Al-Attiyah feiert 4. Sieg, Audi die Zukunft

Von Toni Hoffmann
Der Katarer Nasser Al-Attiyah hat mit seinem Durchmarsch bei der 44. Rallye Dakar in Saudi-Arabien seinen vierten Triumph erzielt, für Toyota war es der zweite Volltreffer, Debütant Audi glänzt mit vier Tagessiegen.

Toyota und Al-Attiyah drückten der dritten saudi-arabischen Ausgabe der härtesten Rallye der Welt den Siegesstempel auf. Mit einem Start/Ziel-Sieg schrieb sich Nasser Al-Attiyah zum vierten Mal in die Siegerliste ein und zog dort mit Ari Vatanen gleich. Zu Beginn verbuchte er zwei Bestzeiten und hielt sich, um seine Führung nicht zu gefährden, später etwas zurück. Wie 2017, damals hinter dem Peugeot-Partner Stéphane Peterhansel, erreichte der neunmalige Rekord-Rallyechampion Sébastien Loeb im Prodrive BRX Hunter den zweiten Platz, 27:46 Minuten hinter Al-Attiyah, und verpasste wegen Navigationsfehler und etwas technischen Pechs seinen ersten möglichen Erfolg beim Marathon-Klassiker. Der Einheimische Yazeed Al-Rajhi war der zweite Toyota-Pilot auf Rang drei (+ 1:01:13) auf dem Siegerpodest.

Timo Gottschalk, Sieger 2011 mit Al-Attiyah, erreichte nach einigem Auf und Ab in der Gesamtwertung im Mini des Polen Jakub Przygonski den sechsten Gesamtrang (+ 1:53:06).

Im Ziel gab es wohl zwei Sieger. Der sportliche Sieger ist unumstritten Nasser Al-Attiyah mit dem vierten Volltreffer. Im Bereich «Marketing/Imagepflege/Innovation» war Audi der Sieger. Mit dem neuen Hybrid-Konzept, dem Audi RS Q e-tron, verdrängte Audi die sportliche Leistung des Katarers etwas in den Hintergrund. Audi sah sich beim Neueinstieg wie beim Einstieg in den 80er in den regulären Rallyesport mit dem Slogan «Vorsprung durch Technik» wieder als Vorreiter in eine nachhaltige Motorsport-Zukunft.

Das Audi-Konzept «Nachhaltigkeit mit dem Audi RS Q e-tron»

Das Konzept ging größtenteils für den Wüsten-Debütanten auf, wenn auch mehr durch Einzelleistungen als im Gesamtbild. Die drei Piloten Carlos Sainz, Stéphane Peterhansel und Mattias Ekström erzielten im elektrisch betriebenen Hybrid-Audi RS Q e-tron vier von zwölf Tagessiegen. In der Gesamtwertung wurde Ekström auf Platz neun (+ 2:42:11) als bester «Audianer» gelistet, Kollege Sainz auf P11 (+ 3:39:21), was aber weniger am Auto-Konzept, sondern mehr an der wenigen robusten Mechanik und auch an Navigationsfehlern lag. Alle drei hätten sich im Gesamtklassement besser platzieren können, wäre da nicht am Anfang im wahrsten Sinne des Wortes einiges schief gelaufen. Sainz und Ekström fingen auf der ersten echten Entscheidung wegen falscher Navigation einige saftige Rückstände ein, Ekström 1:45:50 Stunden, Sainz 2:22:07 Stunden, von dem Pech des 14-fachen Rekord-Sieger Peterhansel ganz zu schweigen. Er startete seine Audi-Jungfernfahrt am Haken des Service-Trucks und mit dem fast schon utopischen Rückstand von schon 23:31:15 Stunden, am Ende waren es 68:12:13 (!!!) Stunden, kleiner Wehmutstropfen für «Mr. Dakar» ein Tagessieg, Nr. 49 in der Autowertung und Nr. 82 insgesamt. Damit war jeder Anspruch auf einen vielleicht möglichen Sieg im Wüstensand begraben. Nun mussten Einzelleistungen her, die dann auch folgten.

Das ganze Hybrid-Konzept, bei dem der Allradler von zwei 340 PS starken Elektromotoren jeweils für die Vorder- und Hinterachse angetrieben wird, hat allerdings einen leichten Beigeschmack. Hinter den Fahrern gab es einen 275 PS starken Turbomotor, der quasi als Generator die Batterie wieder regeneriert bei einem Verbrauch von 200 g/kWh. Der Tank fasste 295 Liter. So ganz nachhaltig sieht das nicht aus.

Toyota so stark wie nie

Toyota durfte die 44. Rallye Dakar mit der Teamleistung als Gesamterfolg verbuchen. Neben dem zweiten Sieg unter Al-Attiyah rangierten drei Hilux unter den besten Fünf. Der Einheimische Yazeed Al-Rajhi erreichte den letzten Podiumsplatz (+ 1:01:13), Giniel de Villiers, Sieger der ersten Südamerika-Ausgabe 2009, wurde auf dem fünften Gesamtrang (+ 1:41:48) geführt. Fünf Bestzeiten holten die Toyota-Piloten.

