Saiger hört auf: «Das Kapitel hat sich erledigt!»

Von Helmut Ohner
Horst Saiger war in den letzten Jahren zweifellos einer der schnellsten deutschsprachigen Road Racer. Jetzt zieht der in Liechtenstein lebende Österreicher einen Schlussstrich unter seine bemerkenswerte Karriere.

Vor fast genau einem Jahr stürzte Horst Saiger bei Testfahrten aufgrund eines Bremsversagens auf dem unweit seiner Geburtsstadt Knittelfeld gelegenen Red Bull Ring schwer. Es ist dem schnellen Eingreifen der Streckenposten und Rettungskräfte, der perfekt organisierten Rettungskette sowie der Kunst der Ärzte und des Intensivpersonals im Landeskrankenhaus Judenburg zu verdanken, dass der seit vielen Jahren in Liechtenstein lebende Österreicher den Unfall überlebt hat.

Vor wenigen Wochen erzählte Saiger gegenüber SPEEDWEEK.com anlässlich seines 50. Geburtstages, dass es die Nachwirkungen des Unfalles noch nicht zulassen, ein Motorrad rennmäßig zu bewegen: «In Brünn habe ich einige Runden gedreht und ich musste mir eingestehen, dass es derzeit einfach noch keinen Sinn macht. Im Juli werde ich auf dem Red Bull Ring einen neuerlichen Versuch unternehmen. Danach werde ich meine Entscheidung treffen, ob ich in Macau mein letztes Rennen fahren oder sofort den Helm an den Nagel hängen werde.»

Der durch seine offene und oftmals auch vorlaute Art bei den Fans und auch seinen Gegnern gleichermaßen beliebte Steirer beließ es nicht bei der Ankündigung. Mit einem auf Facebook veröffentlichten Video erklärte Saiger seinen Abschied als Aktiver vom Rennsport. «Aber ich bleibe euch natürlich erhalten», lautet dabei sein Versprechen. «Sobald es eine gewisse Reise- und Buchungssicherheit gibt, geht es mit den Fanreisen zur Tourist Trophy und Classic TT sowie nach Macau und zum North West 200 wieder los.»

«Was soll ich sagen? Ich bin mit der Yamaha Riding Academy hier auf dem Red Bull Ring. Am ersten Tag bin ich an die 20 Runden gefahren. Es ist zwar schon viel besser gegangen als noch vor einem Monat in Brünn, aber es ist nicht mehr so, dass ich ohne Einschränkungen fahren könnte. Der linke Arm und auch das linke Bein hindern mich daran am Motorrad die Position zu verändern. Ich sage es, wie es ist, das war es mit dem Rennfahren. Ich wollte dieses Jahr noch den Macau Grand Prix fahren, aber das wäre verantwortungslos.»

«Ich werde weiterhin für die hostettler ag tätig zu sein, auch als Instruktor an der von ihnen veranstalteten Yamaha Riding Academy, somit kann ich trotzdem noch ein wenig am Gasseil ziehen», freut sich der sechsmalige Gewinner der Goldenen Grubenlampe von Terlicko. Und dann wartet auf den Familienvater auch noch die Umsetzung des Filmprojekts «Ein Leben – Eine Leidenschaft», das sein ungewöhnliches Leben von den ersten Schritten im Fahrerlager bis zu seinen größten Erfolgen und bittersten Niederlagen nachzeichnet.

Karrierehighlights
2004 WorldSBK: Platz 9 Valencia
2010 Endurance-WM: Vize-Weltmeister mit Bolliger
2011 Schweizer Meister Superstock 1000
2012 Schweizer Meister Superstock 1000
2012 Platz 5 Macau Grand Prix
2014 NW200: Superstock-Rundenrekord
2014 Endurance-WM: Dritter mit Bolliger
2015 Ulster GP: Bester Newcomer
2016 Platz 5 Macau Grand Prix
2017 TT: Sieger der Privatfahrerwertung
2017 Classic TT: Platz 3 Kl. Superbike
2018 Classic TT: Platz 2 Kl. Superbike

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