Sachsenring-GP: Ist nach dem 21. Grand Prix Schluss?

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Seit 1998 findet der deutsche Motorrad-GP auf dem Sachsenring statt. Nach dem Event vom 15. Juli dürfte der Grand Prix abwandern. Denn ADAC und SRM fanden keine gemeinsame Lösung.

Der Dilettantismus des bisherigen Deutschland-GP-Veranstalters Sachsenring Rennstrecken Management GmbH sprengt jegliche Vorstellungskraft. Der Begriff Betriebswirtschaft dürfte ein Fremdwort für die GP-Verantwortlichen in Sachsen sein.

Nachderm der ADAC e.V. den Vertrag mit der SRM nach 2 von 5 Jahren gekündigt hat, weil die Sachsen eine fällige Bankbürgschaft über 3,8 Millionen nicht rechtzeitig beigebracht haben, kündigte SRM-Chefin Nadin Pohlers im Mai 2018 fröhlich an, sie werde jetzt direkt mit der Dorna verhandeln.

Es geht hier um die Zukunft des Grand Prix nach 2018.

Aber der ADAC in München hat sich bis 2021 von der Dorna die Rechte für die Austragung des Motorrad-GP von Deutschland gesichert.

Es gibt also keinen Gesprächsbedarf zwischen der Dorna und den überforderten SRM-Funktionären. Und es kam auch nie zu einem Gespräch der SRM mit Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta, dem weder der ehemalige Geschäftsführer Wolfgang Streubel noch Frau Pohlers ein Begriff ist.

Jetzt teilt der ADAC klipp und klar mir, dass die SRM am 15. Juli zum siebten und wohl letzten Mal den Grand Prix veranstalten wird. Das Porzellan zwischen den bisherigen Vertragspartnern ist endgültig zerschlagen.

Und die SRM GmbH wandelt nach einem Verlust von fast 1 Million Euro aus dem Grand Prix 2017 am Rande der Zahlungsunfähigkeit.

«Seit der Kündigung des Vertrages haben wir uns intensiv um den Verbleib des deutschen Motorrad-Grand Prix auf dem Sachsenring bemüht. So haben wir die sächsische Staatskanzlei und die Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (SRM) zu einem Gespräch eingeladen und ihnen auf Basis des bisherigen Vertrages einen Vorschlag unterbreitet, wie der deutsche MotoGP-Lauf auf dem Sachsenring für den Rest der Vertragslaufzeit gesichert werden könnte. Die SRM hat den Vorschlag leider nicht angenommen. In Abstimmung mit der Dorna intensivieren wir nun die Gespräche mit anderen Rennstrecken, um sicherzustellen, dass die MotoGP auch in Zukunft in Deutschland zu Gast ist», erklärte ein ADAC-Sprecher.

Der Nürburgring gilt als denkbarer Standort für einen WM-Lauf 2019. Dort ist der GP-Zirkus seit 1997 nicht mehr aufgetreten. Ob auch der Hockenheimring in den Überlegungen des ADAC eine Rolle spielen könnte, lässt sich vorläufig schwer einschätzen. Der Nürburgring gilt jetzt als erste Adresse für den WM-Lauf 2019.

Weil der Sachsenring keine permanente Rennstrecke ist, sind dort die Kosten für einen Grand Prix inklusive Errichtung temporärer Tribünen deutlich höher als auf vergleichbaren anderen Rennstrecken. Die SRM hat es aber in sieben Jahren nie geschafft, die Einnahmen zu erhöhen und die Kosten zu reduzieren.

Die Verhandlungen des ADAC mit dem Nürburgring-Betreibern sind schon weit fortgeschritten. Der ADAC könnte dort bei der Organisation mit dem neuen Eigentümer ein Joint Venture vereinbaren und als Mitveranstalter auftreten – wie in der Formel 1.

Die Nürburgring GmbH hat im Sommer 2012 nach abenteuerlichen Investionen Insolvenz angemeldet. Die Rennstrecke wurde dann am 1. Januar 2015 an den Autoersatzteillieferanten Capricon verkauft.

Seit Ende Oktober 2014 hält der russische Milliardär Viktor Charitonin durch die NR Holding zwei Drittel der Anteile am Nürburgring. Der Russe hat die Capricorn-Anteile übernommen. Ein weiteres Drittel wird weiter Getspeed zugerechnet.

Falls auch mit dem Nürnburgring keine Einigung zustande kommt, könnte der «worst case» für die MotoGP-Fans eintreten – und 2019 kein deutscher Grand Prix auf dem Kalender stehen.

Es sei denn, es findet sich für den Sachsenring-GP in letzter Minute ein professioneller Promoter, der allen Trittbrettfahrern wie dem Ankerberg-Betreiber und den Geschäftemachern wie Unger, Besico und Hänel, die auf ihren privaten Grundstücken Tribünen errichten und damit risikolos Geld verdienen, während der Promoter 4 Millionen an Dorna-Gebühren bezahlt, das Handwerk legt.

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