Das Team von Prodrive BRX hätte beim zweiten Dakar-Start im Gegensatz zur letztjährigen Premiere sogar den Sieg einfahren können. Sébastien Loeb war mehrmals auf Kurs zu seinem ersten Volltreffer, doch machten die Navigation und etwas mechanisches Pech einen Strich durch die Rechnung. Wie 2017 wurde der neunfache Rekord-Rallyechampion wieder Zweiter (+ 27:46). Direkt nach der Zielankunft machte sich Loeb davon, weil er am Sonntag den Ford Puma Rally1 für die Rallye Monte Carlo (20. – 23. Januar) testen soll. Loebs argentinischer Teamkollege Orlando Terranova fuhr auf den vierten Gesamtrang (+ 1:27:23). Prodrive verbuchte drei Tagessiege.

Beim deutschen Team von X-raid, bislang sechs Siege, fehlten diesmal die Stars, wie auch. Der Teameigner Sven Quandt brachte die siegreichen Senioren Peterhansel (8 Auto-Siege) und Sainz (3 Erfolge) in seiner zweiten Abteilung Q-Motorsport, verantwortlich für den Audi-Einsatz, unter. Timo Gottschalk und sein polnischer Mini-Chauffeur ereichten im besten Mini den sechsten Platz (+ 1:53:06). Der Argentinier Sebastian Halpern kam auf Position acht (+ 2:38:26). Die spanische Ex-Bikerin Laia Sanz beendete ihre erste Rallye Dakar im Allrad-Mini an 22. Stelle (+ 6:18:56).

Die letzte Entscheidung

Eine Verbindungsetappe von mehr als 500 Kilometer zwischen Bisha und Jeddah wartete auf die Protagonisten, zusätzlich standen noch einmal 163 gewertete Kilometer auf dem Programm. Knapp drei Viertel der Etappe bestanden aus Schotter, 27 Prozent mussten die Piloten auf Sand zurücklegen. Dabei ging es von etwa 1.100 Höhenmeter auf über 1.500 Meter ständig bergauf. Mehr als 8.000 Kilometer haben die Teilnehmer in diesem Jahr zurückgelegt, was erneut unterstreicht, dass diese Veranstaltung zu den härtesten Events im Motorsport zählt.

73 von 89 in Dschidda (Jeddah) gestarteten Auto-Teams traten am Freitag zum Finale an. So gering war die Ausfallquote noch nie. Von schlimmen Schlagzeilen, abgesehen von dem Explosionsanschlag auf den Franzosen Philippe Boutron im direkten Vorfeld der Rallye, blieb die Rallye Dakar diesmal verschont, auch wenn die Französische Regierung wegen Terrorgefahr den Abbruch forderte. Die 44. Rallye Dakar war der erste von fünf Offroad-Rallyes zur neuen Weltmeisterschaft.

 

Enstand (vorläufig) nach Prüfung 12

 

Pos.

Team/Nat/Fahrzeug

Zeit/Diff.

1

Al-Attiyah/Baumel (QA/F), Toyota

38:33:03

2

Loeb/Lurquin (F/B), Hunter

+ 27:46

3

Al-Rahji/Orr (SAU/GB), Toyota

+ 1:01:13

4

Terranova/Oliveras Carreras (RA/E), Hunter

+ 1:27:23

5

De Villiers/Murphy (ZA), Toyota

+ 1:41:48

6

Przygonski/Gottschalk PL/D), Mini

+ 1:53:95

7

Serradori/Minaudier (F), SRT Buggy

+ 2.32:05

8

Halpern/Graue (RA), Mini

+ 2:38:26

9

Ekström/Bergkvist (S), Audi

+ 2:42:11

10

VasilyevZ/Urpenko (RUS), BMW

+ 3:02:21

 

 

Ergebnis auf der Prüfung 12 (163 km)

 

Pos.

Team/Nat/Fahrzeug

Zeit/Diff.

1

Lategan/Cummings (ZA), Toyota

1:35:19

2

Peterhansel/Boulanger (F), Audi

+ 0:49

3

Barawanath/Cremer (ZA), Century Buggy

+ 1:51

4

Loeb/Lurquin (F/B), Hunter

+ 2:20

5

Zala/Fiuza (LTU/P), Mini

+ 3:25

6

Terranova/Oliveras Carreras (RA/E), Hunter

+ 3:47

7

Gastaldi/Sachs (BZ), Century Buggy

+ 4:16

8

Ten Brinke/Delaunay (NL/B), Toyota

+ 4:27

9

Al Qassimi/Von Zitzewitz (UAE/D), Peugeot

+ 5:03

10

Halpern/Graue (RA), Mini

+ 5:19

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