24h Spa: Schreckgespenst Bentley

Von Oliver Runschke
Blancpain Endurance Series
Bentley startet in Spa mit zwei Werksautos

Bentley startet in Spa mit zwei Werksautos

Zittern vor dem mächtigen Bentley: Obwohl der Continental GT3 in Spa am kommenden Wochenende in das erste 24-Stunden-Rennen startet, hat die Konkurrenz gewaltigen Respekt.

Den Respekt der Gegner muss man sich für gewöhnlich erst einmal verdienen. Bentley hat das mit dem mächtigen Continental GT3 innerhalb von vier Rennen geschafft. Im Dezember kehrte die zum Volkswagen-Konzern gehörenden britische Edelmarke mit einem Testeinsatz bei unbedeutenden 12h von Abu Dhabi in den Motorsport zurück, es war der erste Rennstreckenauftritt eines Bentley seit dem Le-Mans-Sieg mit dem Speed 8 am 16. Juni 2003. Schon beim dritten Renneinsatz beim Bentley-Heimspiel in Silverstone beim zweiten Lauf der Blancpain Endurance Series gelang Guy Smith, Andy Meyrik und Steven Kane im Mai der erste Sieg, beim dritten Lauf in Le Castellet Ende Juni wiederholten die modernen Bentley-Boys das Kunststück. Bei den 24h von Spa am kommenden Wochenende (26./27 Juni) zählt der vom Werksteam M-Sport um Rallye-Ass Malcolm Wilson eingesetzte Bentley Continental GT3 bei vielen Fahrern und Team zu den Favoriten.

Bentley punktet mit sehr guter Aerodynamik

Der Continental GT3 ist ein Riesenschiff – und M-Sport hat es offenbar verstanden aus diesem scheinbaren Nachteil einen Vorteil zu verwandeln. Der lange Radstand des Bentley hilft dem Reifenverschleiss, alle Bentley-Piloten werden nicht müde zu betonen, wie sanft der Continental zu den Reifen ist. Und die Karrosserieform sorgt in Kombination mit einem gewaltigen vorderen Diffusor, der im mächtigen Vorderwagen mühelos unterzubringen ist, für eine excellente Aerodynamik. Der Alpina B6 GT3 lässt Grüssen – das Dickschiff auf dem Allgäu hatte bei ähnlich stattlichen Abmessungen vergleichbare Qualitäten, Bentley treibt das nochmals auf die Spitze.

Bentley gönnte sich mit dem GT3-Auto eine lange Entwicklungswicklungszeit, von der Präsentation der Studie auf dem Pariser Autosalon Ende September 2012 vergingen bis zum ersten Testeinsatz in Abu Dhabi im Dezember 2013 rund 14 Monate. Das stellte sicher, das Bentley mit einem technisch ausgereiften Rennwagen antritt – anders als beispielsweise McLaren, deren 12C im ersten Jahr 2012 noch eine fahrende Baustelle war.

Dass Bentley den Continental GT3 mit grossem Aufwand entwickelt hat, sieht man bei näherem Betrachten der Rennversion auf den ersten Blick. Die vordere Aerodynamik fällt gewaltig aus, der vordere Diffusor ist mächtig und verfehlt seine Wirkung nicht.
Audi-Pilot Christopher Mies beobachtete in Le Castellet: «Die Aerodynamik des Bentley ist aussergewöhnlich. In Le Castellet konnte der Bentley in der Signes-Kurve, der ultra-schnellen Rechtskurve nach der langen Mistral-Geraden, mehrfach problemlos bis unter das Heck vom Audi fahren. Wenn wir mit dem Audi auf drei, vier Meter an einen Gegner heranfahren, wird die Vorderachse so unruhig, dass man mehr Abstand lässt, und unser Audi hat eigentlich schon eine hervorragende Aerodynamik.»

Was kann der Continental wirklich?

Gegner raunen sich zu, der Bentley sei bei Tests in Portimão im Frühjahr zwei Sekunden schneller gewesen und unterstellen den Briten auch, bisher noch bei Weitem nicht gezeigt zu haben, was das Dickschiff kann. Dabei scheint Bentley nicht nur auf der technischen Seite alles richtig zu machen, auch taktisch operiert M-Sport geschickt: Im Training, Qualifying oder bei Tests war der Bentley noch unauffällig, in den Rennen allerdings zur Stelle.

Nicht nur bei der Technik ging Bentley weit: Das Einsatzteam M-Sport besorgte sich Anfang 2013 einen Audi R8 LMS ultra, studierte dessen Technik und übte schon einmal bei einigen Läufen der britischen GT-Meisterschaft für den Ernstfall. Nicht aus Zufall finden sich auch einige im R8 verbaute Technikkomponenten im Continental wieder.

«Bentley zählt für mich neben BMW, Audi und Mercedes zu den Favoriten bei den 24h von Spa», sagte mit BMW-Werksfahrer Maxime Martin einer, der es Wissen muss. «Bentley ist enorm schnell und scheint auch sehr zuverlässig zu sein, die haben neben einem 12-Stunden-Rennen auch drei Drei-Stunden-Rennen ohne technische Probleme absolviert».

Auch Mies fürchtet den Speed der Bentley: «Der Bentley hat nicht nur eine Top-Aero, sondern zieht uns auch auf den Geraden weg. Auf Unzuverlässigkeit braucht man bei dem Bentley auch nicht zu hoffen. Man hört, dass das Team sehr viele Dauerläufe gefahren hat.»

Bei den bisherigen vier Renneinsätzen verzeichnete Bentley erst ein technisches Problem: In Le Castellet blieb der Continental GT3 von Jerome D´Ambrosio, Duncan Tappy und Antoine Leclerc nach einem Schaden am Antriebsstrang liegen. Doch selbst das überzeugt die Konkurrenz nicht von einer Schwäche bei der Dauerhaltbarkeit. «Ich bin mir sicher, das war nur ein Komponententest im Hinblick auf die Haltbarkeit für Spa», winkt ein Mercedes-Renningenieur ab.

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