Zurück in die Zukunft: DMSB gibt Verantwortung ab

Von Josef Schützbach
Die Einführung der Airfences war eine der wichtigsten Verbesserungen im Bahnsport

Die Einführung der Airfences war eine der wichtigsten Verbesserungen im Bahnsport

Der Deutsche Motor Sport Bund gibt viel Arbeit und Verantwortung an die Trägerverbände ADAC, ADMV und DMV zurück. Wird das positive Auswirkungen auf den Bahnsport haben?

Als vor 25 Jahren der Deutsche Motor Sport Bund gegründet wurde, standen hehre Ziele Pate: Der Zusammenschluss von ONS (Automobilsport) und OMK (Motorradsport) zum DMSB sollte für Synergieeffekte sorgen, die den Motorsport auf Augenhöhe mit anderen Sportverbänden bringt.

Die Trägerverbände AvD (Automobil) und DMV (Motorrad) traten ihre Sporthoheit und damit die Vertretung gegenüber den internationalen Motorsportverbänden FIA (Automobil) und FIM (Motorrad) an den DMSB ab, der ADAC als finanzkräftigster Trägerverband übernahm anteilsmäßig die Hauptlast der Finanzierung.

Der gesamte deutsche Motorsport sollte von einer zentralen Stelle aus gegenüber Behörden, Medien und der Öffentlichkeit vertreten werden; Veranstalter und Fahrer sollten eine zentrale Ansprechstelle haben. Das war eine großartige Idee, aber dieser absolutistische Ansatz wurde organisatorisch nicht konsequent umgesetzt. Der DMSB wurde weder personell noch finanziell ausreichend ausgestattet, um die ins Auge gefassten Bereiche erfolgreich wahrnehmen zu können; dubiose Finanztransaktionen kamen hinzu. Personell wurden die Synergieeffekte nicht genutzt, die erweiterten Aufgabenbereiche auszubauen, um den Ansprüchen gerecht werden zu können. So wurde auch der Einstieg in das digitale Zeitalter verzögert angegangen; grundlegende Informationen für die Presse sowie ein digitales Archiv sind bis heute nicht abrufbar. Erschwerend ist, dass der Motorsport aus zahlreichen Einzeldisziplinen besteht, die, außer dass die Sportgeräte mit Motoren angetrieben werden, wenig miteinander gemein haben.

Historisch gewachsene Serien wurden nie in den DMSB integriert. Man denke an die norddeutsche und süddeutsche Bahnmeisterschaft oder die deutschen Speedwayligen, die allein von den Vereinen organisiert und in Einzelfällen von den regionalen Trägerverbänden unterstützt und vom DMSB als Meisterschaft oder als Grundlage für eine Meisterschaftsqualifikation anerkannt werden. Serien, denen der DMSB die Weihen einer Meisterschaft entzog, werden gar von Privatpersonen in Eigeninitiative organisiert.

Die Trägerverbände traten zwar Zuständigkeiten an den DMSB ab, unterhielten jedoch für sich weiterhin Sportabteilungen, die sich nicht nur als Mittler zwischen den örtlichen Vereinen und dem DMSB verstanden. Diese Strukturen verbrauchen Ressourcen, kosten Geld und überfordern den DMSB. Man ging deshalb schon vor Jahren wieder dazu über, den lizenzfreien Motorsport an die Trägerverbände zurück zu delegieren, um sich von kostenintensiven Verwaltungsaufgaben zu befreien. Trotz alledem: Der Bahnsport belastete den DMSB in personeller und finanzieller Sicht stark. Das Tagesgeschäft soll deshalb ab 2023 ganz an die Trägerverbände zurückgegeben werden – die Zuständigkeitshierarchie wie vor der Gründung des DMSB wird wieder hergestellt.

Euphemistisch umschreibt der DMSB die Beseitigung der finanziellen und organisatorischen Engpässe als Erneuerungs- und Restrukturierungsmaßnahme. Der DMSB behält weiterhin die Sporthoheit, die Regelung des Lizenzwesens, die technischen Bestimmungen und die Sportgerichtsbarkeit. Die Gestaltung des nationalen Sportkalenders sowie der Reglemente wurden bis anhin schon von den Vereinen erarbeitet und vom DMSB im Rahmen der internationalen Rahmenbedingungen abgesegnet.

Der bislang für den Sportbereich zuständige DMSB hat als Promoter für den Bahnsport ab 2023 den ADAC Hansa, den ADAC Südbayern, den ADAC Weser-Ems, den ADMV sowie den DMV beauftragt. Für die Fahrer soll der ADAC Hansa der Ansprechpartner sein. Damit wird der Bahnsport weiterhin von den engagierten Fachleuten gestaltet, die bisher schon mit der Materie befasst waren. Ein nahtloser Übergang zurück in die Zukunft sollte damit gewährleistet sein. Die interessante Frage lautet: Werden sich die Veränderungen positiv auf den Bahnsport auswirken?

Der DMSB hat sich zum Ziel gesetzt, weiterhin prägend in wichtigen Zukunftsthemen zu wirken. Dazu zählt er Technik, Sicherheit und Nachhaltigkeit.

Die technischen Bestimmungen im Bahnsport werden von der FIM vorgegeben, die lediglich übersetzt werden müssen.

Die Einführung der Airfences erhöhte unbestreitbar die Sicherheit der Fahrer und senkte das Verletzungsrisiko erheblich.

Und gefahren wird mit Methanol, einem Alkohol, der bei der Verbrennung Kohlendioxid und Wasser zurücklässt. Kraftstoffe der Zukunft müssen unbestritten ökologisch und ökonomisch nachhaltig sein; Methanol erfüllt diese Kriterien, wenn es aus erneuerbaren Biomasse-Rohstoffen und mit nicht-fossiler Energie hergestellt ist.

Die Darstellung des Sports durch Öffentlichkeits- und Pressearbeit, was eines jeden Verbands oberstes Ziel sein sollte, steht auch in Zukunft nicht auf der Agenda des DMSB.


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