Eisspeedway: Keine Rennen, keine Weltmeister 2021?

Von Thorsten Horn
Eisspeedway-WM
Rekord-Champion Nikolai Krasnikov

Rekord-Champion Nikolai Krasnikov

Sollten die Verhandlungen der FIM mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hinsichtlich der Eisspeedway-Einzel-WM 2021 in Togliatti zu keinem positiven Ergebnis führen, würde erstmals seit 1966 kein Weltmeister gekürt.

Geplant ist dieses letzte übrig gebliebene WM-Event schon am 13. und 14. Februar, doch stehen aktuell mehr Frage- als Ausrufezeichen hinter der Durchführbarkeit. Grund genug, einen Blick in die Historie dieses atemraubenden Sports zu werfen.

Urkundlich belegt, wurde 1920 in Schweden als Wintertraining erstmals auf Eis gefahren. Bis das reinrassige Eisspeedway, wie wir es heute kennen, geboren wurde, vergingen aber noch viele Jahre.

Erst 1964 wurde mit dem Sowjetrussen Gabdrahman Kadyrov der erste Europameister gekürt. Nach einem weiteren EM-Jahr und einem FIM-Cup wurde für 1966 erstmals eine Weltmeisterschaft ausgeschrieben. Nach je zwei Rennen in Ufa und in Moskau in der damaligen UdSSR hieß der erste Weltmeister ebenfalls Gabdrahman Kadyrov. Der in Ufa geborene und 1993 verstorbene Kadyrov ließ 1968, 1969, 1971, 1972 und 1973 fünf weitere Titel folgen. Damit war er über drei Jahrzehnte der unangefochtene Rekordhalter bei den Spike-Rittern.

Wenngleich Sergej Tarabanko mit vier WM-Titeln (1975, 1976, 1977 und 1978) sowie Juri Ivanov (1986, 1987, 1992), Alexandr Balashov (1994, 1996, 1998) und Kyril Drogalin (1997, 2000, 2001) ebenfalls mehrfache Titelträger wurden, hatte Kadyrovs Rekord lange Bestand.

Überhaupt ist Russland, beziehungsweise die Sowjetunion, wie sie bis 1991 hieß, die unumstrittene Nummer 1 des Eisspeedway-Sports. 55 WM-Titel wurden bislang vergeben, von denen 48 Fahrer aus dem Land von Väterchen Frost einheimsten.

Dazwischenfunken konnten lediglich die Tschechen Antonin Svab und Milan Spinka 1970 sowie 1974, der Schwede Erik Stenlund 1984 und 1988, der Finne Jarmo Hirvasoja 1990 sowie Per-Olof Serenius, ebenfalls aus Schweden, 1995 und 2002.

Parallel zur Einzel-Weltmeisterschaft wird seit 1979 die Mannschafts-Weltmeisterschaft mit jährlich wechselnden Austragungsorten ausgefahren. Auch hierbei sind die Teams der ehemaligen Sowjetunion und Russlands mit 38 von 42 möglichen Titeln die unangefochtenen Rekord-Champions. Lediglich 1983 in Berlin gelang es den Deutschen Max Niedermeier, Helmut Weber und Gunter Brandt sowie den Schweden 1985 in Inzell, 1995 in Frankfurt am Main und 2002 in Krasnogorsk, der «Sbornaja» den Titel wegzuschnappen.

2004 ging bei der Team-WM in Inzell der Stern von Nikolai Krasnikov auf. Ein Jahr später wurde er im Alter von nur 20 Jahren zum ersten Mal Eisspeedway-Weltmeister und fügte diesem Titel in den Folgejahren ohne Unterbrechung sieben weitere hinzu. 2012 erklärte er im noch sehr jungen Alter von nur 27 Jahren seinen Rücktritt aus dem Grand Prix, ist aber in der hart umkämpften Russischen Meisterschaft immer wieder am Start und qualifizierte sich als Landesmeister des Öfteren für die Nationalmannschaft für die Team-WM.

