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BMW Endurance: Leidenschaft in Zwangspause versetzt

Von Helmut Ohner
Freude beim Team BMW Motorrad Endurance nach Platz 3 in Sepang

Freude beim Team BMW Motorrad Endurance nach Platz 3 in Sepang

Wie in so vielen Rennserien stehen die Räder in der Langstrecken-Weltmeisterschaft momentan still, und das BMW Motorrad World Endurance Team muss sich wie die Konkurrenten in Geduld üben.

Nach dem Saisonauftakt beim Bol d’Or in Le Castellet (Frankreich) und dem Acht-Stunden-Rennen in Sepang (Malaysia), wo das Team beide Male mit dem dritten Platz wichtige Meisterschaftspunkte einfuhr, ist die Motivation auf weitere Podiumsplätze sehr hoch. Momentan muss das BMW Motorrad World Endurance Team jedoch auf weitere Rennauftritte warten. Aufgrund der weltweiten Corona-Krise hat der Promotor Eurosport Events gemeinsam mit dem Motorradweltverband FIM reagiert und den Kalender angepasst.

Der Langstreckenklassiker, das berühmte 24-Stunden-Rennen auf dem Circuit Bugatti in Le Mans, mit dem die Langstrecken-Saison eigentlich Mitte April fortgesetzt werden sollte, wurde auf Ende August verschoben und das Acht-Stunden-Rennen von Oschersleben in Deutschland, ursprünglich geplant für das erste Juni-Wochenende, musste überhaupt gestrichen werden. Laut aktuellem Rennkalender geht es nun voraussichtlich am 19. Juli mit dem 8-Stunden-Rennen im japanischen Suzuka weiter.

Doch was machen Rennfahrer von BMW Motorrad World Endurance in dieser unvorhergesehenen Pause? Wie erleben sie die momentane Situation? Wie halten sie sich fit und motiviert?

Kenny Foray: «Natürlich ist unser Stand für die allererste Saison in der Meisterschaft nicht schlecht. Denn wir hatten ja noch kein 24-Stunden-Rennen zu Beginn der Saison und auch das zweite Rennen war kein komplettes Rennen, weil wir irgendwie nie das Wetter auf unserer Seite hatten. Jetzt wäre es natürlich gut gewesen, endlich ein 24-Stunden-Rennen in Le Mans zu haben, um diese Erfahrung sammeln zu können. Leider hat sich aber alles geändert und es ist schwierig, über die Zukunft zu orakeln. Ich bleibe im Moment, wie alle anderen auch, zu Hause bei meiner Familie. Meine Frau arbeitet im Krankenhaus, also bin ich mit den beiden Kindern zu Hause. Bei uns ist immer was los. Ich versuche viel Sport zu machen, gehe in der Nähe des Hauses laufen, oder trainiere mit dem Home-Trainer im Haus. Ich hoffe, dass auch alle anderen zu Hause bleiben, so dass wir ganz bald endlich mit der Saison fortfahren können. Am Wichtigsten ist, dass alle sicher sind. Motorsport ist momentan nicht die Priorität, aber ich vermisse es sehr, und schon aus dem Grund hoffe ich, dass sich alle an die Ausgangsbeschränkungen halten.»

«Ich möchte so schnell es geht wieder Rennen fahren. Vor dem Start der Saison hat keiner große Erwartungen gehabt. Es war ein neues Team, ein neues Motorrad, wir wollten erst einmal schauen, wo wir stehen. Doch jetzt, nach zwei Events, bei denen wir richtig gut waren, denke ich, dass wir weiterhin aufs Podium fahren können.»

Ilya Mikhalchik: «Die Zeit ist gerade für uns alle nicht einfach. Für mich ist das Schlimmste, dass man jeden Tag neue schlimme Nachrichten lesen kann. Jeden Tag wird wieder etwas gecancelt etc. und damit kann ich nicht so gut umgehen. Diese ganze Situation ist neu für mich. Natürlich werden wir es alle überstehen, wenn wir mal ein paar Wochen keine Rennen fahren. Es ist eben einfach wie es ist, aber ich bin mehr als bereit, wieder Rennen zu fahren. Ich halte mich weiterhin fit, jetzt allerdings nur noch ein paar Mal in der Woche, einfach um fit zu bleiben. Wenn ich weiß, wann es wieder losgeht, dann werde ich mein Training auch wieder erhöhen und dann bin ich bereit, wieder auf mein Motorrad zu springen und Rennen zu fahren, wann auch immer das sein wird. Beim letzten Test in Le Mans hatte ich ein wirklich gutes Gefühl mit der BMW S1000RR und wir konnten uns auch gut auf eventuelles Regen-Wetter vorbereiten. Beim Test lief das Motorrad wirklich super und ich war sehr überrascht über die ganzen Fortschritte in all den einzelnen Bereichen, die wir getestet haben. Wir sind also auf alle Begebenheiten des Wetters wirklich gut vorbereitet. Leider wurde das Rennen nun auf den vorletzten Event der Saison verschoben. Ich freue mich, wenn das endlich wieder soweit ist. Egal, ob es morgen wieder losgehen würde, oder in drei Monaten, ich bin bereit.»

