Hervé Poncharal: Das lange Warten auf den ersten Kuss

Von Sarah Göpfert
MotoGP
Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal und zweifacher GP-Sieger Miguel Oliveira

Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal und zweifacher GP-Sieger Miguel Oliveira

In der 20. Saison in der Königsklasse feierte Hervé Poncharal mit seinem Tech3 Team und Miguel Oliveira den ersten MotoGP-Sieg. Seine Emotionen über den Erfolg beschrieb der Franzose wie gewohnt offen und bildhaft.

Bei seinem Einstieg 2001 in die Königsklasse hätteTech3-Teambesitzer Hervé Poncharal wohl nicht damit gerechnet, dass er 20 Jahre auf seinen ersten Sieg hinarbeiten müssen würde. Fast hatte er selbst nicht mehr daran geglaubt, doch bereits ein Jahr nach dem Umstieg von Yamaha auf KTM bescherte Miguel Oliveira dem Team den ersten MotoGP-Sieg vor heimischer Werkskulisse in Österreich. «Wenn man von etwas Großem träumt und es dann letztendlich erreicht, fühlt man sich wie im Himmel. Wir mussten wirklich sehr lang auf den ersten Sieg warten, ehrlich gesagt hatte ich Zweifel, ob es je geschehen wird. Wir hatten viele gute Jahre, in denen wir dritte und auch zweite Plätze einfuhren, aber wir konnten nie ein Rennen gewinnen», seufzte der Franzose.

«Als Lucio [Cecchinello] dann vor einigen Jahren begann, mit meinem Ex-Fahrer Rennen zu gewinnen, war ich etwas eifersüchtig, da er als Kundenteam das erreichte, was ich noch nicht geschafft hatte», erinnerte sich Poncharal. «Doch das schlimmste Gefühl war, als ich Brad [Binder] beim Tschechien-GP gewinnen sah. Ich dachte mir, 'wow', wir hätten KTM und Stefan Pierer den ersten Sieg in der Königsklasse geben können, aber wir haben es nicht geschafft, das war ziemlich bitter.»

Zur Erinnerung: Cal Crutchlow wechselte 2011 in die MotoGP-WM zum Tech3 Team, welches er 2014 in Richtung des Ducati-Werksteams verließ. Seit 2015 fuhr der Brite für den LCR-Rennstall von Cecchinello und sammelte bis zu seinem Rücktritt Ende 2020 drei Siege in der Königsklasse.

Brad Binder hätte sein MotoGP-Debüt ebenfalls mit Tech3 geben sollen, der Südafrikaner wurde dann aber doch in das Red Bull-KTM-Werksteam geholt, wo es den Platz von Johann Zarco neu zu besetzen galt.

Schon zwei Rennen nach dem Brünn-GP wendete sich das Blatt für Poncharal, als Miguel Oliveira in der letzten Kurve des Steiermark-GP seine Chance nutzte und in einem Herzschlagfinale vor Jack Miller und Pol Espargaró als erster den Zielstrich überquerte. Poncharal erinnerte sich an diesen bewegenden Moment zurück. «Zum Glück haben wir in Österreich vor der gesamten KTM-Mannschaft und der Heimat des Sponsors Red Bull gewonnen. In dem Moment haben wir all die Arbeit, die wir zuvor investiert hatten, vergessen, es fühlte sich so leicht an, als ob man fliegen würde. Ich fühlte mich so, wie wenn man verliebt ist und der Freundin endlich den ersten Kuss geben kann, es war unglaublich», schwärmte der 63-Jährige über den Premierensieg in der Königsklasse.

Dass er im gleichen Jahr von Oliveira in Portimão erneut mit diesem Geschenk belohnt werden würde, hätte sich der Franzose wohl kaum träumen lassen. Dennoch bleibt er für die bevorstehende Saison realistisch. «Wir haben zwei Rennen gewonnen, aber wir sind nicht die Besten. Wir sind eins von elf Teams und ich denke, wir haben alle identische Chancen. Alles, was ich weiß, ist, dass wir mit einem großartigen Werk zusammenarbeiten und viel Leidenschaft in uns tragen.»

Auf Tech3-KTM-Neuzugang Danilo Petrucci freut sich Poncharal besonders: «Danilo ist ein super Typ, voller Freude und Hingabe, er ist bereit für diese Herausforderung und will zeigen, was möglich ist. Wir als Team sind eine Familie und wollen sowohl Danilo als auch Iker [Lecuona] zeigen, dass wir hinter ihm stehen, sowohl in schweren als auch in guten Momenten.»

Die Erfolge von Tech3 in der Klasse 500ccm/MotoGP: 33 Podestplätze, darunter 2 Siege
  • Shinya Nakano: Sachsenring 2001 – 3.
  • Alex Barros: Le Mans 2003 – 3.
  • Marco Melandri: Montmeló 2004 – 3., Assen 2004 – 3.
  • Colin Edwards: Le Mans 2008 – 3., Assen 2008 – 3., Donington 2009 – 2., Silverstone 2011 – 3.
  • Ben Spies: Silverstone 2010 – 3., Indianapolis 2010 – 2.
  • Andrea Dovizioso: Montmeló 2012 – 3., Assen 2012 – 3., Sachsenring 2012 – 3., Mugello 2012 – 3., Indianapolis 2012 – 3., Aragón 2012 – 3.
  • Cal Crutchlow: Brünn 2012 – 3., Phillip Island 2012 – 3., Le Mans 2013 – 2., Sachsenring 2013 – 2., Mugello 2013 – 3., Assen 2013 – 3.
  • Bradley Smith: Phillip Island 2014 – 2., Misano 2015 – 2.
  • Jonas Folger: Sachsenring 2017 – 2.
  • Johann Zarco: Le Mans 2017 – 2., Sepang 2017 – 3., Valencia 2017 – 2., Las Termas/Argentinien 2018 – 2., Jerez 2018 – 2., Sepang 2018 – 3.
  • Miguel Oliveira: Spielberg 2020 – 1., Portimão 2020 – 1.

(2001 – 2018 mit Yamaha, seit 2019 mit KTM)

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