Formel 1: Urteil zur Ferrari-Kollision

Aprilia patentiert seinen Heckspoiler- wozu?

Von Rolf Lüthi
Aprilia hat sich die Heckflügel, wie sie seit 2022 sporadisch an der MotoGP-Werksrennmaschine RS-GP verwendet werden, patentieren lassen. Was steckt dahinter?

Aprilia montierte 2022 als erstes Team nicht nur an der Front und seitlich an der Verkleidung aerodynamisch wirksame Flügel und Flaps, sondern brachte auch am Heck Spoiler und Leitflächen an. An den Testfahrten nach dem Saisonfinale in Valencia hatten auch andere MotoGP-Prototypen des 2024er Jahrgangs irgendwelche Heckflügel angebaut.

Trotzdem kommt Aprilia mit seinem Patent nicht zu spät, denn es geht wohl nicht darum, die Rennsport-Konkurrenz daran zu hindern diese Idee zu kopieren. Doch wegen des Patentes können andere Hersteller keine Serienmaschinen mit den gleichen oder mit sehr ähnlichen Spoilern bauen.

Für Aprilia ergeben sich daraus zwei Vorteile. Offensichtlich ist, dass sich Aprilia im Markt der käuflichen Sportmaschinen mit einem Alleinstellungsmerkmal von der Konkurrenz abheben könnte. Der Anpressdruck am Heck ergibt Vorteile beim starken Bremsen, wenn das entlastete Hinterrad über Bodenwellen abzuheben droht. Eine Verbesserung der Kurvengeschwindigkeit wie bei den Automobilen kann wegen der völlig anderen Fahrdynamik jedoch nicht erreicht werden.

In der Praxis ergibt sich ein Vorteil nur auf der Rennstrecke beim Anbremsen von Kurven und dann auch nur bei hoher Geschwindigkeit und mit einem versierten Fahrer im Sattel. Praktiker wenden ein, dass man wegen des Heckgeflügels im Alltagsbetrieb oder für die Wochenendtour kein Gepäck auf den Heckbürzel schnallen kann.

Der zweite Vorteil ist weiter hergeholt und, zugegeben, eine Spekulation. Derzeit nimmt Aprilia nicht an der Superbike-WM teil, weil das sportliche Spitzenmodell der Marke, die RSV4, mit 1099 ccm das Hubraumlimit überschreitet. Sollte sich jedoch Aprilia entschliessen, analog Ducati eine Version mit 1000 ccm zu bauen, könnte dieses Motorrad, von dem Aprilia mindesten 500 Exemplare zum Stückpreis von höchstens 40.000 Euro herstellen muss, mit der Heck-Aerodynamik des MotoGP-Werksrenners ausgestattet werden.

Mit diesem Kniff könnte Aprilia als einziger Hersteller in der Superbike-WM mit Heckspoiler fahren, denn die anderen Hersteller dürfen wegen des Patents ja keine Serienmaschinen mit Heckspoiler bauen. Aerodynamische Anbauten sind an den Rennmaschinen der Superbike-WM nur erlaubt, wenn auch das Serienmotorrad damit ausgestattet ist.

Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.
8