihn verpasse …, geht es allen gut, sind alle fit und gesund? Ja? Also.

Spricht so ein Wettkampftyp?

Ich denke, ja. Schau dich nur um – viele Motorsportler haben Familie und Kinder. Vielleicht hilft das sogar. Zuhause höre ich jedenfalls immer wieder: «Du bist nicht beim Air Race, Sonnenschein. Bring gefälligst den Müll runter!» Das ist gut, es holt dich wieder runter.

Lag dein Fokus im Vorjahr auf dem Titelsieg oder ging es dir eher darum, Rennen für Rennen zu gewinnen?
Es läuft wohl darauf hinaus, dass der, der alle Rennen gewinnt, vermutlich auch den Titel holt. Aber das hat bei mir nicht geklappt. Und Arch hat 2008 bewiesen: Wenn du dich nur konstant aufs Podium bringst, wirst du am Ende auch gewinnen.

2007 hast du den Titel an Mike Mangold, letzte Saison an Hannes Arch verloren …
Über 2007 rege ich mich immer noch auf. Würde Mangold heute tun, was er damals in Budapest getan hat, würde er disqualifiziert. Er flog zu tief. Das wurmt. Denn wenn man jetzt Leute deswegen disqualifiziert, warum hat man es nicht schon 2007 getan? Vor allem, weil die Rennrichter der Ansicht waren, es sei disqualifikationswürdig, der Renndirektor hatte es aber nicht gesehen. Du bist dann am Ende punktgleich und überlegst, dass du um sechs Punkte vorne liegen würdest, hätte Mangold diese sechs Punkte in Budapest nicht bekommen.
Letztes Jahr habe ich den Titel in London vergeigt. Und der Hauch zu viel Aggressivität in Porto. Da lag ich über dem g-Limit.

Wie hast du den Moment in Erinnerung, als man dir in Porto mitteilte, dass du disqualifiziert bist?
Nach dem ersten Qualifying hiess es, man wolle meinen Fliehkraftmesser sehen, weil man glaube, dass ich über das Limit gezogen habe. Die Übertragung der Telemetrie war ausgefallen, also brauchten sie mein Instrument. Dann hiess es, ich könne das Quali 2 fliegen, während sie die Daten checken. Abends wurde mir der Ausschluss mitgeteilt. Ich bin an die Bar gegangen …

Warum ist Arch so stark, fast uneinholbar, vorausgesetzt, er macht keinen Fehler?
Ist er das? Hannes hat irgendwas in seinem Motor, vielleicht ist es die Airbox. Man muss sich nur die Zwischenzeiten ansehen, der knallt um die Ecken. Wer genug Power hat, kann sich in Bezug auf Flugtechnik etwas entspannen. Power bringt dich über die Runden. Daher bin ich auch kein Fan des Quadro, weil da nur Power zählt. Das soll jetzt keine Entschuldigung sein. Aber wir haben unseren Motor kürzlich aufgemacht, und er entspricht nicht dem, was wir erwartet hatten. Er ist reiner Standard. Das ist schon frustrierend.

Was genau lief beim Motor schief?
Wir hatten grosse Pläne, es wurde viel diskutiert und versprochen. Doch der Motor lieferte nicht das, was er sollte. Darauf hätte ich früher kommen müssen.

Und wann?
Das ist es ja. Man kann einen Motor in zwei Wochen Pause nicht zerlegen. Zumal die Rennflugzeuge auch verschifft werden. Ist er in einem Container, ist er in einem Container. Die einzige Chance wäre, meinen Techniker Wade Hammond in den Container zu sperren, ihm einige Sand­wiches dazulassen und zu sagen, wir brauchen bis zur Ankunft einen neuen Motor.

Was fehlt dir in deinem Sport?
Es ist alles da. Technologie, Expertise. Du musst nur rausgehen und sie finden.

Hast du sie gefunden?
Wir hatten Hilfe aus den USA.

Hilfe, die ihr ausbauen wollt?
Eventuell.

Gibt’s 2010 einen neuen Flieger?
Kann sein.

Wird es wieder eine Edge sein?
Gut möglich.

Befindet sie sich schon im Aufbau?
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Ein neuer Motor ab Porto?
Könnte sein …

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