Räikkönen, Vettel: So will die DTM die Stars anlocken

Von Andreas Reiners,

Die DTM will eigene Stars kreieren, kann aber auch Zugpferde von außen ganz gut gebrauchen. Dabei will man die Stars mit dem GT3-Produkt überzeugen.

Der Reflex ergibt sich aus der Vergangenheit. Denn dass Formel-1-Stars im Laufe ihrer Karriere auch mal bei der DTM vorbeischauen, hat eine gewisse Tradition. Oft war es so, dass sich die Piloten im Herbst ihrer Karriere befanden und die Ergebnisse mehr oder weniger bescheiden waren.

Die Verantwortlichen werden nicht müde, das aktuelle Fahrerfeld ausgiebig zu loben, was zu einem gewissen Teil auch berechtigt ist. Doch klar: Zugpferde kann die DTM immer gebrauchen, in einem Umbruch mit einem GT3-Reglement vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

Ebenfalls ein Reflex: Beenden Stars ihre Formel-1-Karriere, wäre ein Ausklingen der motorsportlichen Laufbahn in der DTM doch eine Möglichkeit. DTM-Chef Gerhard Berger lässt zum Beispiel bei Sebastian Vettel seit einiger Zeit nichts unversucht, und nun hat Kimi Räikkönen angekündigt, nach der Saison der Königsklasse den Rücken zu kehren.

«Dem würde ich einen Roten Teppich bis nach Hause ausrollen. Auch Sebastian Vettel wäre super. Das sind Namen, die wir in der Serie haben wollen», sagte DTM-Manager Frederic Elsner im Rahmen eines Talks auf der IAA Mobility.

Er stellt aber auch klar: «Es ist vermessen zu sagen: ‚Den wollen wir haben‘. Das liegt nicht in unserer Hand. Man muss ein gutes Produkt schaffen, wir müssen uns so gut wie möglich entwickeln, dann passieren solche Dinge von selbst», so Elsner: «Die kommen nicht, weil man sie anruft, sondern weil die Serie stimmt, der Wettbewerb stimmt, die Vermarktung stimmt.»

Ex-Meister Mike Rockenfeller plädiert dafür, noch mehr auf die eigenen Stars zu setzen. Das Potenzial dafür ist vorhanden. «Am Ende muss die Serie so viel Strahlkraft haben, dass sie ihre eigenen Stars kreieren kann und dass man nicht den Glanz der anderen mitnimmt.» Youngster wie Liam Lawson oder auch Tabellenführer Kelvin van der Linde beweisen, dass auch die DTM ihre Persönlichkeiten entwickeln kann.

Rockenfeller sieht es ähnlich wie Elsner: «Die Serie ist interessant für viele Fahrer, die aus anderen Sparten kommen. Aber es muss so sein, dass die Leute kommen. Alles andere hat die DTM nicht nötig.»

Dass Alex Albon den umgekehrten Weg geht und nach einem Jahr in der DTM sein Formel-1-Comeback bei Williams feiern wird, will Rockenfeller nicht «alleine an der DTM und seiner Leistung» festmachen. «Es zeigt aber, dass die Karriere nie eine Gerade ist, sondern dass man Hochs und Tiefs hat. Für ihn war die DTM sicher ein Rückschritt, aber die Rückkehr in die Formel 1 zeigt die Wertschätzung des Leistungsniveaus in der DTM.»