Eddy Schulz (MC Schwedt) wird 75 Jahre

Von Thoralf Abgarjan
Motocross
Der MC Schwedt hat sich mit ihm zur Hochburg des deutschen Motocrosssports entwickelt. Einer seiner Gründerväter feiert seinen 75. Geburtstag: Eddy Schulz, Wanderer zwischen den Welten mit einer Passion für Motocross.

Er ist ein deutsches Motocross-Urgestein, Wanderer zwischen den Welten und Prototyp eines Motorsport-Enthusiasten: Eddy Schulz. In der Szene ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Er ist im positiven Sinne des Wortes ein bunter Vogel.

Eddy Schulz wurde am 15. September 1945 in Dortmund geboren, begann 1950 auf dem Motorrad zu fahren und fuhr bereits im Alter von 10 Jahren sein erstes Rennen. 1964 verschlug es Eddy aus dem Ruhrgebiet in den Osten Deutschlands, zunächst nach Dessau und dann an die Oderstadt Schwedt.

Schwedt war zu jener Zeit die Nabelschnur Ostdeutschlands, denn hier kam die Erdölpipeline Družba (Freundschaft) aus der Sowjetunion an, welche den gesamten Osten mit Energie versorgte. Hier gründete Eddy Schulz im Alter von 20 Jahren den MC Schwedt, der sich bis heute als Ausrichter von WM- und EM-Läufen sowie zahlreichen internationalen Rennen einen Namen gemacht hat. Eddy konnte das Tiefbaukombinat Schwedt als Hauptunterstützer seines Projekts gewinnen und schon 1966 konnte auf der ersten Strecke in den legendären Müllerbergen von Schwedt das erste Motocrossrennen gestartet werden.

Ende der 1960er Jahre florierte der Motocrosssport in der DDR und brachte mit Paul Friedrichs den ersten und bis heute mit 3 WM-Titeln erfolgreichsten deutschen Motocrossfahrer hervor. Mittendrin im Geschehen: Eddy Schulz. Platz 4 in einem solchen Fahrerfeld ist eine mehr als respektable Leistung, auch wenn Eddy der große Durchbruch auf der Strecke versagt blieb. Schulz war Netzwerker und Lobbyist des Motorsports. Er ließ sich von dem beengten System der DDR-Diktatur nicht vereinnahmen, nutzte zugleich aber jede Lücke, um seinen geliebten Sport voranzutreiben.

In Schwedt organisierte er bald schon internationale Rennen. Doch 1986 wurde es ihm in der DDR dann doch zu eng und er flüchtete während eines Reiseaufenthalts zurück in den Westen. Dort baute er den Bel Ray-Rennservice auf und traf auf den Rennstrecken der Tschechoslowakei bei WM-Läufen in Holice und Dalečín seine Sportfreunde aus der DDR wieder, denen er Technik und Ersatzteile beschaffen konnte. In dieser Zeit arbeitete in der Fahrbereitschaft für die 'Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapier e.V.' mit Sitz in Düsseldorf unter anderem für den früheren FDP-Vorsitzenden Otto Graf Lambsdorff, der seine fahrerischen Fähigkeiten besonders hoch schätzte. «Das war manchmal ganz schön anstrengend», erinnert sich der 75-Jährige. «Ich war am Wochenende oft schon ein paar hundert Kilometer zu einem Rennen gefahren und am Sonntagabend ging es dann manchmal gleich weiter von Düsseldorf nach München. Spät am Abend musste ich dann noch zurückfahren. Das ging schon an die Kräfte.»

Als 1989 die politische Wende kam und die DDR zerbrach, zog es Eddy zurück nach Schwedt. Er brachte seine Kontakte aus dem Westen gleich mit und baute seinen Bel Ray-Renndienst nun auch auf den ostdeutschen Strecken auf. So verschaffte er den Organisatoren auch wichtige Kontakte zu Sponsoren, die bis heute Bestand haben.

In Schwedt nahm Eddy die Neustrukturierung des Motorsportclubs selbst in die Hand. 1994 wurde die neue Strecke eröffnet und 1998 fand der erste EM-Lauf statt. 2004 organisierte der MC Schwedt den Lauf zu IDM, dem Vorläufer der heutigen MX Masters. 2009 ging für Eddy Schulz mit der Ausrichtung des WM-Laufs der MX3-Klasse ein Lebenstraum in Erfüllung. Die Veranstaltung wurde ein Erfolg, so dass 2010 gleich der nächste WM-Lauf folgte. Später sollten in den Müllerbergen noch weitere Rennen der Seitenwagen-WM und des Motocross der europäischen Nationen (MXoEN) stattfinden.

«Aber die größte Freude ist für mich immer noch Kenny», sagt der unermüdliche Enthusiast, der auch mit 75 noch voller Enthusiasmus sprüht und Pläne für die Zukunft schmiedet. «Sage ihm, dass wir heute mit ihm feiern», gibt er mir noch mit auf den Weg.

Ein Glückwunsch zum 75. kann nur lauten: Mach einfach weiter so. Leute wie Eddy Schulz sind es, die diesen Sport zu dem machen, was er ist: Ein Lebenselixier.

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