Estland: Rovanperä, jüngster Sieger aller Zeiten

Von Toni Hoffmann
Kalle Rovanperä hat bei der Rallye Estland Geschichte geschrieben, er ist in der Weltmeisterschaft (WRC) nach seinem ersten Triumph beim siebten Lauf mit 20 Jahren der jüngste Sieger aller Zeiten.

Der Finne Kalle Rovanperä hat es geschafft. Er erringt beim Ostseenachbarn Estland den schon länger erwarteten ersten Triumph in der Rallye-Weltmeisterschaft und ist damit mit seinen 20 Jahren der jüngste Sieger in der WM-Chronik. Bereits im Februar hatte er nach der Rallye Lappland in seiner finnischen Heimat für einen dicken Eintrag in den WM-Annalen gesorgt. Mit dem zweiten Platz am Polarkreis übernahm er als jüngster Pilot erstmals die Tabellenführung. Und in Estland setzte er sich nun die Krone auf. Ab der vierten Prüfung dominierte er im Toyota Yaris WRC das zum zweiten Mal ausgetragene estnische WM-Gastspiel und baute mit einer konstanten Leistung seine Führung kontinuierlich aus. Nach 24 Prüfungen betrug sein Vorsprung auf den irischen Vorjahreszweiten Craig Breen im besten Hyundai i20 WRC 59,9 Sekunden.

Rovanperä konkurrierte mit seinem strahlendem Gesicht mit der Sonne in Estland: «Es war eine schwierige Saison, und es ist wirklich schön, nun hier in Estland zu gewinnen. Es ist fast eine Heimatrallye, und viele Fans haben uns unterstützt. Es war eine lange Saison bisher mit nicht immer so guten Ergebnissen, aber wir haben bewiesen, dass das Tempo da ist, und jetzt konnten wir den Sieg nach Hause bringen, was fantastisch ist», freute sich Rovanperä, dessen Vater Harri im Ziel seine Tränen nicht zurückhalten konnte. Es war der 180. Triumph eines Finnen. Esapekka Lappi war mit seinem Heimerfolg 2017 der letzte finnische Sieger.

Breen zu seinem dritten Saisoneinsatz im Hyundai i20 WRC: «Ich würde gerne mehr Zeit in diesem Auto verbringen, damit wir uns um ein, zwei Prozent noch verbessern können. Ich bedanke mich bei Alain Penasse, der nun leider das Team verlässt.»

Um zwölf Sekunden setzte sich der fünffache Vizechampion Thierry Neuville im Hyundai i20 WRC gegen den siebenfachen Titelgewinner und Tabellenführer Sébastien Ogier (Toyota Yaris WRC) im Duell um Platz drei (+ 1:12,4) durch. «Ich denke, wir haben das Beste getan, was wir konnten. Wieder ein harter Sonntag für uns und ich weiß nicht, was ich sagen soll», erklärte der Tabellendritte Neuville, der sich Mitte August auf die WM-Premiere in seiner belgischen Heimat freuen darf. «Es bleiben noch zu viele technische Fragen, auch heute wieder. Es macht alles schwieriger und es ist enttäuschend, aber es ist ein Teil des Spiels.»

Der Titelverteidiger Ogier hatte gegen Ende nur noch die Meisterschaft im Fokus und konnte, da einen Platz vor seinem Teamkollegen Elfyn Evans, seine Führung auf 148 Punkte und 37 Zähler vor dem Vizechampion Evans ausbauen. «Ich habe wirklich gekämpft, auch wenn es war bei diesen großen Rillen wohl nicht genug. Meine Linie war nicht so sauber. Ich bin aber froh, im Ziel zu sein», sagte Ogier.

Die Hyundai-Tragik 2021

Hyundai muss sein Ziel 2021 neu definieren. Der Zug auf die dritte WM-Krone in Folge bei den Herstellern dürfte inzwischen abgefahren sein, 59 Punkte hinter dem Tabellenführer Toyota. Von den Fahrzeugen her hätte aber alles anders kommen müssen, doch die Fahrer vergeigten durch eigene und auch vermeidbare Fehler die möglichen Siege. Bislang bestieg Ott Tänak nur in Lappland die oberste Stufe des Siegtreppchens. Toyota schickte sechs Mal die Yaris-Piloten auf diesen Platz, viermal Sébastien Ogier und je einmal Elfyn Evans und Kalle Rovanperä.

