Jaguar-Chef Barclay: «Die Action wird zunehmen»

Von Gerhard Kuntschik
James Barclay

James Barclay

In der Formel-E-WM wird vieles neu. Jaguar-Teamchef James Barclay, seit dem Einstieg der Briten in Saison drei (2016) an den Schalthebeln, umreißt die Herausforderungen für 2023.

«Es ist wirklich alles neu in Saison neun: Auto, technische, sportliche und finanzielle Regeln. Wir haben auch eine neue Design-Identität. Die Hierarchien werden nun neu aufgestellt. Wir können von der vergangenen Saison und vorher Erfahrung mitnehmen, aber das ist alles. Die Technologie ist für alle neu mit dem zusätzlichen Antrieb auf der Vorderachse. 600 kW Rekuperationsvermögen ist außergewöhnlich. Von 250 auf 350 kW Leistung ist ein Riesenschritt. Das Auto ist leichter, rund 800 Kilogramm, aber viel schneller als das Gen2-Fahrzeug. Damit haben wir alle eine neue Herausforderung, aber auch neue Möglichkeiten. Das Fehlen der hinteren Bremsscheiben mit der Abhängigkeit von den vorderen ist eine der wesentlichsten Neuerungen, da müssen die Fahrer das Vertrauen ins System gewinnen. Genauso wie in die deutlich gesteigerte Leistung. Und dann haben wir ja noch die neuen Reifen, die sich ganz anders verhalten (Wechsel von Michelin zu Hankook, Anm.)», so Barclay.

Ob es mehr Action geben wird, beantwortet Barclay so: «Das Auto ist schwieriger zu beherrschen. Der Fahrer ist noch mehr gefordert. Ja, dadurch kann es mehr Action geben. Außerdem haben wir wieder unverkleidete Räder, also einen richtigen Single Seater. Die Reifenabnützung sollte kein Thema sein. Die Reifen halten im Long run sehr gut.» Und dass die Gen3 für manche (enge) Strecken gefährlich wird? «Die FIA und die FE-Organisation befassen sich mit notwendigen Änderungen an einzelnen Strecken.»

Seit 1. Oktober gibt es erstmals ein Budget Cap. Der Teamchef erklärt: «13 Millionen Euro pro Team und Saison Dazu kommen für jeden Hersteller 25 Millionen für einen Zyklus von zwei Jahren für Entwicklungen. Wir müssen also jeden Euro umdrehen, bevor wir ihn ausgeben.»

Und zum Kunden sagt er: «Envision Racing ist ein unglaublich starkes, respektiertes und siegfähiges Team. Wir sahen letztes Jahr den Vorteil, wenn ein Hersteller mit einem Kundenteam Daten abgleichen konnte. Das war jetzt für uns die richtige Zeit, mit einem Partner zu arbeiten, der zwei starke und erfahrene Piloten hat (Sébastien Buemi und Nick Cassidy, Anm.).»

Jaguars Technischer Direktor Phil Charles (der in der Formel 1 aus seiner Zeit bei Renault und Toro Rosso wohl bekannt ist) sieht den Schritt zu Gen3 als «riesig. Allein durch die Leistung von 100 kW mehr auf der Hinterachse. Dazu die gewaltige Rekuperation auf der Vorderachse. Das lässt neue Möglichkeiten zu, in welchen Feld der Antrieb arbeitet. Mit dem neuen Antrieb wurde eine neue Hinterachse nötig, dazu kommt der neue Reifenpartner – also genug Arbeit in der Vorbereitung. Einen oder zwei Teile neu zu bringen erfordert auch Anpassung, aber ein komplett neues Auto ist eine echte Herausforderung für alle Techniker.»

Und er sagt weiters: «Bisher mussten wir nur die Einstellung für längsseitig und querseitige Fliehkräfte auf der Hinterachse bestimmen, jetzt aber für beide Achsen. Aber wir lieben diese Challenge! Und die Fahrer können die Bremsbalance während des Rennens korrigieren.»

Auch Charles sieht die Zusammenarbeit mit Envision als «Kunden» positiv: «Dass es jetzt einen ständigen Austausch gibt, ist für alle von Vorteil. Und es war für uns bei Jaguar wichtig, bei der Umstellung auf neue Technik Kontinuität im Team bei Fahrern und Ingenieuren zu haben. Die Arbeit mit Mitch (Evans) und Sam (Bird) läuft fantastisch.»

Sowohl der Teamchef als auch der Technikboss sehen den Bezug zur Serie und die Möglichkeit der Vorreiterrolle durch das neue Reglement bestätigt: «Wenn wir beweisen können, wie gut das neue Bremssystem funktioniert, ist eine Verwendung in Serienautos möglich. Damit können wir wieder die Limits verschieben. Tatsächlich wurden Scheibenbremsen im Rennsport erstmals von Jaguar 1954 in Le Mans eingesetzt und wurden dann Standard in der Automobilbranche. Jetzt sind wir wieder einer der Ersten mit neuer Technologie, die massentauglich werden kann.»

Und dann wird alle E-Auto-Fahrer, die vielleicht an einer Ladestation einschlafen, interessieren, dass es wohl schnell, sehr schnell gehen könnte. Denn die FE will Boxenstopps mit Schnellladung von 600 kW im Rennen einführen. «Wann, ist noch offen», sagt Barclay, «aber es ist geplant, in der zweiten Hälfte dieser Saison zu beginnen. Das wird dann richtig interessant. Und es kommt nur, wenn es wirklich funktioniert.»

Man darf gespannt sein.


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