SBK-WM in Tschechien: Ein mehrjähriger Vertrag winkt

Von Ivo Schützbach und Jiri Miksik
Das Autodrom Most

Das Autodrom Most

SBK-Promoter Dorna musste gezwungenermaßen schon mehrere Kalender-Anpassungen für 2021 vornehmen, weitere werden folgen. Tschechien soll mehr als ein Ersatz für Australien werden.

Die Kalendermacher der spanischen Sportagentur Dorna müssen sich auch im zweiten Corona-Jahr großen Herausforderungen stellen. Der WM-Beginn wurde bereits zweimal verschoben und soll Stand 20. April am Pfingst-Wochenende (21.–23. Mai) im MotorLand Aragon über die Bühne gehen.

Assen wurde von Ende April auf Ende Juli verschoben und Estoril von Anfang auf Ende Mai.

Die Überseerennen in Argentinien, Indonesien und Australien werden nur dann stattfinden, wenn die Dorna die vollen Antrittsgebühren erhält. Denn durch die Verfrachtung des Materials sämtlicher Teams und der Dorna selbst sind die Kosten für den Promoter deutlich höher als bei Rennen in Europa, hinzu kommen teure Flugtickets und zusätzliche Hotelübernachtungen für die Mitarbeiter. Die vollen Gebühren werden sich die lokalen Veranstalter aber nur bei einem normalen Zuschaueraufkommen leisten können, was nur ohne Corona-Beschränkungen möglich ist. Oder falls die Regierung finanziell einspringt.

Selbst wenn der Event auf Phillip Island in Südaustralien im November wie in Zeiten vor Corona stattfinden könnte, ist das Datum nicht ideal. Denn vom 22. bis 24. Oktober ist MotoGP dort und vom 19. bis 21. November die Formel 1 in Melbourne. Da Phillip Island Ende Februar den Auftakt der Superbike-WM 2022 bilden soll, wird darüber nachgedacht, das Meeting dieses Jahr ersatzlos zu streichen. Aktueller Stand ist, dass die Verantwortlichen des Phillip Island Grand Prix Circuits auf konkrete Aussagen der Regierungen von Victoria und Australien warten, unter welchen Voraussetzungen Rennen mit internationaler Beteiligung im Oktober/November stattfinden können. Ein entscheidender Punkt ist, wie bis dahin die Einreisebestimmungen für Ausländer aussehen.

Die Dorna bereitet sich auf sämtliche Möglichkeiten vor und arbeitet an einem Ersatzaustragungsort. Seit Monaten werden Verhandlungen mit den Rennstreckenbetreibern in Most (wörtlich Brücke) geführt, im Deutschen lautet der Stadtname Brüx. Die Industriestadt liegt in Nordböhmen, hat knapp 70.000 Einwohner und ist von Chemnitz und Dresden nur 100 Kilometer entfernt.

Die Dorna wartet täglich auf die Rücksendung des unterschriebenen Vertrags, aus Brüx ist zu hören, dass es sich um eine Vereinbarung für fünf Jahre handelt. Es geht also nicht nur darum, einen Ersatz für Australien zu haben, falls nötig. Die Dorna versucht schon länger für SBK Austragungsorte zu etablieren, die sich von denen im MotoGP-Kalender unterscheiden: Mit Estoril, Donington Park, Navarra, Magny-Cours und San Juan sind derzeit fünf solche Strecken vertreten.

Unterstützung bekommt das Autodrom Most von Klara Dostalova, der tschechischen Ministerin für regionale Entwicklung – sie wohnt direkt an der Road-Racing-Strecke in Horice! Nordböhmen ist arm, es gibt viele Arbeitslose. Als Unterstützung für die Region soll die Rennstrecke gefördert werden, zum Truck-GP kommen bis zu 60.000 Fans! Für SBK muss lediglich das normale Fahrerlager für die beiden Supersport-Klassen erweitert werden, finanziert werden sollen die Umbauten aus EU-Geldern.

Zuletzt gastierte die Superbike-WM 2018 in Tschechien, damals in Brünn. Diese Rennen gewannen Jonathan Rea (Kawasaki) und Alex Lowes (Yamaha).

Das Autodrom Most wurde zwischen 1978 und 1983 gebaut und befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Braunkohletagebaus Vrbensky. Der Grund für den Bau war in erster Linie die Bemühung, die langjährige Praxis der Organisation von Auto- und Motorradrennen auf behelfsmäßigen Strecken in der Innenstadt zu beenden und sie auf eine sichere, geschlossene Strecke am Stadtrand zu verlegen. Heute werden in Brüx neben Rennen auch Fahrkurse und Sicherheitstrainings veranstaltet, außerdem nützt die Automobilindustrie die Strecke zur Entwicklung und dem Test von Spezialfahrzeugen für die Feuerwehr, Polizei und medizinisches Personal.

Eine Runde misst 4,219 km, die Strecke ist zwischen 12 und 14 Meter breit und verfügt über 21 Kurven, 9 links und 12 rechts. Den Rundenrekord hält der Tscheche Karel Hanika, er fuhr im September 2019 mit einer BMW S1000RR 1:35,471 min. Regelmäßig fahren in Brüx die Alpe Adria Championship und die Tschechische Meisterschaft, auch die IDM war dort schon zu Gast.

Kalender der SBK-WM 2021, Stand 16. April:

21.–23. Mai Aragon/Spanien
28.–30. Mai Estoril/Portugal
11.–13. Juni Misano/Italien
02.–04. Juli Donington Park/Großbritannien
23.–25. Juli Assen/Niederlande
20.-22. August Navarra/Spanien
03.–05. September Magny-Cours/Frankreich
17.–19. September Barcelona/Spanien
24.–26. September Jerez/Spanien
01.–03. Oktober Portimao/Portugal
15.–17. Oktober San Juan/Argentinien
12.–14. November Lombok/Indonesien
Offen Phillip Island/Australien

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