Stefan Bradl: «Vielleicht war ich zu ängstlich»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl in Silverstone: Bessere Aussichten für Misano?

Stefan Bradl in Silverstone: Bessere Aussichten für Misano?

Stefan Bradl rästselt über das schwache Abschneiden in Brünn und Silverstone. War er zu wenig aggressiv? Lag es an der Reifenwahl?

Stefan Bradl (23) blieb nach dem famosen zweiten Platz von Laguna Seca bei den drei Rennen in Indy, Brünn und Silverstone mit einem siebten und zwei sechsten Plätzen hinter den Erwartungen zurück. «Wir hätten auch drei vierte Plätze einfahren können», meint Christophe «Beefy» Bourguignon, der Crew-Chief von LCR-Honda.

Doch Bradl konnte bei allen drei Rennen nicht an die Leistungen und Rundenzeiten vom Training und Qualifying anknüpfen.

Stefan, du hast in Silverstone keine triftige Erklärung für Platz 6 gefunden. Du hast nach dem Training mit Platz 4 oder 5 gerechnet.

Ich weiss es nicht ... Vielleicht war ich in den ersten Runden nicht aggressiv genug. In Silverstone habe ich im Nachhinein auch gedacht, wenn dies oder jenes nicht gewesen wäre, hätten wir besser abschneiden können. Vielleicht wäre der harte Hinterreifen, den die Werksteams von Honda und Yamaha genommen haben, wegen der Stabilität die bessere Wahl gewesen.

Für mich ist es immer noch rätselhaft, warum wir seit Brünn so stark an Seitengrip verlieren. Ich glaube, dass in Brünn und Silverstone der Unterschied zwischen einem neuen Reifen und einem gebrauchten mit 15 oder 17 Runden überhaupt nicht so eklatant war wie eigentlich sonst immer.

Ich kann auch aus einem frischen Reifen ziemlich viel rausholen, aber dieser «intital bite», dieser Biss am Anfang, war eigentlich bei den letzten zwei Rennen nicht so richtig vorhanden. Deshalb habe ich von Anfang an gemerkt, dass weniger Grip als üblich vorhanden ist. Noch dazu hat der Reifen nachher auch noch abgebaut, schon nach ein paar Runden.

Vielleicht waren die Asphaltbeläge anders als bei den Rennen vorher.

Als Ein-Mann-Team hast du da Nachteile? Aber du hättest sagen können, du nimmst den gleichen Hinterreifen fürs Rennen wie Repsol-Honda und Yamaha? Im Training hast du Pedrosa und Rossi als Vierter noch besiegt.

Ja, normalerweise habe ich generell die Tendenz zu den härteren Reifen ... In diesem Jahr ist es bei Bridgestone sowieso ein bisschen komisch. Zu 95 Prozent sind in den Rennen immer die weichen Hinterreifen verwendet worden. In Silverstone war jetzt das erste Rennen, wo man gemischt gefahren ist. Manche haben die weichen genommen, manche die harten, aber neben Bautista hat auch das Tech3-Team die weicheren gewählt.

Honda und Yamaha suchen sich mit Klaus Nöhles und Pit Baumgartner natürlich auch die besten Reifentechniker von Bridgestone aus?

Es kann schon sein, dass die Werkteams die perfekteren Informationen haben.

Deine Kritiker werden behaupten, du hast jetzt einen Podestplatz erreicht und einen HRC-Vertrag unterschrieben, jetzt atmest du ein bisschen durch?

Ja, das kann schon passieren, dass so etwas behauptet wird ... Was soll ich denen entgegnen?

Dass du in Misano und Aragón wieder die erwarteten Leistungen bringen wirst?

Ja, klar, am liebsten würde ich die Antwort auf der Strecke geben. Natürlich, auf dem Papier sieht es so aus, als wäre ich momentan in den Rennen zu langsam. Ja, im Idealfall hätte ich zuletzt dreimal Vierter werden können.

Ich habe mit Sicherheit in Brünn und Silverstone alles probiert, um mehr als einen sechsten rauszuholen. Aber ich habe einfach das Gefühl gehabt, dass nicht mehr drin war. Ich hätte zu viel Risiko eingehen müssen und wäre sonst womöglich auf der Schnauze gelegen.

Du kannst ja auch ein paar positive Aspekte vorzeigen. Du hast sieben Mal hintereinander gepunktet, du hast den sechsten Platz abgesichert und dem WM-Fünften Crutchlow in vier Rennen 20 Punkte abgeknöpft.

Ja, gut, das ist richtig. Ich will natürlich auch schauen, dass ich den Bautista wieder mehr und mehr in den Griff kriege; er liegt nur noch zehn Punkte hinter mir. Das hat Priorität. Und vor allem will ich nach den Reifenproblemen der letzten Wochen wieder näher an die Set-ups der Werksfahrer herankommen. An denen möchte ich mich orientieren. Ich will nicht so weitermachen wie bei den letzten Rennen.

Du warst in Silverstone in den freien Trainings 0,7 bis 1 Sekunden schneller als im Rennen?

Ja, darüber bin ich selber ein bisschen am Rätseln, warum der Unterschied so eklatant war. Es ist vielleicht ein bisschen Kopfsache gewesen. Ich war mir nicht sicher, ich war zu ängstlich.

Musst du in Zukunft bei den Rennreifen die Entscheidungen der vier Werksfahrer von Honda und Yamaha nachahmen? Dann hast du gleiche Voraussetzungen und musst nicht tagelang rätseln, ob die Reifenwahl richtig oder falsch war?

Ja, im Nachhinein ist man immer gescheiter. Ich wollte in England den harten Hinterreifen verwenden ... Wir haben ihn im Training ausprobiert. Aber danach ging die Tendenz zum weichen Hinterreifen. Wir dachten, wir würden damit zumindest am Beginn Vorteile haben. Aber die erhofften Vorteile sind nie zum Vorschein gekommen.

In Misano und Aragón kommst du gut zurecht?

Ja, ich war in Misano schon 2012 recht flott unterwegs. Das ist ein Kurs, bei dem man nicht lange auf der Reifenkante fährt, was Honda entgegenkommt. Dort muss man das Motorrad schnell rausbeschleunigen und früh aufrichten. Das liegt uns.

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