Massimo Rivola (Aprilia): «Ich freue mich auf Indien»

Von Manuel Pecino
Massimo Rivola

Massimo Rivola

Massimo Rivola, CEO von Aprilia Racing, spricht über das neue Format, die Kalenderplanung und das, was die MotoGP-WM besser machen muss – auch im Vergleich zur Formel 1.

Massimo Rivola glaubt, dass das neue MotoGP-Format mit dem Sprintrennen am Samstag (an Stelle des vierten Trainings) seinem «Capitano» Aleix Espargaró entgegenkommen wird. Aber nicht nur deshalb betont der Italiener: «Ich bin ein Befürworter der Sprintrennen.»

Gleichzeitig räumte der Aprilia-Rennchef aber auch ein: «Vielleicht hätten wir im ersten Jahr mit ein paar Sprintrennen beginnen sollen, um es zu testen. Und ich glaube, dass wir – mit zwei Rennen pro GP-Wochenende – weniger Events abhalten sollten, zum Beispiel 18 Grand Prix.»

Der ehemalige Sportdirektor von Ferrari weiß um die Anstrengungen aller Beteiligten und hofft, dass das Format einen Mehrwert für das Publikum darstellen wird. So wurde im Zeitplan am Sonntag auch Platz für eine «Rider Fan Show» geschaffen. Dafür fällt das Warm-up kürzer aus.

«Ich war sogar dafür, das Warm-up komplett zu streichen», verriet Rivola. Das ist tatsächlich aber 2023 nur bei den kleinen Klassen der Fall. «Ich halte das Warm-up für Zeitverschwendung. Statistisch gesehen ist es nur die Session, in der die Fahrer am häufigsten stürzen. Es sollte eigentlich eine Session sein, in der man die letzten Anpassungen für das Rennen vornimmt. Das Warm-up findet aber zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Streckentemperaturen 20 Grad unter dem liegen, was man im Rennen vorfindet. Aber okay, ich bin einverstanden, wenn man sagt, es genügen ein paar Runden, um zu überprüfen, ob alles funktioniert.»

Rivola weiter: «Ich stelle fest, dass die Dorna in ihrer Herangehensweise anfängt, mehr ein Marketingumfeld zu schaffen. Die Leute wollen die Fahrer sehen. Wenn man zum Beispiel in Amerika ist und das Glück hat, das 500-Meilen-Rennen von Indy zu besuchen, dann gibt es Tage, an denen sich die Fahrer an einen Tisch setzen und sich kilometerlange Schlange bilden, weil sich alle ein Autogramm holen wollen. Die Leute wollen die Protagonisten der Show sehen.»

Was an der Strecke passiere, habe auch einen Einfluss auf die TV-Zuschauer. «Diese zwei Dinge sind miteinander verbunden», betonte Rivola. «Es gilt während des Rennwochenendes mit den Leuten zu arbeiten, die vor Ort sind. Gleichzeitig bekommen die TV-Zuschauer das Bedürfnis, dabei zu sein, wenn sie sehen, dass die Tribünen voll sind. Weil ich mir als Zuschauer dann vorstellen kann, dass es neben dem Rennen noch mehr gibt. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass es in Vergangenheit an den Rennwochenenden viele Konzerte gegeben hat. Man hat mir gesagt, dass das nicht funktioniert, aber…»

Le Mans zum Beispiel gilt in der Hinsicht als gelungenes Beispiel. «Ja, Le Mans ist ein super Event. Man muss aber auch bedenken, dass es in Frankreich nur den einen Event gibt. In Italien dagegen sind es zwei, in Spanien bisher vier. Der französische Promoter macht aber viel, um die Leute anzulocken, zum Beispiel bei den Ticketpreisen.»

«Die Formel-1-Tickets sind sehr teuer. Wir in der MotoGP haben ein VIP Village, sie haben den Paddock Club und machen jetzt auch einen Super Paddock Club – 10.000 Euro für ein Ticket, das ist wahnsinnig viel Geld, aber es funktioniert für die Formel 1», zuckte der CEO von Aprilia Racing mit den Schultern. «Vielleicht müssen wir zunächst die Preise absenken, um die Leute an die Strecke zu bringen, und sie dann wieder erhöhen. Ich glaube, dass wir immer mehr Werbung machen und einen anderen Weg dafür finden müssen. Wie in Le Mans, wo die Fahrer des 24-Stunden-Klassikers eine Art Parade in der Stadt abhalten. Wir sollten anfangen, darüber nachzudenken.»

Wäre der 51-jährige Italiener denn auch dafür, selbst in seinem Heimatland und in Spanien nur einen Grand Prix auszutragen? «Ich weiß, dass in Spanien und Italien der Markt vorhanden ist, aber um ein Business zu öffnen, muss man die Welt bereisen. Ich freue mich zum Beispiel sehr darauf, nach Indien zu gehen. Ich war genauso glücklich, als wir nach Indonesien gegangen sind. Das sind die Länder, in denen der Markt wirklich wachsen kann», unterstrich Rivola.

Der MotoGP-Kalender 2023:

26. März: Portimão/Portugal
02. April: Termas de Río Hondo/Argentinien (F1 Australien)
16. April: Circuit of The Americas/Texas
30. April: Jerez/Spanien (F1 Aserbaidschan)
14. Mai: Le Mans/Frankreich
11. Juni: Mugello/Italien
18. Juni: Sachsenring/Deutschland (F1 Kanada)
25. Juni: Assen/Niederlande
09. Juli: Sokol Circuit/Kasachstan** (F1 Grossbritannien)
06. August: Silverstone/GB
20. August: Red Bull Ring/Österreich
03. September: Catalunya/Spanien (F1 Italien)
10. September: Misano/Italien
24. September: Buddh Circuit/Indien** (F1 Japan)
01. Oktober: Motegi/Japan
15. Oktober: Mandalika/Indonesien
22. Oktober: Phillip Island/Australien (F1 Austin)
29. Oktober: Buriram/Thailand (F1 Mexiko)
12. November: Sepang/Malaysia
19. November: Losail Circuit/Katar* (18.11. F1 Las Vegas)
26. November: Valencia/Spanien (F1 Abu Dhabi)

* = Nachtrennen bei Flutlicht
** = Strecke noch nicht homologiert

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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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