Jann Mardenborough: Vom Sofa zum GP3-Sieg

Von Jasmin Müller
GP3
Erster GP3-Sieg: Jann Mardenborough

Erster GP3-Sieg: Jann Mardenborough

Das einzigartige Talentprogramm von Nissan, die GT Academy, hat im Jahr 2011 ein wahres Goldstück ans Licht gebracht: Jann Mardenborough entschied den Wettbewerb für sich und beeindruckt mit seinem Speed in der GP3.

Zu Beginn des Jahres war Jann Mardenborough noch Student und befand sich gerade in dem Jahr zwischen Schule und Universität. Er wusste noch nicht so richtig, was er mit seinem Leben anfangen sollte, als er von der GT Academy hörte. Mardenborough war sich seiner Fähigkeiten an der PS3 bewusst. Die grosse Frage war: Würde sein Können in der virtuellen Welt auch auf eine echte Rennstrecke übertragbar sein?

Seit er die dritte Saison der GT Academy im Juni 2011 gewann, hat Mardenborough gezeigt, dass er nicht nur auf ganzer Linie ein professioneller Rennfahrer ist, sondern auch eines der aufregendsten jungen Rennfahrertalente der vergangenen Jahre. Der heute 22-Jährige fährt in diesem Jahr für Arden International Motorsport in der GP3-Serie. Er hatte vor gut zwei Wochen bei seinem Heim-GP in Silverstone eine schwere Zeit. Nachdem er in beiden Rennen mit Reifenproblemen zu kämpfen hatte, musste er für Hockenheim etwas umstellen.

«In Silverstone habe ich gelernt, wie wichtig es ist, mit den Reifen richtig umzugehen», sagte Mardenborough. «Seit dem Rennen hat das Team sehr hart mit mir gearbeitet, nicht nur im Workshop, sondern auch im Red Bull-Simulator. Im ersten Rennen in Hockenheim startete ich von Platz 13 und passte gut auf meine Reifen auf, während einige meiner Konkurrenten vor mir mit erheblichen Reifenproblemen zu kämpfen hatten. Am Samstag spielte ganz klar die grosse Hitze eine Rolle, und ich war sehr froh, dass mir das Team die Wichtigkeit der Reifensituation immer und immer wieder erklärt hatte, damit ich dann noch auf einem guten achten Platz ins Ziel kam.»

Ein achter Platz im ersten Rennen bedeutete für den Sonntag Pole-Position für das zweite Rennen. Mardenborough ist bekannt dafür, dass er gerade unter Druck einen klaren Kopf behält, und das hatte er am Sonntag unter Beweis gestellt. Er kontrollierte das Rennen mühelos von Anfang an und gewann sein erstes GP3-Rennen.


«Man hatte schon in dem GP2-Rennen gesehen und anhand der hohen Temperaturen über 35°, dass beide Rennen in Hockenheim extrem reifenbelastend sein werden», sagte Julian Rouse, Sportchef bei Arden International. «Unser Fokus lag darauf, so gut wie möglich mit unseren Reifen umzugehen. Jann und das Team hatten eine gute Strategie, um ihn in die Top-8 vorzudringen, damit er eine gute Ausgangsposition für das Rennen am Sonntag hatte. Im zweiten Rennen machte Jann kurzen Prozess und triumphierte ausgezeichnet. Unser Ziel war es eigentlich, dass er sich an die neue Situation gewöhnt, von der Pole zu starten und einfach das Beste daraus macht. Jann ist schliesslich noch in seinem Rookie-Jahr und er muss nach wie vor noch viel lernen. Aber dass er dann so das Rennen nach Hause fährt, zeigt einfach seine Klasse!»


Wir nutzten die Chance und sprachen mit Jann am vergangenen Wochenende in Hockenheim über sein neues Leben als Rennfahrer und seine Erlebnisse, seitdem er die GT Academy gewonnen hat. Man merkt ziemlich schnell, dass man keinem virtuellen Gamer gegenübersitzt, sondern einem wahren Rennfahrer, der weiss was er kann – und will.

Jann Mardenborough, noch vor einigen Jahren hast du an der Play Station gezockt, nun bist du ein echter Rennfahrer und fährst gegen starke jungen Talente in der GP3. Fühlt es sich nach wie vor an wie in einem Traum?