Der Vorjahressieger Ott Tänak führte am Freitagmorgen kurzfristig, dann wurde die dritte Prüfung sein Schicksal. Drei Reifenschäden waren mangels eines zweiten Ersatzrades zuviel. Tänak beendete nach seinen Ausflug durch ein Feld unfreiwillig sein Heimspiel sehr frühzeitig. Nach dem Re-Start fuhr er, nun als Testpilot agierend, mehr für seine heimischen Fans und zeigte sich mit elf von 24 möglichen Bestzeiten, sechs Prüfungen musste er am Freitag auslassen, als schnellster Fahrer. Er rettete noch die fünf Bonuspunkte für die Bestzeit in der Power Stage. Doch es bleibt dabei: Bei allen vier bislang ausgetragenen Schotterrallyes in diesem Jahr verspielten die führenden Hyundai-Piloten durch Fahrfehler den möglichen Sieg. Der i20 WRC war zwar das schnellste Auto im Feld, aber es reichte nicht zum Sieg. Ein Trost: Neuville erreichte trotz seines Reifenschadens am Freitag zum fünften Mal 2021 einen Podiumsplatz.

M-Sport kommt mit dem Ford Fiesta WRC einfach nicht richtig in die Gänge. Gus Greensmith musste auf P5 auf der dritten Entscheidung wegen Motorüberhitzung seinen Fiesta stehen lassen und Teemu Suninen hielt sich danach am Freitag ein wenig zurück. Letztlich schaffte Suninen in seiner Wahlheimat den sechsten Endplatz (+ 7:07,2), den er mit einem Dreher auf der Power Stage fast weggeschmissen hätte. Inwieweit Suninen in Zukunft noch den Fiesta WRC steuern darf und diesen gänzlich dem Teamkollegen Adrien Fourmaux überlassen muss, wird das Management entscheiden.

In der Disziplin der WRC2/3-Fahrzeuge brüskierte der Europameister Alexey Lukyanuk im Skoda Fabia Rally2 die etablierten WM-Stars. Lukyanuk lag trotz einer Rolle auf der Power Stage 13,8 Sekunden vor seinem Markenkollegen Andreas Mikkelsen, der damit aber seine Führung in der Hersteller-WRC2 festigte, und 40,5 Sekunden vor dem WRC2-Titelverteidiger Mads Östberg im Citroën C3 Rallye.

Der Veranstalter unter Urmo Aava hat mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung durch die estnische Regierung in dem kleinen Land unter Berücksichtigung der Corona-Krise eine Rallye auf die Beine gestellt, die höchstes Lob verdient. Nach der Ausweitung von zwei Rallyetagen auf nun etwas mehr als drei Tage und die Erhöhung auf 24 Prüfungen gab es gerade am Samstag mit den neuen Prüfungen eine höchst anspruchsvolle Schotterrallye. Auch 2022 zählt diese Rallye zur Weltmeisterschaft.

 

Endstand nach 24 Prüfungen

 

Pos

Team/Nat/Fahrzeug

Zeit/Differenz

1

Rovanperä/Halttunen (FIN), Toyota

2:51:29,1

2

Breen/Nagle (IRL), Hyundai

+ 59,9

3

Neuville/Wydaeghe (B), Hyundai

+ 1:12,4

4

Ogier/Ingrassia (F), Toyota

+ 1:24,0

5

Evans/Martin (GB), Toyota

+ 2.07,1

6

Suninen/Markkula (FIN), Ford

+ 7:07,3

7

Loubet/Haut-Labourdette (F), Hyundai

+ 8:48,3

8

Lukyanuk/Fredrov (RUS), Skoda Rally2

+ 10:16,1

9

Mikkelsen/Floene (N), Skoda Rally2

+ 10:29,9

10

Östberg/Floene (N) Citroën Rally2

+ 10:46,6

 

 

Fahrer-WM nach 7 von 12 Läufen

 

Pos.

Team/Nat/Fahrzeug

Punkte

1

Sébastien Ogier (F), Toyota

148

2

Elfyn Evans (GB), Toyota

111

3

Thierry Neuville (B), Hyundai

96

4

Kalle Rovanperä (FIN), Toyota

82

5

Ott Tänak (EE), Hyundai

74

6

Takamoto Katsuta (J), Toyota

66

7

Craig Breen (IRL), Hyundai

42

8

Gus Greensmith (GB), Ford

34

9

Dani Sordo (E), Hyundai

31

10

Adrien Fourmaux (F), Ford

30

 

Hersteller-WM nach 7 von 12 Läufen

 

Pos.

Team/Nat/Fahrzeug

Punkte

1

Toyota Gazoo Racing WRT

315

2

Hyundai Shell Mobis WRT

256

3

M-Sport Ford WRT

125

4

Hyundai 2C Competition

36

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