Zitterpartie vorbei: Thomas Gradinger mit Yamaha-Team

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM
Thomas Gradinger fährt wieder Supersport-WM

Thomas Gradinger fährt wieder Supersport-WM

Verletzungsbedingt musste Thomas Gradinger auf die Saison 2020 verzichten. Lange sah es für dieses Jahr nicht gut aus, doch jetzt hat sich für den Österreicher ein reizvoller Vertrag in der Supersport-WM ergeben.

Thomas Gradinger hat seit 2017 einen erstaunlichen Aufstieg hingelegt. Mit sechs Siegen und zehn Podestplätzen in zwölf Rennen wurde der heute 24-Jährige 2017 Deutscher Supersport-Meister. Seit dem Jahr darauf fuhr er in der Weltmeisterschaft für die Yamaha-Teams Nerds (2018) und Kallio (2019) in 25 Rennen 15 Mal in die Top-10 und siebenmal in die Top-5. In Assen schaffte er es 2019 sogar als Dritter aufs Podest, womit er der erfolgreichste Österreicher in dieser Klasse ist.

Für 2020 hatte sich Gradinger mit dem Kiefer-Team für die Supersport-WM geeinigt, doch Jochen Kiefer zog bereits vor dem Saisonstart den Stecker, weil das Projekt finanziell nicht zu 100 Prozent gesichert war.

Somit stand Gradinger ohne Team da, als die Weltmeisterschaft am 1. März in Australien begann.

Dann kam die fünfmonatige Coronapause.

Am 24. Mai war Gradinger auf dem Red Bull Ring in Spielberg beim Trainieren, als ihm ein folgenschweres Missgeschick passierte. «Mir ist in einer ziemlich schnellen Kurve schlagartig das Hinterrad weggerutscht und ich hatte einen Highsider», schilderte er. «Im Krankenhaus wurde die Zertrümmerung des rechten Sprunggelenks festgestellt; der Knorpel war auch beschädigt und das Schlüsselbein habe ich mir ausgekugelt. In den Fuß bekam ich drei Platten und um die 15 Schrauben.»

Ende November wurde der Oberösterreicher erneut operiert. «Das Gelenk wurde ausgeputzt, Knochensplitter rausgeholt und dem Knochen wurde eine schöne Form verpasst, da war so eine seltsame Nase dran, die abgebrochen wurde», schilderte er SPEEDWEEK.com. «Ein paar Schrauben kamen raus, die Platten sind noch drin. Und der Unterschenkelmuskel wurde eingeschnitten, damit er sich ein bisschen in die Länge zieht. Es ist besser als zuvor, auch wenn ich jeden Tag Schmerzen habe. Ich habe mich daran gewöhnt, sie sind nicht so stark.»

Wie sehr wird dich das beim Motorradfahren behindern? «Ich glaube gar nicht», überlegte Gradinger. «Ich bin schon in Spanien gefahren, unterm Fahren merke ich das nicht. Mal sehen, wie es wird, wenn ich eine Renndistanz absolvieren muss. Ob der Fuß dann brutal anschwillt. Am schlimmsten ist es nach dem Fahren am Abend: Wenn der Fuß nicht mehr belastet wird, fängt er an zu pumpen und die Schmerzen kommen. Volle Beweglichkeit habe ich nicht, aber den Bewegungsumfang, den ich brauche. An Kraft fehlt es rechts gegenüber links auch. Am Ende des Tages bin ich froh, dass ich zwei halbwegs gesunde Beine habe, mit denen ich mich normal fortbewegen kann. Es gibt genügend andere Spitzensportler, die nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind.»

Monatelang haben sich Gradinger und sein Manager Andi Ledermann nach einem Platz in der Supersport-WM 2021 umgehört. Jetzt steht fest: Tom fährt kommende Saison für das italienische Familienteam DK Yamaha und ist damit neben Randy Krummenacher (EAB Yamaha), Dominique Aegerter (Ten Kate Yamaha) und Philipp Öttl (Puccetti Kawasaki) der vierte Deutschsprachige in der Serie.

Mündlich haben sich Gradinger und das Team geeinigt, er wurde bereits bei Promoter Dorna als Fahrer gemeldet. Der Vertrag wird derzeit übersetzt, die Unterschrift erfolgt anschließend.

Bei den Yamaha-Teams Nerds und Kallio hatte der Mann aus Sankt Marienkirchen bestes Material. Wie gut er dieses Jahr technisch aufgestellt sein wird, kann er noch nicht beurteilen: «Teamchef Franco ist sehr ambitioniert, nach dem ersten Test weiß ich mehr. Erst dann kann man sagen, wie gut ein Motorrad zu einem passt. Mein Ziel ist, dass ich mit ihrer Hilfe wieder nach vorne komme. Und ich möchte ihnen natürlich helfen, dass sie sich technisch weiterentwickeln.»

Wer Crew-Chief wird, ist noch offen. Vor dem Saisonbeginn Ende April in Assen sind zwei Tests geplant, der erste voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März in Spanien.

Teams & Fahrer Supersport-WM 2021:

Puccetti Kawasaki: Phillip Öttl (D), Can Öncü (TR)
Orelac Kawasaki: Raffaele De Rosa (I), Leonardo Taccini (I)
WRP Wepol Yamaha: Danny Webb (GB)
GMT94 Yamaha: Jules Cluzel (F), Federico Caricasulo (I)
Toth Yamaha: Peter Sebestyen (H), Richard Bodis (H)
Kallio Yamaha: Soomer?
Evan Bros Yamaha: Steven Odendaal (ZA)
ParkinGO Yamaha: Manuel Gonzalez (E)
EAB Yamaha: Randy Krummenacher (CH)
MS Yamaha: Pedro Nuno (E), Pawel Szkopek (PL)
Ten Kate Yamaha: Dominique Aegerter (CH), Galang Hendra Pratama (IND)
Altogoo Yamaha: Kevin Manfredi (I)
CM Yamaha: Luca Bernardi (I)
VFT Yamaha: Davide Pizzoli (I)
Wojcik Yamaha: Christoffer Bergmann (S)
Trasimeno Yamaha: ?
DK Yamaha: Thomas Gradinger (A)
MV Agusta: Niki Tuuli (FIN)

Fett = bestätigt

Kalender Supersport-WM 2021:

23.–25. April Assen/Niederlande
07.–09. Mai Estoril/Portugal
21.–23. Mai Aragon/Spanien
11.–13. Juni Misano/Italien
03.–05. September Magny-Cours/Frankreich
17.–19. September Barcelona/Spanien
24.–26. September Jerez/Spanien
01.–03. Oktober Portimao/Portugal
15.–17. Oktober San Juan/Argentinien
12.–14. November Lombok/Indonesien
Datum offen Phillip Island/Australien
Datum/Ort offen

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