Anklage gegen Bernie Ecclestone: So geht es weiter

Von Mathias Brunner
Formel 1
Es wird eng für «Mr. Formula One» Bernie Ecclestone

Es wird eng für «Mr. Formula One» Bernie Ecclestone

Nach dem Eingang der Anklageschrift aus München: Wir erklären, wie es im Bestechungsfall um den englischen Formel-1-Promoter weitergeht.

Die Müncher Staats-Anwaltschaft hat Anklage gegen den Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone (82) eingereicht und dem Engländer die entsprechende Anklageschrift zukommen lassen – die Schwerpunkte lauten Verdacht der Bestechung sowie Anstiftung zur Untreue. Dem Baumeister des modernen Grand-Prix-Sports wird vorgeworfen, an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben. Der Engländer beteuert seine Unschuld und hat angegeben, er sei erpresst worden. Wie geht es nun weiter?

Zunächst muss die Anklage von deutsch auf englisch übersetzt werden. Dann werden die Rechtsvertreter Ecclestones eine entsprechende Antwort verfassen, dies geschieht in einem Zeitraum bis maximal sechs Wochen. Das Gericht in München muss aufgrund dieser Antwort abwägen, welche Grundlage dafür besteht, das Verfahren weiterzuführen.

Sollte das Gericht im Sinne der Anklage entscheiden, könnte dies das Ende seiner Position für die Formel-1-Rechtehalter «CVC Capital Partners» bedeuten.

Formel-1-Rechte: Komplexe Firmenstruktur

 

CVC (Sitz in Luxemburg) entstand 1981 als europäischer Ableger der Arbeilung Beteiligungskapital (Private Equity) der US-amerikanischen Bank Citigroup. Zu den grössen Erwerbsbeteiligungen gehörte 2005 der Kauf von 86 Prozent Anteilen an der Holding SLEC (steht für die frühere Gattin von Bernie Ecclestone, Slavica Ecclestone), im März 2006 wurden die restlichen 14 Prozent übernommen (von der Bank Lehman Brothers).

Die damaligen Besitzer von SLEC waren (neben Lehman Brothers) der Trust Bambino (italienisch Kind) und die weitere Holding Speed Investments auf Jersey, die zu 62,2 % der Bayerischen Landesbank und zu jeweils 18,9 % JPMorgan Chase & Co. sowie Lehman Brothers gehörte. Speed Investments war durch den Konkurs der Kirch-Gruppe an die Banken gefallen. Die Kirch-Gruppe hatte die Holding von EM.TV gekauft. Anfang 2006 beantragte CVC Capital Partners erfolgreich, Speed und SLEC kaufen zu dürfen. Die Neugründungen Alpha Topco Ltd. und Alpha Prema UK Ltd. sollten an ihre Stelle treten. Bambino und das Management der Formula One Group wurden oder blieben Miteigentümer.

Den Unternehmen mit Alpha im Namen folgte eine Kette von Gründungen. Zum Jahreswechsel 2010/2011 gehörte der Delta Topco Ltd. auf Jersey über die Delta 2 Sarl in Luxemburg die Delta 3 UK Ltd., der über die Alpha D2 Ltd. die Alpha Prema UK Ltd. gehörte, welcher die SLEC Holdings Ltd. auf Jersey gehörte, der die Formula One Administration Ltd. gehörte. CVC Capital Partners gaben 2011 etliche Anteile an drei andere Investmentgesellschaften ab (es handelt sich um Waddell & Reed, BlackRock und die Norges Bank).

Neben der Formula One Administration Ltd. (FOA) sind die Formula One Management Ltd. (FOM ) und die Formula One Licensing BV (FOL) operative Unternehmen der Formula One Group, die rund 200 Mitarbeiter hat und im Jahr 2009 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro machte. Die Formula One Group ist diejenige Unternehmensgruppe, die für die Werbung und kommerzielle Verwertung der Formel-1-Weltmeisterschaft verantwortlich ist. Die Rechte an der Formel-1-Weltmeisterschaft sind Eigentum des Automobilverbands Fédération Internationale de l’Automobile (FIA).

Nachfolge von Bernie Ecclestone schon geregelt?

 

«Mr. Formula One» Bernie Ecclestone sagte schon im vergangenen Herbst: «Wenn es zur Anklage kommt, dann ist CVC möglicherweise gezwungen, mich loszuwerden.» Wie üblich folgte eine Portion Galgenhumor: «Das ist ziemlich naheliegend, sollte ich eingesperrt werden.»

Ecclestone weiter: «Sie sagten mir, sie hätten einen Head-Hunter angestellt, um jemanden zu suchen für den Fall, dass ich auf einmal nicht mehr da wäre – wenn ich sterbe oder so. Das ist eine ganz normale Sache, um die Anleger glücklich zu halten.»

Seither sind viele Namen möglicher Bernie-Nachfolger genannt worden: Justin King, CEO der britischen Supermarktkette Sainsbury’s (der nicht eingestellt wurde); David Campbell, ein früherer Wegbegleiter von Virgin-Chef Sir Richard Branson, der eingestellt wurde und das Unternehmen wieder verliess; Peter Brabeck-Letmathe, der frühere Verwaltungsrats-Präsidnet von Nestlé, der am Börsengang der Formel 1 arbeitet. Bis heute ist nicht klar, ob eine Einzelperson oder eine Gruppe von Wirtschafts-Experten den Platz von Ecclestone einnehmen wird.

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