MotoGP

Dovizioso & Petrucci (Ducati): Wahrnehmung & Realität

Von Manuel Pecino - 02.05.2019 13:51

Die Statistik zeigt, dass Ducati noch keinen besseren Moment erlebt hat. Andrea Dovizioso führte sein Pragmatismus an die Spitze des MotoGP-Klassements. Danilo Petrucci ist hingegen unter Druck.

Ist es zu euphorisch zu behaupten, dass Ducati den besten Moment in ihrer langen Renngeschichte erlebt? Sie werden dies wahrscheinlich bejahen, es gab strahlendere Momente in Borgo Panigale – als Stoner die MotoGP- und Bayliss die Superbike-WM dominierte. Aber die Statistiken, die Wissenschaft, die Dinge anhand von Zahlen erklärt, sagen Nein: Nie zuvor gab es einen Moment wie diesen.

Dass die Motorräder aus Bologna die zwei wichtigsten Weltmeisterschaften, MotoGP und Superbike-WM, zeitgleich anführten, kam in der Vergangenheit vier Mal vor: Erstmals im April 2006, als Loris Capirossi fünf Punkte vor Nicky Hayden lag und Troy Bayliss in der Superbike-WM 22 Zähler Guthaben auf einen anderen Troy hatte, Troy Corser. Dann 2008, mit den Australiern Stoner und Bayliss. Im Mai 2009 war Stoner nach dem Sieg in Mugello der WM-Leader, in der Superbike-WM gelang Haga mit dem Erfolg in Amerika dasselbe. Im Vorjahr führten Dovizioso und Melandri die Weltmeisterschaften zeitgleich an, als Ducati auch in der Konstrukteurswertung auf Platz 1 lag.

Vor Jerez führt der Hersteller aus Borgo Panigale wieder beide Weltmeisterschaften an, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise: Während Álvarao Bautista in der Superbike-WM in jedem Rennen gewann, übernahm in der MotoGP-Wertung Andrea Dovizioso nach dem Sturz von Marc Márquez in Texas die Spitze.

Andrea Dovizioso

Es ist kurios, dass sich die Situation mehr oder weniger wiederholt: 2018 kam Andrea ebenfalls als WM-Leader zum Spanien-GP, nach der «wilden» Performance von Márquez in Argentinien. Diesmal kam der Fehler ein Rennen später, aber Dovizioso profitierte auf die gleiche Art und Weise davon.

«Dovi» ist (meiner Meinung nach) ein intelligenter Fahrer, ein großartiger Stratege, aber keiner, der kalkuliert – und einer, dem ein Funken an Charisma fehlt. Den letzten Punkt werden wir nicht vertiefen, weil es nicht angebracht ist, wir konzentrieren uns vielmehr auf das «Kalkulieren»: Ein berechnender Fahrer geht die letzten Runden nicht so an, wie es Andrea in den letzten Jahren gegen einen der explosivsten MotoGP-Piloten, Marc Márquez, getan hat.

Dovizioso ist wahnsinnig pragmatisch, was aus unserer Sicht seine Vor- und Nachteile hat. Aber dieser Pragmatismus hat ihn an die Spitze des Zwischenklassements geführt. Richtig aufregend war er nur in Katar, auf einer Strecke, die Andrea die Bestätigung gab, dass sein Motorrad dort ein Vorteil sein würde. Er dachte wohl so etwas ähnliches: «Das ist eine gute Strecke für Ducati, also werde ich alles geben.»

Die andere Seite der Medaille zeigt sich, wenn Dovizioso an eine Strecke kommt, auf der Ducati sich nicht besonders wohl fühlt. In diesem Fall wird dieselbe Logik herangezogen, sie wird allerdings umgedreht: «Das ist eine komplizierte Strecke für uns, also werde ich das Beste geben, das geht.» Ich bin nicht in Dovis Kopf, aber nachdem ich seine Rennen lange beobachtet und analysiert habe, glaube ich, dass sich in dieser Situation das Rennen so entwickelt, wie er es in seinem Kopf hat, und nicht stark vom bereits feststehenden Skript abweicht. Gut oder schlecht, das ist seine Art des Rennfahrens.

Es ist aber klar – trotz der wenig aufregenden Rennen in Argentinien und Texas – dass sein Start in die Weltmeisterschaf im Gegensatz zum Vorjahr besser war: 2018 war er Erster, Sechster und Elfter; 2019 Erster, Dritter und Vierter. Das ist ein deutlich besserer Anfang.

Und was wird in Jerez passieren? Es ist besser, nicht auf die Vergangenheit zu schauen, weil die andalusische Strecke für Dovizioso bei weitem die schlechteste im Kalender ist. In keiner Klasse gelang es ihm, in Jerez schnell zu sein. Und es geht nicht darum, auf welchem Bike er sitzt, weil er in der MotoGP-WM nie nahe an den Top-Plätzen dran war, weder mit Yamaha noch mit Honda oder Ducati. Wenn Andrea seinen üblichen Pragmatismus in Spanien anwendet... Wir kennen das Ergebnis.

Danilo Petrucci

Der Neuzugang im Werksteam, Danilo Petrucci, zeigte nicht den Start in die Weltmeisterschaft, den die Ducati-Spitze angekündigt hatte. «Danilo wird viele Leute überraschen», hieß es vor dem Beginn der Saison immer wieder.

Dreimal Platz 6 ist kein katastrophaler Start, aber wenn man sich vor Augen hält, dass sich Lorenzo auf Honda praktisch noch nicht gezeigt hat und Yamaha-Werksfahrer Maverick Viñales sich selbst zerstört, glaube ich nicht, dass man damit zufrieden sein kann.

Dazu kommt ein unangenehmer Faktor für Petrucci: Jack Miller, bei Pramac Ducati auf der dritten Desmosedici GP19 unterwegs, landete nicht nur in den Rennen von Argentinien und Texas vor ihm (in Katar musste er das Rennen aufgeben), er hat Petrucci auch in den Qualifyings «geschlagen».

Bei Danilo stehen die Startplätze 7, 10 und 8 zu Buche, Miller war Vierter, Fünfter und Vierter... «Petrux» muss dringend zulegen.

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