Wer wird Weltmeister?

Kolumne von Christian Schön
WRC
Bis zum Saisonende der Gejagte – Hyundai-Pilot Thierry Neuville

Bis zum Saisonende der Gejagte – Hyundai-Pilot Thierry Neuville

Bei der Rallye Türkei am kommenden Wochenende könnte die Tabellenspitze noch dichter zusammen rücken. Der Titelkampf ist jedenfalls noch komplizierter, als es aussieht

Zunächst die Ausgangslage vor dem zehnten von 13 WM-Läufen. Thierry Neuville (Hyundai) reist als Tabellenführer nach Marmaris, Sébastien Ogier (Ford) ist 23 Punkte dahinter Zweiter, Ott Tänak (Toyota) hat 36 Zähler Rückstand.

Die Rallye Türkei ist für alle neu, keiner der drei Titelkandidaten hat in diesem Bereich also Vorteile. Voraussichtlich sind die Schotter-Prüfungen vergleichsweise langsam, die Temperaturen hoch. Daraus ergäbe sich ein Vorteil für Neuville, der unter ähnlichen Bedingungen auf Sardinien gewonnen hat. Nachteil Neuville: Er muss zumindest am Freitag als Erster starten und den Straßenfeger für Ogier und Tänak spielen.

Tänak startet als Dritter, hat also in diesem Punkt den kleinsten Nachteil. Allerdings darf der Este nicht die Version des Yaris WRC fahren, mit dem er zuletzt in Finnland und Deutschland gewonnen hat. Grund dafür ist das sogenannte «Pairing». Dahinter versteckt sich die Kombination bestimmter WM-Läufe, bei denen aus Kostengründen mit demselben Chassis und derselben Motor/Antriebseinheit gefahren werden muss. Und die Rallye Türkei ist zusammen mit der Rallye Italien ein Paar.

Tänak muss also auf den neuen, offensichtlich deutlich stärkeren Yaris-Motor ebenso verzichten wie Ogier auf die neue Aerodynamik an seinem Fiesta WRC. Beide Autos wurden erst nach dem WM-Lauf auf Sardinien modernisiert.

Unabhängig davon, ob ja auch ein Jari-Matti Latvala (Toyota), ein Andreas Mikkelsen (Hyundai) oder sogar ein Mads Østberg (Citroën) die Rallye Türkei gewinnen oder sich zwischen unsere drei Titelfavoriten schieben könnte, ergibt sich nach meinem Gefühl folgende Reihenfolge im Ziel: Ogier vor Tänak vor Neuville.

Das würde für den folgenden WM-Lauf in Großbritannien wieder dieselbe Startreihenfolge bedeuten. Dort können Ogier und Tänak wieder die Evolutionsversionen ihrer Autos fahren. Außerdem dürfte die Wales Rally GB durch die Verlegung auf Anfang Oktober trockener und damit schneller als gewohnt ausfallen.

Ergibt nach meiner Kristallkugel folgende Reihenfolge unter den drei Hauptdarstellern: Tänak vor Ogier vor Neuville, der ja nicht unbedingt gewinnen muss und seinen Vorsprung clever verwalten kann.

Damit wären die Abstände zwar weiter geschrumpft, der Tabellenstand und damit die Startreihenfolge vor der Rallye Spanien aber immer noch: Neuville, Ogier, Tänak. In Katalonien wird am Freitag auf Schotter gefahren. Ergäbe also wieder einen Nachteil für Neuville, Ogier und Tänak könnten sich die Hände reiben.

Aber jetzt wird’s richtig kompliziert. Das WM-Finale findet in Australien statt. Bei kaum einer anderen Rallye ist der Nachteil, als Erster zu starten, so groß wie auf dem weichen Schotter «down under». Wenn ich also Ogier oder Tänak wäre, würde ich mir gut überlegen, bei der vorhergehenden Rallye in Spanien die Tabellenspitze zu erobern. Selbst wenn ich es aus eigener Kraft könnte. Lieber Neuville rings um Coffs Harbour ein letztes Mal die Route eröffnen lassen – um selbst am Ende der ersten Etappe in Führung liegen und aus dieser Position heraus die Rallye gewinnen.

Beim Schach würde man meine Gedankenspiele wohl «vier Züge in die Tiefe denken» nennen. Entsprechend groß – beziehungsweise klein – ist die Wahrscheinlichkeit, dass alles genauso eintrifft.

Aber in einem Punkt bin ich mir ziemlich sicher: Die Weltmeisterschaft wird dieses Jahr erst im Finale entschieden. Wenn alles nach meinem Plan verläuft, haben dann alle drei, Thierry Neuville, Sébastien Ogier und Ott Tänak, noch Titelchancen. Winner takes it all. Was wollen wir mehr?

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