Markus Reiterberger: «Ich bin ja erst seit einem Rennen Teil der EWC-Familie, daher kann ich jetzt nicht so ganz beurteilen, wie die Saison bisher gelaufen ist. Soweit ich weiß, wurden die Erwartungen weit übertroffen. Mit den zwei dritten Plätzen und dem aktuell zweiten Platz in der WM kann man aber, denke ich, wirklich zufrieden sein. Es wird unermüdlich von allen Seiten weitergearbeitet und genau das macht den Erfolg aus am Ende. Ich kann jetzt nur von Sepang reden und das hat mir super gefallen. Ich musste mich natürlich auch erst einmal im Team einfinden, aber das ging alles sehr schnell. Die Ergebnisse waren bei allen Trainings top und wir waren unter allen Bedingungen vorn mit dabei. Ich habe zwei Spitzen-Teamkollegen, zwei sehr schnelle Teamkollegen und ich bin wirklich froh, ein Teil dieser Familie zu sein. Der Event in Sepang hat mir persönlich nach meiner eher schwierigen letzten Saison wieder ganz neue Motivation gegeben. Und darüber freue ich mich.»

«Ich hoffe nun, dass die Corona-Krise bald vorbei ist, alle Menschen auf der Welt wieder gesund sind, wir das alle gut überstehen und bald wieder Rennsport betreiben können. Ohne Racing fühlt sich alles etwas komisch an. Wir müssen jetzt einfach abwarten. Es geht uns allen gleich. Ich hoffe, dass wir bei den anderen Events, die hoffentlich noch stattfinden können, wieder vorn mit dabei sein werden. Wir haben alle das Ziel, einmal im Leben Weltmeister zu werden. Theoretisch haben wir die Chance und wir können das schaffen. Vielleicht ist das Ziel etwas hochgesteckt, aber möglich ist es. Jetzt hoffe ich aber erst einmal, dass wir alle gesund sind und dass wir bald wieder alle zusammen auf.»

«Bis jetzt bin ich natürlich sehr glücklich über die beiden Podiumsplätze bei den beiden bisherigen Events. Für ein neues Team ist das mehr als wir erwartet hatten. Woche für Woche haben wir mehr dazu gelernt - über das Motorrad, das Team, den neuen Motor, die neuen Reifen etc. - und die Hoffnungen für den Rest der Saison sind dadurch sehr hoch. Jetzt kommt uns, wie allen anderen auch, die Corona-Krise dazwischen. Wir müssen Geduld haben und abwarten. Keiner kann aktuell sagen, wann und wie es weitergeht. Ich bin guter Dinge, dass wir dieses Jahr noch Rennen fahren werden, aber keiner weiß das so ganz genau und keiner weiß, wo wir dann stehen werden. Natürlich hoffe ich auf gute Ergebnisse, auf alle Fälle auf Top-5-Ergebnisse. Mit Markus, Ilya und Kenny haben wir ein paar der besten Fahrer der ganzen WM. Ein Top-5-Ergebnis am Ende des Jahres sollte schon drin sein. Wir müssen nun aber erst einmal schauen, was die Zukunft bringt. Ich wünsche uns allen, dass wir dieses Jahr alle gesund auf einer Rennstrecke wieder zusammenfinden werden», ergänzt Teammanager Werner Daemen.

«Es gibt nicht viel hinzuzufügen zu dem, was unsere Fahrer und Team-Manager Werner Daemen bereits gesagt haben, außer dass wir unseren Sponsoren, Partnern, Freunden und Familien danken, dass sie zu uns halten und uns treu bleiben und zu hoffen, dass wir alle gemeinsam diese Krise überstehen werden und wie geplant, Mitte Juli - sofern das möglich ist - wieder zusammen Rennen fahren können.»

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