FIA-Chef Jean Todt: So verteidigt er Skandal-Quali

Von Agnes Carlier
Formel 1
Jean Todt: «Heutzutage wird viel zu oft überreagiert»

Jean Todt: «Heutzutage wird viel zu oft überreagiert»

Die meisten Formel-1-Stars lehnen das neue Qualifying-Format ab, doch Jean Todt hält am umstrittenen Eliminierungssystem fest. In Bahrain erklärte der Franzose, warum er sich gegen den Willen der Fans und Fahrer stellt.

FIA-Rennleiter Charlie Whiting und Jean Todt, Präsident des Automobilweltverbands, luden im Rahmen des GP-Wochenendes in Bahrain zur Medienrunde ein, um sich für das neue Qualifying-Format stark zu machen, das für viel Ärger bei den Formel-1-Protagonisten und Fans sorgt. Denn bei der Premiere des Eliminierungssystems in Australien war die Action im letzten Drittel schon mehrere Minuten vor Ablauf der Zeit vorbei.

Ganz nach dem Motto «Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen» ernteten die Entscheidungsträger der Teams viel Spott von den Fans. Denn sie hatten den Regeländerungen für das Abschlusstraining zugestimmt. Gleich nach dem Qualifying folgten deshalb viele selbstkritische Worte und Beteuerungen, das neue System noch vor dem zweiten Saisonlauf wieder zu kippen.

Daraus wurde nichts, weil FIA-Präsident Jean Todt den Rennställen nur eine Wahl liess: Einer geänderten Version des neuen Qualifyings zuzustimmen, wonach das dritte Drittel nach altem System bestritten werden sollte, oder bei der neuen Version im Australien-Stil zu bleiben. Weil sich gleich mehrere Teamvertreter damit in die Ecke getrieben sahen, lehnten sie den Vorschlag aus Protest ab.

In Bahrain erklärte Todt nun: «Die Formel-1-Spitze konzentriert sich derzeit auf das Qualifying, das wir auf Wunsch der GP-Organisatoren unter die Lupe genommen haben, weil diese sagten, es biete nicht genügend Spektakel. Die FIA-Gruppe um Charlie Whiting machte dann einen Vorschlag, der von allen einstimmig angenommen und vom FIA-Weltrat abgesegnet werden musste und auch wurde. Diesen Prozess müssten wir auch bei einer Anpassung durchlaufen.»

Der Franzose fügte an: «Wir wissen, dass es der beste Weg ist, die Regeln im Einsatz zu prüfen, wenn man sie verstehen will. In Barcelona haben wir die Fahrer aufgefordert, ihre Meinung dazu zu sagen. Und dann kam Australien und die ersten beiden Drittel liefen gar nicht so schlecht.»

Todt räumt zwar ein: «Natürlich war das Q3 eine Enttäuschung, weil einige Fahrer nicht mehr rauskamen, da ihnen ein zusätzlicher Reifensatz fehlte. Ich habe das mit Charlie (Whiting, Anm.) und Pirelli angeschaut, und die Italiener können ab China einen zusätzlichen Reifen zur Verfügung stellen – allerdings würde das zusätzliche Kosten verursachen. Für Bahrain war die Zeit zu knapp.»

Der Präsident des Automobilweltverbands FIA beteuert: «Ich habe mit den Teams gesprochen und alle haben diese Idee unterstützt. Wir dachten, wir können Q1 und Q2 nach dem neuen Format fahren und dabei ein paar weitere Erfahrungen damit sammeln. Ich habe lange mit Bernie Ecclestone gesprochen. Aber nun haben wir die Situation, dass wir beim neuen System bleiben, weil wir keine Einstimmigkeit erzielt haben. Ich habe vorgeschlagen, dass wir uns morgen, Sonntag, mit Pirelli-Vertretern treffen, sobald wir nach dem Qualifying mehr wissen.»

Auf die Frage, ob er die vielen negativen Kommentare in den sozialen Medien gelesen habe, erklärte der 70-Jährige: «Ich habe alles gelesen, was darüber geschrieben wurde. Das waren 250 Seiten… Aber wir müssen vorsichtig sein und dürfen uns in den Entscheidungsprozessen nicht einfach nach den Meinungen der Social-Media-Nutzer richten.»

Und Todt betonte: «Meiner Meinung nach sind Q1und Q2 okay. Wir wollten den Zuschauern die Chance geben, mehr Autos auf der Strecke zu sehen, und das hat nicht geklappt. Das müssen wir auch ändern, Q3 war das grösste Problem, das wir mit einem zusätzlichen Reifensatz leicht lösen könnten. Wir sollten dem neuen Format noch eine Chance geben, heutzutage wird viel zu oft überreagiert.»

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