Derek Bell: Die WEC sollte keine LMP1-Fahrzeuge haben

Von Oliver Müller
FIA WEC
Derek Bell (Mitte mit Mütze) bei seinem Le-Mans-Sieg 1986 an der Seite von Hans-Joachim Stuck (li.) und Al Holbert

Derek Bell (Mitte mit Mütze) bei seinem Le-Mans-Sieg 1986 an der Seite von Hans-Joachim Stuck (li.) und Al Holbert

Als fünffacher Sieger der 24 Stunden von Le Mans verfügt Derek Bell über mächtig Erfahrung auf der Langstrecke. Aktuell fährt er die Ennstal-Classic, in deren Rahmen er sich zum aktuellen Geschehen in der WEC äußerte.

Derek Bell und der Langstrecken-Sport: Das ist eine über Jahrzehnte anhaltende Liebesgeschichte. Zwischen 1970 und 1996 nahm er 26. Mal an den 24 Stunden von Le Mans teil. Dabei gelangen dem Briten sogar fünf Gesamtsiege - 1975 (Gulf GR8) bzw. 1981/1982 (Porsche 936/956) gemeinsam mit Le-Mans-Ikone Jacky Ickx sowie 1986/1987 (Porsche 962C) mit Hans-Joachim Stuck und Al Holbert. Auch heutzutage lässt sich Bell immer wieder im Sportwagen-Paddock blicken. Le Mans genießt Bell beispielsweise regelmäßig im legendären Hôtel de France in La Chartre-sur-le-Loir. Dort hatten früher Teams wie Aston Martin oder John Wyer Automotive Engineering ihre Zelte aufgeschlagen. Insbesondere der klassische Motorsport hat es dem mittlerweile 76-Jähringen angetan. Aktuell bestreitet Bell die Ennstal-Classic, eine Oldtimer Veranstaltung in Österreich. Dort tat er seine Meinung zum derzeitigen Geschehen in der Sportwagen-WM (FIA WEC) kund.

«Ich weiß wirklich nicht, was sie machen sollen», bedauert er die WEC-Macher. «Ich bin sehr froh, dass das nicht mein Problem ist. Schau dir die amerikanische IMSA-Serie an – ich finde, das ist die bessere Rennserie momentan. Besonders wenn aufs Racing ankommt. Die Führungsfahrzeuge fahren hier wirklich noch Rennen! Ich denke aber, dass die WEC keine LMP1-Fahrzeuge haben sollte. Besonders nicht mit Budgets von hunderten von Millionen im Jahr und drei Herstellern mit nur zwei Autos. Wenn ein Privatteam vorhat, Rennen zu fahren, dann verhandelt es mit seinen Sponsoren um ein paar Millionen Dollar. Doch mit dem Budget wirst du in Le Mans nur Sechster oder Siebter. Das interessiert keinen Sponsor, dafür gibt dir doch niemand Geld! Und genau das ist das Problem und die Zuschauer wissen das.»

Besonders das Thema Kosten sieht Bell als einen der Hauptfaktoren, warum es im LMP-Business aktuell nicht läuft. «Mit den Porsche 962 sind wir zwar nur 380 km/h gefahren, doch fast jeder konnte sich so ein Fahrzeug kaufen. Mit 300.000 - 400.000 Dollar hatte man damals den schnellsten Prototypen. Ohne Porsche hätte es damals keine Weltmeisterschaft gegeben. Wir waren damals mit 16 bis 20 Autos in Le Mans am Start, alle mit verschiedenen Sponsoren, sowie Fahrern und unterschiedlichen Teams. Aber trotzdem war es noch interessant und die Fans haben es geliebt – es war einfach die größte Ära im Sportwagen-Bereich», erklärt Bell gegenüber der Ennstal-Classic.

Natürlich sind die genannten Preise allein schon durch die Inflation nicht mehr mit heute vergleichbar. Aber Bells grundsätzliche Idee kommt durch die Aussagen ganz klar heraus. Der Blondschopf wünscht sich für der Top-Sportwagen-Kategorie wieder Fahrzeuge, die nicht mehr so stark mit überteuerten Technik-Gimmicks vollgepackt sind. «Die Zuschauer interessieren sich nicht für Hybrid. Sie wollen ein Rennen sehen! Sie wollen schnelle Autos sehen, außergewöhnliche Beschleunigung und tolle Kurvenfahrten. LMP2-Autos haben einen tollen Sound, am besten war aber der RSR-Porsche. Genau das wollen die Fans auch hören! Nicht einen unterdrückten Furz, wenn ein Elektro-Auto vorbeifährt», so Bell.

Im Rahmen der diesjährigen Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans haben FIA und ACO bereits ein neues Reglement für die große Prototypen-Klasse verkündet. Eckpfeiler sind eine Kostenreduzierung auf ein Saisonbudget von circa 25 bis 30 Millionen Euro für ein Zwei-Wagen-Team. Hybrid-Antriebe mit Allrad wird es aber weiterhin geben. Ob Bell das zusagen wird?

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