Es ist nach wie vor ein komisches Gefühl. Seit ich denken kann verfolge ich die Formel 1 und habe immer gehofft, mal nahe an die Boxengasse zu kommen. Jetzt fahre ich in der GP3 und bin der Formel 1 so nah und fahre zu den gleichen Rennstrecken wie die Königsklasse. Ich muss mich immer noch ab und zu zwicken um zu begreifen, dass ich nicht träume.

2011 hast du die GT Academy gewonnen, keine zwei Jahre später warst du auf dem Podium beim 24-Rennen in Le Mans, du hattest die Chance in diesem Jahr das Rennen zu gewinnen, nun hast du am Sonntag dein erstes GP3-Rennen gewonnen – welches Ereignis bedeutet dir bis heute am meisten?

Beide Male in Le Mans 2013 und 2014, das sind definitiv die besten Momente meiner noch jungen Karriere. In Le Mans zu fahren ist einfach gigantisch. Wir waren in beiden Jahren sehr konkurrenzfähig und es hat mir sehr viel Spass gemacht. Das Gleiche gilt eigentlich auch für die GP3. Hier habe ich die Möglichkeit bekommen, eng mit Arden an der Entwicklung des Autos zu arbeiten, und das war ganz klar auch ein Highlight für mich.



Du bist viel Kart gefahren, als du noch jung warst, warum hast du damit aufgehört?


Mit acht Jahren habe ich mit Indoor Karting angefangen und mir machte es auch sehr viel Spass, doch als ich dann elf Jahre alt war, wurde die Kartbahn geschlossen und in der Nähe gab es keine andere Möglichkeit, also hörte ich mit dem Kartfahren auf. Ich habe erst wieder damit begonnen, als ich die GT Academy gewann.



Als du mit dem Kartsport aufhören musstest, wurden dann auch deine Träume einer Rennfahrerkarriere begraben?


Ja in einer gewissen Weise schon. Ich habe früh begriffen, dass wenn du nicht das nötige Kleingeld hast, du keine Chance findest im Motorsport Fuss zu fassen. Da hätte ich schon im Lotto gewinnen müssen. Aber anstatt von dem Leben als Rennfahrer zu träumen, konzentrierte ich mich lieber auf meine Schule und mein Studium.



Wie bist du zur Play Station gekommen?


Am Anfang war es einfach nur Spass für mich und ein Hobby. Ich fand aber bald diesen europäischen Wettkampf sehr spannend, denn man ist online gegen die besten virtuellen Fahrer aus so vielen Ländern gefahren. Also fing ich an, das Ganze etwas ernster zu nehmen, machte bei der GT Academy mit und fand mich auf einmal im grossen Finale wieder. Ich habe so hart dafür gearbeitet, ich konnte mir einfach diese grossartige Chance von Nissan nicht entgehen lassen.



Was kann man von der Play Station lernen, das man auch auf die echte Rennstrecke übertragen kann?


Man lernt vor allem die Rennstrecken und die Streckenführungen, ich nutze das Gaming sowie den Simulator als Lernmittel für neue Strecken.



Spielst du in deiner Freizeit noch oft Play Station?


Ich habe sehr viel vor Le Mans gespielt, um mich mit der Strecke genauestens vertraut zu machen. Aber ich spiele auch so noch ab und zu zuhause, weil es mir einfach so viel Spass macht.



Du bist in diesem Jahr Juror für das Europäische Race Camp der GT Academy, was muss man mitbringen, um den Wettbewerb zu gewinnen?


Du musst einfach extrem engagiert sein und dein eigener schlimmster Kritiker sein, das hilft dir auf dem Weg der Selbstverbesserung. Man muss auch entschlossen sein, und jede Challenge mit dem Gedanken angehen, dass man gewinnen will. Man muss lernen zu verstehen, wo man sich verbessern kann und muss, um immer sein absolut Bestes geben zu können.

Als du damals die GT Academy gewonnen hast und dann nach und nach nur noch in richtigen Rennautos gefahren bist, was war für dich das Überraschendste?


