Horst Saiger zum 50er: «Tamara hat viel mitgemacht»

Von Helmut Ohner
Tourist Trophy
Heute feiert mit Horst Saiger einer der schnellsten deutschsprachigen Straßenrennfahrer seinen 50. Geburtstag. SPEEDWEEK.com gratuliert und blickt auf die bemerkenswerte Karriere des umtriebigen Österreichers zurück.

Vor vielen Jahren zog ein junger Österreicher aus, um die Motorsportwelt zu erobern und der Junge aus dem oberen Murtal schaffte es nicht zuletzt durch seine lockere Art auch wirklich, sich weltweit eine Fangemeinde aufzubauen, die ihm nicht nur regelmäßig die Daumen drückt, sondern auch zum heutigen Ehrentag gratuliert.

Am 22. Juni 1971 erblickte Horst Saiger unweit des Österreichringes das Licht der Welt. Wenn man als junger Mann in den frühen 1980er-Jahren in der Nähe zur einst schnellsten Rennstrecke der Welt aufwächst und das Dröhnen der Motoren auch dann noch hört, wenn man kilometerweit entfernt wohnt, dann dauert es nicht lange, bis man selbst vom Rennvirus infiziert wird.

Über anfängliche Erfolge in der österreichischen Motorrad-Meisterschaft gründete Saiger mit Mandy Kainz das Yamaha Austria Racing Team, das mit wenig Eigenmittel, dafür aber mit viel Improvisation 2001 beim Sechs-Stunden-Rennen in Brünn mit einem zweiten Platz in der Stocksport-Klasse in die Langstrecken-Weltmeisterschaft einstieg.

Kainz, der sich bald als Fahrer zurückzog und fortan als Teammanager die Fäden zog, wollte sich aber nicht mit der Endurance-WM allein zufriedengeben, parallel wollte man auch in der Superbike-WM beweisen, dass man als kleines Privatteam in der zweithöchsten Stufe des Motorradrennsports mitmischen kann. Saiger gelang dies mit einem neunten Rang in Valencia.

Vor allem die Langstreckenbewerbe schienen lange Zeit das bevorzugte Metier des in der Zwischenzeit in Liechtenstein lebenden Steirers zu sein. Unzählige Pokale für Top-3-Resultate im Trophäenschrank zeugen noch heute von seinen Erfolgen. 2010 durfte er sich zusammen mit dem Bolliger Team Switzerland sogar über den Vize-Weltmeistertitel freuen.

Bei einem dieser Langstreckenrennen schloss Saiger Freundschaft mit dem 23-fachen Tourist-Trophy-Sieger John McGuinness, der ihm die Welt der Straßenrennen schmackhaft machte. Es dauerte nicht lange und der immer zu Späßen aufgelegte Österreicher war fixer Bestandteil der Road-Racing-Szene, der auch auf den gefährlichsten Strecken seinen Mann stellte.

2014 schrieb Saiger beim North West 200 mit dem Rundenrekord in der Superstock-Klasse einen Teil der Geschichte. Als Vierter und Fünfter schrammte er damals nur knapp am Podium vorbei. Im selben Jahr wurde er nach Neuseeland zur «Tri Series» eingeladen, die er zur großen Verblüffung der Lokalmatadore als Debütant für sich entschied.

Drei Jahre später gewann der bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man gegen stärkste Konkurrenz die begehrte Wertung der Privatfahrer. Auf dem berühmt berüchtigten Mountain Course beendete er 2017 die Superbike-Classic TT an der dritten Stelle. Dass dies kein Zufall war, stellte er mit Rang 2 im folgenden Jahr eindrücklich unter Beweis.

Und im tschechischen Terlicko holte sich Saiger gleich sechs Mal die «Goldene Grubenlampe» für den Sieg im Hauptrennen. Wäre die Laufbahn des schnellsten deutschsprachigen Piloten bei der Tourist Trophy nach Stürzen nicht des Öfteren durch schwere Verletzungen eingebremst worden, wäre die Erfolgsliste höchstwahrscheinlich um einiges länger.

Anlässlich seines 50. Geburtstages wirft Saiger einen Blick auf seine außergewöhnliche Karriere: «Bemerkenswert finde ich weniger meine Erfolge, sondern die Tatsache, dass ich alles alleine organisiert habe. Es stand nie ein großes Team hinter mir, nur meine Familie und Freunde haben dazu beigetragen, dass ich das alles geschafft habe.»

«Als junger Mensch glaubt man, dass nur Geld wichtig ist. Heute weiß ich aber, dass es viel wichtiger ist, in seinem Leben etwas zu erleben. Ich bin nicht immer den leichtesten Weg gegangen, so haben Mandy Kainz und ich uns zum Beispiel entschlossen, bei der Superbike-Weltmeisterschaft in Laguna Seca an den Start zu gehen.»

Nach einem schweren Trainingssturz auf dem Red Bull Ring Ende Juli 2020 wartet Saiger immer noch auf die vollständige Ausheilung seiner Verletzungen. «Von der Schulter abwärts ist mein linker Arm immer noch schwach. Ich müsste mehr trainieren, aber meine Kinder lassen mir einfach keine Zeit», lacht er bei der Frage nach seiner derzeitigen Verfassung.

«Kürzlich habe ich in Brünn einige Runden gedreht. Danach musste ich eingestehen, dass es derzeit einfach noch keinen Sinn macht. Im Juli werde ich auf dem Red Bull Ring einen neuerlichen Versuch unternehmen. Danach werde ich meine Entscheidung treffen, ob ich in Macau mein letztes Rennen fahren werde oder sofort den Helm an den Nagel hänge.»

«Ich spüre zwar nach wie vor eine große Leidenschaft in mir, aber meine familiäre Situation hat sich mit der Geburt meiner Söhne geändert. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man nicht mehr nur an sich denken darf. Vor allem Tamara hat viel mitgemacht. Wir haben auch jetzt schon so viele tolle Erlebnisse, auf die wir zurückblicken können.»

Auch wenn sich Saiger tatsächlich zum Ende seiner motorsportlichen Karriere entschließen sollte, wird es ihm nicht langweilig, steckt er doch mittendrin in der Umsetzung des Filmprojekts «Ein Leben – Eine Leidenschaft», das sein ungewöhnliches Leben von den ersten Schritten im Fahrerlager bis zu seinen größten Erfolgen und bittersten Niederlagen nachzeichnet.

«Dank Peter Hostettler und seiner Firma kann ich auch in Zukunft Projekte verwirklichen, die mir im Kopf herumschwirren. Ein wichtiger Teil meines Lebens werden auch die Fanreisen zu den Rennen zum North West 200 in Nordirland, der Tourist Trophy auf der Isle of Man und zum Motorrad-Grand-Prix in Macau sein.»

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