6h Monza: Analyse des dritten Saisonrennens der WEC

Kolumne von Oliver Müller
Gewinnen die FIA WEC in Monza: (v.li.) Kamui Kobayashi, Mike Conway und José María López mit dem Toyota GR010 Hybrid

Gewinnen die FIA WEC in Monza: (v.li.) Kamui Kobayashi, Mike Conway und José María López mit dem Toyota GR010 Hybrid

SPEEDWEEK.com schaut zurück auf die 6 Stunden von Monza der FIA WEC. Dabei konnte Toyota den nächsten klaren Sieg mit dem neuen Hypercar feiern. Das ist am Rennwochenende noch so alles aufgefallen.

Toyota holte in Monza den dritten Sieg in Folge mit dem neuen GR010 Hybrid. Mike Conway, Kamui Kobayashi und José María López gewannen mit einem Vorsprung von rund einer Minute vor dem Alpine A480 von André Negrão, Nicolas Lapierre und Matthieu Vaxivière. In der GTE-Klasse war wieder einmal Porsche ganz oben auf dem Podest. Das Rennen in Norditalien bot gute Unterhaltung und machte Lust auf die anstehenden 24h Le Mans, die am 21./22. August ausgetragen werden sollen.

Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass Toyota alle bislang ausgetragenen WEC-Rennen der Hypercar-Ära gewonnen hat. Der japanische Hersteller ist seit 2012 in der Top-Klasse unterwegs und weiß somit, worauf es bei einem neuen Rennauto (auch im Detail) ankommt. Der GR010 Hybrid war zudem auch schon Ende letzten Jahres im Testbetrieb unterwegs und konnte in vielen Bereichen perfektioniert werden. Außerdem hat Toyota natürlich auch das größte Budget.

Nichtsdestotrotz gab es erneut technische Probleme – und das an beiden Fahrzeugen. Bei der #8 von Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima und Brendon Hartley sorgte der Benzindruck für ein Rennen zum Vergessen. Auch der Siegerwagen musste zwei Stunden vor Ende auf der Strecke einen Systemneustart durchführen. All das hat natürlich etliche Schweißperlen bei den Verantwortlichen verursacht. Komplett entspannt kann die Toyota-Truppe also nicht nach Le Mans reisen.

Doch auch bei Glickenhaus bereitete die Technik Sorgen. Die #708 von Luis Felipe Derani, Gustavo Menezes und Olivier Pla lief zunächst nur auf sieben (anstatt acht) Zylindern. Beim Schwesterwagen von Romain Dumas, Franck Mailleux und Richard Westbrook mussten die Bremsen getauscht werden. Dies zeigt klar auf, dass der 007 LMH noch nicht komplett ausgereift ist. Die 24 Stunden von Le Mans kommen da wohl etwas zu früh für den amerikanischen Boliden. Denn um Toyota an der Sarthe schlagen zu können, braucht es das perfekte Rennen für Glickenhaus.

Dennoch gab es für Glickenhaus eine tolle Momentaufnahme. Als der führende Toyota rund zwei Stunden vor Schluss auf der Strecke stoppte, konnte einer der 007 LMH kurzzeitig die Gesamtführung übernehmen. Das wird sicher ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit bei Jim Glickenhaus ausgelöst haben. Er hat dieses Projekt mit enormem Enthusiasmus aufgebaut.

Alpine krankt weiterhin am zu kleinen Tank des A480. Das Fahrzeug ist ein alter Rebellion R13 und kann technisch nicht auf mehr Volumen umgerüstet werden. Bei normalen Stints (also ohne Safety-Car oder FCY) schaffte der französische Boliden in Monza drei Runden weniger als die Toyota. Das ist zwar eine Verbesserung im Vergleich zu Spa und Portimão, doch Rennsiege sind dann eben trotzdem nur möglich, wenn bei Toyota etwas schief läuft. In Le Mans wird der A480 jeweils eine Runde früher zum Tanken reinkommen müssen. Über die lange 24h Distanz vergrößert sich der Nachteil damit sogar noch mehr. So wird Toyota in Le Mans nicht geschlagen werden können.

Interessant ist auch der Blick auf die Top-Speeds. Beide Glickenhaus und ein Toyota kamen auf genau 317,6 km/h. Der Alpine und der zweite Toyota erreichten maximal 314,9 km/h. Kurz gesagt: Diesbezüglich passt die BoP.

Mit dem Sieg in der LMP2-Klasse hat United Autosports USA erneut bewiesen, was in dem Team steckt und sich abermals dafür empfohlen, ein Werksteam zu werden. Insbesondere in einer (Art von) Einheitsklasse, welche die LMP2 mittlerweile geworden ist, macht die Teamleistung einen großen Unterschied. United gilt somit auch als LMP2-Favorit für Le Mans – zumal die Briten an der Sarthe sogar mit drei Oreca 07 auflaufen werden.

In der GTE Pro schnappte sich Porsche den Sieg beim Heimspiel von Ferrari. Ferrari ging volles Risiko und splittete die Strategie zum Rennende. Der 488 GTE Evo von Alessandro Pier Guidi und James Calado wurde nicht mit den Anderen zum letzten Tankstopp reingerufen. Denn es sollte versucht werden, bis zum Ende mit der vorhandenen Tankfüllung durchzukommen. Das hätte fast funktioniert. Letztendlich fehlte eine Runde - und die Strategie wäre aufgegangen. So musste nochmals kurz Benzin nachgefasst werden, was den Porsche-Sieg zementierte. In einer so engen Klasse wie der GTE Pro sind es aber genau diese Ansätze, die über Sieg/Niederlage entscheiden.

Fast schon unantastbar ist mittlerweile Kévin Estre. Der Porsche-Werksfahrer gilt ohnehin schon als einer der besten GT-Piloten der Welt. Man erinnere sich nur an seine Performance zuletzt bei den 24h am Nürburgring. In der WEC holte er in Monza die dritte Pole-Position in Folge. Das unterstreicht seine herausragende Stellung noch einmal.

In der GTE Am schafften es hinter dem siegreichen Ferrari von AF Corse (François Perrodo, Nicklas Nielsen und Alessio Rovera) zwei Aston Martin auf das Podest. Der britische Hersteller hat sich zur Saison 2021 bekanntlich aus dem GTE-Werkssport zurückgezogen, doch als Kundenfahrzeug ist der Vantage AMR noch immer eine gute Alternative. Somit bleibt auf absehbare Zeit wenigstens ein bisschen Vielfalt im GTE-Sport erhalten. Das ist schön zu sehen.

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