In seine Fußstapfen traten vor allen Daniil Ivanov und der einst vom ihm geförderte Dmitri Koltakov, die inzwischen vier und drei WM-Titel einfahren konnten.

Der Austragungsmodus der Einzel-WM änderte sich im Lauf der vielen Jahre immer wieder. Zeitweise wurden die Weltmeister nach mehreren Rennen ermittelt, zwischendurch aber auch bei Ein- oder Zweitagesveranstaltungen und an einem Finalort. Seit 1994 kommt mit zwei Unterbrechungen wieder das Grand-Prix-System mit einer entsprechenden Gesamtwertung zur Anwendung.

Wenngleich sich über den sportlichen Wert streiten lässt, während in Russland Meisterschaft und Liga liefen oder laufen herrscht anderswo aktuell Stillstand, wären die zwei als Einzel-WM 2021 geplanten Renntage in Togliatti am 13./14. Februar besser als nichts. Für die Mannschafts-WM, die neuerdings «Icespeedway of Nations» heißt, wurde für 2021 von vornherein kein Termin angesetzt.

Die bisherigen Eisspeedway-Einzelweltmeister:

1966 Gabdrahman Kadyrov (UdSSR)
1967 Boris Samorodov (UdSSR)
1968 Gabdrahman Kadyrov (UdSSR)
1969 Gabdrahman Kadyrov (UdSSR)
1970 Antonin Svab (CSSR)
1971 Gabdrahman Kadyrov (UdSSR)
1972 Gabdrahman Kadyrov (UdSSR)
1973 Gabdrahman Kadyrov (UdSSR)
1974 Milan Spinka (CSSR)
1975 Sergej Tarabanko (UdSSR)
1976 Sergej Tarabanko (UdSSR)
1977 Sergej Tarabanko (UdSSR)
1978 Sergej Tarabanko (UdSSR)
1979 Anatoli Bondarenko (UdSSR)
1980 Anatoli Bondarenko (UdSSR)
1981 Vladimir Ljubitch (UdSSR)
1982 Sergej Kazakov (UdSSR)
1983 Sergej Kazakov (UdSSR)
1984 Erik Stenlund (S)
1985 Vladimir Suchov (UdSSR)
1986 Juri Ivanov (UdSSR)
1987 Juri Ivanov (UdSSR)
1988 Erik Stenlund (S)
1989 Nikolai Nishtschenko (UdSSR)
1990 Jarmo Hirvasoja (FIN)
1991 Sergej Ivanov (UdSSR)
1992 Juri Ivanov (GUS)
1993 Vladimir Fadeev (RUS)
1994 Alexandr Balashov (RUS)
1995 Per-Olof Serenius (S)
1996 Alexandr Balashov (RUS)
1997 Kyril Drogalin (RUS)
1998 Alexandr Balashov (RUS)
1999 Vladimir Fadeev (RUS)
2000 Kyril Drogalin (RUS)
2001 Kyril Drogalin (RUS)
2002 Per-Olof Serenius (S)
2003 Vitali Khomitsevitsch (RUS)
2004 Dmitri Bulankin (RUS)
2005 Nikolai Krasnikov (RUS)
2006 Nikolai Krasnikov (RUS)
2007 Nikolai Krasnikov (RUS)
2008 Nikolai Krasnikov (RUS)
2009 Nikolai Krasnikov (RUS)
2010 Nikolai Krasnikov (RUS)
2011 Nikolai Krasnikov (RUS)
2012 Nikolai Krasnikov (RUS)
2013 Daniil Ivanov (RUS)
2014 Daniil Ivanov (RUS)
2015 Dmitri Koltakov (RUS)
2016 Dmitri Khomitsevich (RUS)
2017 Dmitri Koltakov (RUS)
2018 Dmitri Koltakov (RUS)
2019 Daniil Ivanov (RUS)
2020 Daniil Ivanov (RUS)
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