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Formel 1Kolumne

Vor 55 Jahren: Ludovico Scarfiotti – Tod am Rossfeld

​Am 8. Juni 1968 starb Porsche-Werksfahrer Ludovico Scarfiotti beim Rossfeld-Bergrennen oberhalb von Berchtesgaden. Der Motorsport verlor einen vielseitigen, beliebten Piloten.

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Plausch unter Freunden: Porsche-Pilot Mitter mit Gipsfuss und Ferrari-Star Scarfiotti 1966 am Rossfeld
Plausch unter Freunden: Porsche-Pilot Mitter mit Gipsfuss und Ferrari-Star Scarfiotti 1966 am Rossfeld
Foto: Porsche
Plausch unter Freunden: Porsche-Pilot Mitter mit Gipsfuss und Ferrari-Star Scarfiotti 1966 am Rossfeld
© Porsche

Es hätte ein so stimmungsvolles Bergrennen um Punkte für die Europameisterschaft werden können: Der AvD-Rossfeld-Bergpreis vor der eindrucksvollen Kulisse der Berchtesgadener Alpen. Eine traumhafte schöne Strecke, rund sechs Kilometer lang mit vielen anspruchsvollen Kurven hinauf zum Ziel am Ahornkaser in 1500 Metern Höhe. Doch schon der Trainingstag wurde zur Katastrophe.

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Porsche galt als Top-Favorit, die Stuttgarter brachten gleich drei der neuen Achtzylinder-Bergspider in Leichtbauweise für ihr Werksfahrer-Trio an den Start: Titelverteidiger Gerhard Mitter, Doppel-Rekordhalter und Porsche-Neuzugang Ludovico Scarfiotti und Vorjahressieger Rolf Stommelen. Was für eine Starparade.

Aber kaum hatte Rennleiter Hans Buchwinkler die samstäglichen Zeittrainingsläufe gestartet, da kippte auch schon die gute Stimmung an der Strecke und im Fahrerlager. Statt Jubel, Trubel Heiterkeit gab es Trauer und Tränen.

Die erste Schreckensmeldung, die bei mir am Sprecherplatz über Feldtelefon einlief, lautete: Rolf Stommelen bei Kilometer 3,1 verunfallt, Fahrer schwer verletzt.

Der Kölner war mit dem Spider gegen eine Böschung gekracht. Dabei zog er sich mehrere Brüche an Schulter, Armen und Hand zu. Er wurde zunächst ins Krankenhaus von Berchtesgaden gebracht und von dort in die Uni-Klinik nach München verlegt.

Nur wenig später wieder Streckensperrung und die nächste, noch viel schlimmere Crash-Meldung. Ludovico Scarfiotti war 700 Meter unterhalb der Stommelen-Unfallstelle bei Kilometer 2,4 mit dem Porsche Spider mit mehreren Bäumen abseits der Strecke kollidiert. Schon beim ersten Aufprall wurde der zweifache Titelgewinner von 1962 und 1965 (jeweils auf Ferrari Dino) aus dem Cockpit geschleudert.

Mit schwersten Kopf- und Beinverletzungen wurde der Italiener geborgen, verstarb jedoch noch während des Transports zur Erstversorgung ins Berchtesgadener Hospital. Das Leben eines der größten italienischen Rennfahrer endete inmitten der bayerischen Alpenwelt.

Der Auslöser für beide Unfälle wird für immer ungeklärt bleiben. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte damals zwar beide Unfallautos, aber es konnten weder ein technischer Defekt noch Witterungseinflüsse zugeordnet werden. Zum Zeitpunkt beider Unfälle war die Fahrbahn trocken.

Experten vermuteten allerdings, dass möglicherweise die Leichtbauweise der Porsche-Bergspider eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben könnte. Später rückte auch noch die Möglichkeit in den Vordergrund, dass Scarfiotti einem auf der Strecke befindlichen Zuschauer ausweichen musste. Bestätigt wurden all diese Spekulationen allerdings nie.

Nach längerer Unterbrechung wurde das Training fortgesetzt und auch die beiden Rennläufe am Sonntag nach Plan durchgeführt. Allerdings weinte sogar der Himmel – dem trockenen und warmen Trainingstag folge ein verregneter Renntag. Gerhard Mitter erreichte für Porsche seinen fünften Rossfeld-Sieg vor Dieter Quester, der mit dem BMW-Bergspider "Monti" sieben Sekunden zurücklag.

Nun mag sich so mancher Leser wundern, warum Porsche nach den beiden tragischen Unglücken das verbliebene Mitter-Auto nicht zurückzog und überdies Mitter selbst überhaupt noch zum Rennen gestartet ist. Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein hatte Mitter freigestellt, ob er angesichts des Todes seines Teamkollegen Scarfiotti trotzdem starten oder lieber verzichten will. Für den Fall des Startverzichts hatte auch der direkte Konkurrent BMW einen Verzicht angeboten.

Doch Mitter entschied sich für den Start. Begründet hat er das mir gegenüber damals für meinen Bericht in der "Rheinischen Post" so: "Persönliche Gefühle dürfen bei einem Profi im Rennsport keine Rolle spielen."

Und dann fügte er noch an: "Da hat der Ludovico so viele große Formel 1- und wilde Sportwagen-Schlachten überlebt, und dann stirbt er hier mit 34 bei einem simplen Bergrennen. Unfassbar."

14 Monate später, Anfang August 1969, starb auch Gerhard Mitter bei einem Unfall, im Formel 2-BMW am Nürburgring. Übrigens fast im gleichen Alter wie Scarfiotti, es fehlten nur vier Wochen zur Vollendung seines 34. Lebensjahres.

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