Die Geschwindigkeit war definitiv überraschend. Wenn du als 19-jähriger in einem Nissan GT-R mit über 150 mph in Silverstone fährst, das ist einfach gewaltig, da fehlen dir die Worte. Es gibt dir so einen Adrenalinstoss, dass du immer mehr davon haben möchtest. Die reine Geschwindigkeit war nicht nur das Überraschendste, sondern auch die grösste Sucht, die ich je erfahren habe.

Hast du jemals eigentlich an die Gefahren gedacht oder spielen die bei dir im Kopf gar keine Rolle?


Wenn du so jung bist, machst du dir anfangs über die Gefahren und Konsequenzen keine grossen Gedanken. Du verarbeitest so viele andere Eindrücke, dass du das andere eigentlich verdrängst. Aber wir wissen alle, dass Motorsport gefährlich ist und man geht mit einem gehörigen Respekt an die Sache ran. Es ist wichtig, das zu verstehen, aber ich mache mir jetzt nicht täglich Gedanken, dass mein Job Risiken mit sich bringt.



Der Motorsport-Zirkus hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert, glaubst du, dass das Thema Gaming ein neuer Bereich im Motorsport sein könnte?


Ja, auf jeden Fall! Immer mehr Teams vertrauen auf Simulatoren um das Auto zu testen, weil meistens richtige Testfahrten entweder verboten sind oder wenn sie stattfinden, jede Menge Geld kosten. Die Lücke zwischen einem Simulator und richtigem Rennfahren ist extrem klein geworden und ich glaube, dass Simulatoren in der Zukunft ein wichtiger Bestandteil eines jeden Rennteams sein werden.

Lass uns über die Fitness sprechen. Wie stark ist hier die Anforderung?


Es ist wirklich ein ganz grosser Aspekt. Es ist ja nicht so, dass wir einfach im Wohnzimmer sitzen und mit unserem Lenkrad an der Play Station sitzen. Gerade im GP3-Auto spielt die Fitness einen enorm grossen Teil, weil man sehr hohen g-Kräften ausgesetzt ist. Mit unserem GT Academy-Programm stehen uns allerdings grossartige Trainer und Mentoren zur Seite, die uns für jedes Rennen bestens vorbereiten und das zahlt sich auf jeden Fall aus.



Du hast nun dein erstes GP3 Rennen gewonnen, ganz cool und gelassen vom Start bis ins Ziel. Wie bist du so ruhig geblieben?


Wir waren schon im ersten Rennen am Samstag sehr konkurrenzfähig und natürlich haben wir eine Menge von Silverstone gelernt, wo wir uns nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatten. Es war toll, in Hockenheim wieder konkurrenzfähig zu sein. Für das zweite Rennen setzte mich das Team auch nicht unter Druck, es ging schliesslich darum erstmal mit dieser neuen Situation umzugehen und einfach das Beste daraus zu machen. Ich hatte einen guten Start und war fähig den Speed zu kontrollieren wie ich wollte. Wenn ich pushen wollte, habe ich das getan, wenn ich es etwas ruhiger angehen lassen wollte, hatte ich dazu auch die Möglichkeit. Ich trinke nur Champagner wenn ich ein Rennen gewinne, nicht mal wenn ich auf dem Podium stehe. Seit Februar habe ich keinen Champagner mehr getrunken und dafür schmeckte er am Sonntag umso besser. Ich nenne es meinen Winners-Juice!



Was sind Deine Erwartungen für die restliche GP3-Saison?


Ich möchte so viele Punkte wie möglich einfahren und mich natürlich weiterhin verbessern. Das ein oder andere Podium wäre schön und natürlich noch ein Sieg wäre ganz klasse.



Wenn man das LMP2-Fahrzeug mit dem GP3-Auto vergleicht, was sind die grössten Unterschiede?


Das LMP2-Auto hat viel mehr Abtrieb und ist auch insgesamt stabiler, es hat auch viel bessere Bremsen. Aber den eigentlichen Rennstil kann man nicht miteinander vergleichen. In Le Mans, zum Beispiel, achtete man auf den Spritverbrauch und auf die Reifen; man will auf keinen Fall einen Reifenblocker oder einen Plattfuss. In einem GP3-Rennen gibst du 18 Runden Vollgas, du fährst absolut am Limit bis zur schwarz-weiss-karierten Flagge. Ich mag beide Rennserien und könnte keinen favorisieren. Ich mag die unterschiedlichen Herausforderungen.


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