Hamilton und Schumacher: Wer ist der bessere Fahrer?

Von Andreas Reiners
Formel 1
Lewis Hamilton und Michael Schumacher im Jahr 2012

Lewis Hamilton und Michael Schumacher im Jahr 2012

Lewis Hamilton ist mit 91 Siegen mit Legende Michael Schumacher gleichgezogen. Auch die Bestmarke von sieben WM-Titeln wird er 2020 einstellen. Stellt sich die ewige Frage: Wer ist der bessere Fahrer?

Lewis Hamilton konnte sich in Ruhe darauf vorbereiten, er konnte sich in die Situation reinfühlen. Eine Überraschung war der Erfolg nämlich nicht, er fiel nicht vom Himmel. Trotzdem war sein 91. Sieg in der Formel 1 emotional, als am Nürburgring schließlich der besondere Moment gekommen war, denn damit zog er mit Legende Michael Schumacher gleich.

Das fing mit der berührenden Übergabe eines Schumacher-Helms durch Sohn Mick an. Und ging mit den Fragen zu Schumacher weiter.

«Wie jeder von uns habe ich miterlebt, wie Schumacher all diese Siege in der Königsklasse herausfuhr. Nie im Leben wäre es mir in den Sinn gekommen zu denken, dass ich eines Tages so viele Siege wie er haben würde», sagte Hamilton. «Schumacher bleibt einzigartig, eine Legende des Sports. Er war ein Vorbild für eine ganze Generation von Piloten, er hat verstanden, wie wichtig die körperliche Vorbereitung ist, wie sehr man sich in Details vertiefen muss, um Erfolg zu haben.»

Doch da nun beide von den Siegen her auf Augenhöhe sind und es im Sport um den direkten Vergleich geht – wer ist denn nun der bessere der beiden Legenden? Wer ist der Größte?

Nico Rosberg kann das beurteilen, er hat Schumachers zweite Karriere von 2010 bis 2012 als Mercedes-Teamkollege ebenso erlebt wie Hamiltons Dominanz von 2014 bis 2016, als Rosberg zumindest im letzten Jahr seinem einstigen Jugendfreund den Titel wegschnappen konnte.

«Lewis hat wahrscheinlich ein bisschen mehr Naturtalent als Michael. Lewis ist wahrscheinlich das größte Naturtalent, das unser Sport je gesehen hat. So macht er dann den Unterschied», sagte Rosberg Sport1.

Schumachers Arbeitsethik sei anders gewesen, so Rosberg: «Lewis macht viel mehr mit Instinkt, Michael aber war das komplette Paket. Er hat den Unterschied als Allrounder gemacht, mit akribischer Arbeit, Detailbesessenheit, Teamspirit, mit dem er in einer führenden Rolle ein Team aufbaut. Hart arbeiten, das war Michaels größte Stärke. Und er war dazu noch ein Krieger.»

Der frühere Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat ebenfalls beide Piloten erlebt, dabei aber die komplette Karriere von Schumacher. ER kritisiert, dass der Einfluss der Fahrer heute viel geringer ist als früher. «Schumi ist das Auto mehr oder weniger allein gefahren. Hamilton hat Gott weiß wen, der ihm hilft und sagt, wie der Reifendruck aussieht oder sein Kurvenspeed», sagte Ecclestone AFP und betonte: «Man kann nichts Schlechtes über Lewis sagen. Man kann nicht sagen, er ist nicht gut. Das ist nicht der Punkt.»

Den Punkt spricht auch Legende Jackie Stewart an, denn seiner Meinung nach genießt Hamilton durch die Dominanz von Mercedes einen «fast unfairen Vorteil. Lewis fährt extrem gut, macht keine Fehler. Ich schmälere in keiner Weise seine Fähigkeiten. Aber es ist nicht dasselbe (wie früher)», so Stewart. In der Tat hat Hamilton seit 2014 immerhin 69 seiner 91 Siege geholt.

«Lewis ist einer, der den Menschen den Atem rauben kann. Er wird auch in Zukunft die Messlatte sein, die übersprungen werden muss. Beide, Michael und Lewis, sind aber auf ihre Art einzigartig», sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn, der mit Schumacher bei Ferrari eine Ära prägte.

Schumacher habe immer perfekt wie ein Uhrwerk funktioniert, so Brawn: «Michael war ein sehr ehrgeiziger Mensch und ein extremer Kämpfer. Er hat seine sieben WM-Titel nicht geholt, weil er schnell aufgegeben hat. Zudem konnte er auch auf einzigartige Weise die Leute in der Fabrik antreiben.»

Das gilt auch für ihn selbst, denn Hamiltons Vertrag bei Mercedes läuft zwar aus, doch genug hat er noch lange nicht. «Ich liebe meinen Job, ich liebe die Herausforderung, mich an der Spitze zu behaupten. Ich weiß, dass ich älter werde. Aber im Geiste fühle ich mich jung, und so lange ich keine weißen Haare entdecke, mache ich mir keine Sorgen.»


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