Eisspeedway-WM 1983: Wie Deutschland den Titel gewann

Von Christian Kalabis
Eisspeedway der Nationen

Wenn kommendes Wochenende in Berlin-Wilmersdorf die Namen Niedermaier und Weber in der Startliste zu lesen sind, werden sich einige Eisspeedway-Fans fragen: Fahren die immer noch?

Der 13. Februar 1983 ist ein unvergessliches Datum im deutschen Bahnsport: Da schlug die Stunde der bayerischen Eisfahrer Max Niedermaier und Helmut Weber. In einem hochdramatischen Finale zur Team-Weltmeisterschaft bezwangen beide das Drei-Kronen-Team aus Schweden und die bis dahin als unschlagbar geltenden Russen, die den seit 1979 bestehenden jüngsten Bahnsport-Weltmeistertitel viermal ohne Unterbrechung gewonnen hatten.

Vor dem Rennen hatte man den beiden Bayern eine echte Medaillenchance eigentlich nur für Platz 3 eingeräumt, nachdem sie in den Vorläufen zur Einzelweltmeisterschaft für Furore gesorgt hatten: Niedermaier mit Maximum am zweiten Tag in Inzell und Weber mit geschlossenem Treibstoffhahn auf Rang 4 in Frankfurt! Doch beide drosselten die Euphorie der Fans und Journalisten vor dem ersten Lauf: Der Max zu mir: «Wenn das so einfach wäre, fährst du mit und ich schreibe den Artikel.»

Der Auftakt war dann bereits sensationell: Man bezwang die Sowjets (so hießen sie damals) mit 4:2 und kurz darauf auch die schwedischen Fahrer. Speedwayspezialist und Schnellstarter Erik Stenlund und Per-Olof Serenius besiegten die Russen klar, alles lief auf ein Duell Schweden gegen Deutschland hinaus. Das bayerische Duo brachte den Schweden den ersten Punktverlust, was gleichzeitig Rang 2 in der Samstagabend-Wertung bedeutete.

Fans witterten die Sensation

Dank der Berliner Sonntagspresse, die am Morgen auf den Titelblättern von der möglichen Sensation berichtete, war das Stadion am Nachmittag picke-packe voll, wie die Berliner sagen. Über 10.000 Fans fieberten der möglichen Goldmedaille entgegen. Und sie brauchten nicht lange warten, um in Euphorie auszubrechen: Gleich im Eröffnungsheat wurden die bis dahin ungeschlagenen Schweden kalt erwischt: In bekannter Weise erwischte Niedermaier den besseren Start und konterte die Schweden aus, Weber rollte sie von hinten auf. Doch Stenlund hatte etwas dagegen, sodass «nur» ein 4:2 für unser Duo heraussprang. Aber auch die Erkenntnis: Heute ist Gold möglich.

Von nun an lief alles nach Plan. Die Schweden erfuhren nur ein 3:3 gegen die Russen, Niedermaier und Weber dagegen ein 5:1 und übernahmen damit vor einem ekstatischen Publikum die Führung. Und da auch die Österreicher, Tschechen und Finnen überrollt wurden, brauchte man nur noch einen Doppelsieg über das Ein-Mann-Team Roelof Thijs und Holland.

Doch der gute Mann aus Assen, Held von Moskau ein paar Jahre zuvor, hatte etwas dagegen, hier nur die Tulpen aus Amsterdam zu überreichen. Ich habe auf der Tribüne fast die Daumen vor zittern durchgedrückt. Erst entbrannte das Duell mit Helmut Weber um Platz 2, bis Thijs auf der Gegengeraden plötzlich langsamer wurde, dann kam der gute Max kurz vor dem Ziel ins Straucheln, rettete aber Platz 2 und damit endgültig die Goldmedaille für das bundesdeutsche Team.

Reservefahrer Gunter Brandt, der eine Woche zuvor in Holland sein erstes Eisrennen mit Bravour absolvierte, kam in Berlin nicht zum Einsatz.

Die Hose vertauscht

Der Platz in den Bahnsport-Geschichtsbüchern war für die Ewigkeit gesichert, nicht ahnend, dass im gleichen Jahr ein anderer deutscher Fahrer ebenfalls darauf Anspruch erheben sollte: Egon Müller, der bis heute einzige deutsche Speedway-Weltmeister!

Womit wir zum Anfang zurückkommen und zur Auflösung der Frage: Max und Helmut sind 2015 nicht mehr am Start, dafür aber die Sprösslinge Max junior und Hans Weber, der zurzeit als Grand-Prix-Rookie für Aufsehen sorgt.

Eine Anekdote zum WM-Finale 1983 fällt mir noch ein. Dass die beiden Bayern trotz des frenetischen Publikums und der Nervenanspannung ruhig blieben, zeigte folgender Dialog nach der harten Attacke des finnischen Schräglagenkönigs Jarmo Hirvasoja gegen Helmut Weber, wobei dessen Beinkleid (Gwand sagen wohl die Bajuwaren) zerfetzt wurde und eine 20 cm lange Risswunde den Unterschenkel wie ein Tattoo zierte. Max besorgt: «Du Helmut, alles in Ordnung?» Helmut: «Na klar, bis auf die Hose, es war übrigens deine, ich muss sie vorher beim Umkleiden verwechselt haben.»

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