DTM wie MotoGP? Das Problem der BMW-Chancenlosigkeit

Von Andreas Reiners
DTM
Audi dominiert die DTM

Audi dominiert die DTM

Gerhard Berger lobt das Racing in der DTM in höchsten Tönen, betont ein Höchstmaß an Spannung. Das große Problem: BMW spielt im Kampf um Siege unter normalen Umständen kaum eine Rolle.

Gerhard Berger wird nicht müde, das Racing in der DTM zu feiern. Klar: Wenn einer die Serie in den höchsten Tönen loben sollte, dann der Chef. Selbst wenn das Lob ein wenig geschönt ist. Und auch dann, wenn das Salz in der Suppe fehlt.

«Die DTM bietet in diesem Jahr ein Höchstmaß an Spannung. In den ersten acht Rennen der Saison haben wir nun schon fünf unterschiedliche Sieger gesehen und es ist großartig, auch junge Talente auf dem Podium zu sehen. Dies zeigt das breite fahrerische Potenzial der DTM und auch, wie eng es bei den Rennen zugeht», sagte er nach dem Rennwochenende in Assen.

«Das ist einmalig»

Bei Sport1 fügte er hinzu: «Unsere Rennen sind wirklich super. Das große Vorbild ist für mich immer die MotoGP, wo man bis zur letzten Runde nicht weiß, wer gewinnt. Das gelingt uns in der DTM im Automobil-Rennsport am besten. Das, was wir liefern, ist einmalig», sagte er.

Komplett falsch ist das freilich nicht. Von den acht Siegen in dieser Saison kommen sechs aus dem Audi-Lager, wobei sich diese sechs Siege auf drei verschiedene Fahrer verteilen. Was dabei entscheidend fehlt: Der Kampf zwischen den beiden Herstellern, und das auf Augenhöhe. Ein Hin und Her, harte Duelle unter Rivalen, am Rande des Erlaubten (und darüber hinaus), Sprüche, Schimpftiraden. Was eben so dazugehört.

Stattdessen hadert man bei BMW mit dem M4 DTM und der verzweifelten Suche nach einer Lösung, während es bei Audi im Kampf um den Titel eng, aber (zu) gesittet zugeht.

Das Problem: Auf Augenhöhe geht es im kurzen Zeitalter der Vierzylinder-Turbos bereits seit Mitte 2019 nicht mehr zu. Audi dominierte nach der Einführung der Class-1-Autos den Großteil der vergangenen Saison, und Audi ist auch 2020 das Maß der Dinge. Die beiden BMW-Siege durch Lucas Auer und Sheldon van der Linde waren einer gewagten Reifenstrategie auf dem Lausitzring und vor allem dem Wetterchaos in Assen zu verdanken.

Wie sehr die Zweikämpfe zwischen Audi- und BMW-Fahrern fehlen, wurde in Assen sehr deutlich, als Timo Glock plötzlich im Regen wie auf Schienen durchs Feld pflügte. Endlich mal wieder ein ähnliches Niveau, nachdem BMW in diesem Jahr zumeist doch sehr chancenlos ist. Klar wird: Die Spannung ist in dem Moment einfach eine andere.

«Ich denke, dass wir fantastische Rennen sehen, wir haben Kämpfe im Feld und auch um den Sieg», sagte Audis Motorsportchef Dieter Gass auf Nachfrage von SPEEDWEEK.com.

Für ihn ist die Rolle der Konkurrenz aus München bei der persönlichen Bewertung der sportlichen Unterhaltung in dieser Saison gar nicht so wichtig. «Ich weiß nicht, wie wichtig es wirklich ist, dass es verschiedenen Marken sind. Man sieht die Fahrer kämpfen, das ist pures Racing im Moment. Das ist es, was zählt», so Gass.

Gass gibt zu: «Ja, es wäre noch interessanter, wenn es eine Mischung aus den beiden Herstellern wäre.» Aber: «Ich denke, dass die Show innerhalb der Audi-Fahrer gut ist, das ist das wichtigste, weil es ja auch Kritik gab wegen Teamstrategie», sagte er.

Die letzten Prozent fehlen

Teamorder ist in dieser Saison verboten und sorgt in der Tat dafür, dass sich die Audi-Fahrer untereinander oft nichts schenken. Aber klar ist auch: Die allerletzten Prozent, das letzte Limit in den Duellen fehlt dann doch, weil man sich nicht gegenseitig abschießen will. Audi-Festspiele sind durchaus schön anzuschauen, wenn die Fights offen geführt werden. Zu viel Dominanz ist trotzdem nicht das, was man als halbwegs neutraler Zuschauer am Ende sehen will, als BMW-Fan schon mal gar nicht. Sonst kann man auch gleich einen Markenpokal austragen.

Das war im Samstagrennen in Assen im Grunde der Fall: An der Spitze die Audi-Armada, mit einem respektvollen Abstand von fast einer halben Minute trug BMW quasi ein eigenes Rennen aus.

BMW braucht 2020 ungewöhnliche Bedingungen, damit man um Siege kämpfen kann. «Schaut man auf die Abstände im Qualifying, ist es schwierig, durch die eigene Stärke zu gewinnen. Wir müssen weiter hart arbeiten, um wirklich konkurrenzfähig zu sein», sagte Marco Wittmann und sprach das BMW-Problem an: das Qualifying.
Dort wird der Grundstein für das Rennen gelegt, und mit einem schlechten Qualfying geht dann auch in der Regel im Rennen nicht mehr viel.

Für den Nürburgring sind am Wochenende trockene Bedingungen vorhergesagt. In der Eifel heißt das erstmal nichts. Doch sollte es so kommen, dürfte der Sieg wieder eine reine Audi-Angelegenheit werden.

Das mag ein gewisses Maß an Unterhaltung bieten. Das Salz in der Suppe fehlt trotzdem.

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