Alberto Longo: «Berlin wird immer im Kalender sein»

Von Gerhard Kuntschik
Geht es nach Alberto Longo, wird die Formel E auch in Zukunft in Berlin unterwegs sein

Geht es nach Alberto Longo, wird die Formel E auch in Zukunft in Berlin unterwegs sein

Die Formel E gastiert derzeit in Berlin und die deutsche Metropole wird so schnell nicht aus dem Kalender der rein elektrischen Serie verschwinden, wie Mitgründer und Organisationschef Alberto Longo beteuert.

Auch ohne Pandemie-Einfluss muss die Formel E immer wieder improvisieren, was ihre Austragungsstädte betrifft. So musste kürzlich das für 2. Juli geplant gewesene Rennen in Vancouver abgesagt werden.

Mitgründer und Organisationschef Alberto Longo erklärt im Gespräch mit SPEEDWEEK.com die Hintergründe: «In Vancouver war kein Rennen möglich, weil der Veranstalter nicht alle Genehmigungen der Behörden rechtzeitig bekam – dies wiederum, weil ein Grundbesitzer zuvor nicht zugestimmt hatte. Für uns war es zu spät, um eine Lösung zu finden. Für uns ist es sehr wichtig, 16 Rennen in dieser Saison zu haben. Vancouver musste auch deswegen ersetzt werden, um den Abstand zwischen den Rennen nicht zu gross werden zu lassen. Wir wollten auch einen weiteren Doubleheader vermeiden.»

Deshalb wurde vor Kurzem die Rückkehr nach Marrakesch bekanntgeben (wo im Februar 2020 das letzte Rennen vor Covid stattfand). Longo dazu: «Marrakesch war die einzige Möglichkeit, weil es die einzige Stadtstrecke ist, die innerhalb der verbleibenden sieben Wochen rennfertig gemacht werden kann. Es ist dennoch eine grosse Herausforderung. Aber Marrakesch wird immer mehr zu einem Joker für uns.»

In Saison 8 wird die Formel E ein besonderes Jubiläum feiern: das 100. Rennen. «Das ist für uns wichtig, weil es ein Meilenstein ist. Ich hätte in den Anfangsjahren der Formel E nicht gedacht, dass wir einmal das 100. Rennen feiern würden, da hätte ich jeden für verrückt gehalten, der das behauptet hätte», sagt Longo.

Der Hunderter wird am finalen Wochenende im August bei der Korea-Premiere gefeiert werden. Korea? Wo die Formel 1 in drei Versuchen ein Debakel erlitt? Doch Longo sieht jetzt für seine Serie eine ganz andere Ausgangslage: «In Seoul haben wir einen fantastischen Promoter und viel Unterstützung, und wir spüren grosse Leidenschaft für unser Rennen. Wir fahren in der Stadt nahe dem Olympiastadion. Das ist ganz anders als bei der Formel 1, die im Niemandsland unterwegs war.»

Doch vorerst steht das Doppel in Tempelhof auf dem Programm, und der Andalusier sagt über den Schauplatz: «Berlin ist ein ganz wichtiger Partner für uns seit der ersten Stunde. Wir hatten hier im ersten Pandemie-Jahr sechs Rennen am Stück. Berlin wird immer im Kalender sein, solange es dabei sein will.»

Was die nächste Saison betrifft, gibt sich Longo noch bedeckt: «Bis zur Absegnung des Kalenders 2023 durch den Motorsport-Weltrat der FIA Ende Juni muss man abwarten, ob Marrakesch auch 2023 dabei ist, ob es Vancouver doch noch gelingt, alles klarzumachen. Kapstadt ist jedenfalls fix. Wir sind eine Weltmeisterschaft und müssen daher global auftreten. Das Maximum 2023 mit dem neuen Gen-3-Auto wird 18 Rennen sein, aber wahrscheinlich werden es rund um 16 Läufe werden. Aber wir wollen mehr Städte als in diesem Jahr einbinden, wir hoffen auf zwölf.»

Zum Krieg in der Ukraine erklärt Longo: «Auch wir sind betroffen, weil die ganze Welt Logistikprobleme bekam. Aber wir haben keine direkten Verbindungen zu Russland oder zur Ukraine, weder durch Sponsoren noch durch Fahrer oder Rennen dort. So ist die Auswirkung auf uns sehr beschränkt.»

Vom Erfolg der neuen Autogeneration (2023-2025) ist der Spanier überzeugt: «Die Gen-3-Autos werden ein gewaltiger Fortschritt sein. Nicht nur durch mehr Leistung, weniger Gewicht, mehr Speed, mehr Nachhaltigkeit, sondern vor allem durch die 40 Prozent Energie aus Rekuperation. Das ist fast verrückt, weil es das Zehnfache von dem nächstbesten rekuperierenden Auto ist. Wir sind stolz auf diese Innovation, die eine gewaltige Show bieten wird.»

Und schliesslich führt auch die Formel E 2023 eine Kostenbeschränkung ein, 13 Millionen Euro pro Team bzw. 25 Millionen Euro pro Hersteller (da aber auf zwei Jahre). «Das Budgetlimit ist wichtig, um das Interesse der Teams und Hersteller aufrecht zu halten. Aber noch wichtiger ist die Nachhaltigkeit. Das Budgetlimit ermöglicht einen positiven Business Case für alle. Deshalb kommt Abt zurück, worüber wir froh sind, denn Hans-Jürgen Abt und Thomas Biermaier waren immer grossartige Unterstützer der Formel E. Es kommt Maserati in die Meisterschaft. Und wir erwarten weitere Neuigkeiten in den nächsten Tagen.» Diese werden wohl Andretti, Mercedes, McLaren usw. beinhalten.

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