Jonas Folger: «Ein Rennen ist besser als keins»

Von Esther Babel
MotoGP
Anfang des Jahres rückte Folger auf seiner Test-R1 in Spanien aus, nun weilt der Bayer zuhause

Anfang des Jahres rückte Folger auf seiner Test-R1 in Spanien aus, nun weilt der Bayer zuhause

Der Start des ehemaligen MotoGP-Piloten bei der IDM Superbike verzögert sich aufgrund der Corona-bedingten Absagen. Folger fühlt sich zum Gärtner berufen und legt sich die Playstation 4 plus MotoGP-Spiel zu.

Was macht ein Moderator, wenn es nichts zu moderieren gibt? Er macht’s trotzdem, eben über Umwege. Edgar Mielke sitzt nicht nur bei den Tourenwagen, der MotoGP und beim Fussball am Mikro. Wenn es die Zeit erlaubt, mischt der Bremer gemeinsam mit Radio Viktoria auch bei der IDM mit. Rennen gibt es aufgrund der Absagen von Veranstaltungen, bedingt durch die Corona-Krise, wenn überhaupt erst im Sommer.

Doch Mielke suchte sich vor Ostern mit Jonas Folger und Alex Polita zwei IDM-Superbike-Piloten, die technisch nicht nur in Sachen Motorrad sondern auch bei elektronischen Geräten versiert sind, zog sein Interview in Zeiten von Pandemie, Kontaktsperre und Social Distancing per Bildschirm durch und veröffentlichte dies über seine Facebook-Seite und die IDM-Kanäle.

Für den ehemaligen MotoGP-Piloten Jonas Folger war es das erste Live-Interview, nachdem er sich entschlossen hatte, mit dem Yamaha-Team um Michael Galinski in die IDM Superbike 2020 einzusteigen. «Den Umständen entsprechend», lautet Folgers Antwort auf die Frage, wie es denn so geht.

Der Bayer ist mit Freundin und Tochter daheim. «Wir sitzen ja alle im selben Boot und ich hoffe, dass wir da auch alle gut durchkommen. Uns geht’s gut, wir haben zum Glück einen Garten. Von dem her sind wir nicht ganz so eingesperrt und ich habe mir einige Dinge vorgenommen, die ich sonst nicht gemacht hätte. Aber mir geht’s gut.»

Gartenarbeit ist derzeit das Motto des Bayern. Seit zwei Wochen dreht sich alles um die Bepflanzung. «Ich fühl mich schon wie ein Gärtner», meint er. «Dann habe ich noch eine Piaggio Ape 50, die bringe ich auf Vordermann. Aber klar, ich würde schon lieber Rennen fahren.

Zurück in der IDM

Noch im Jahr 2008 war Folger, heute 26, der jüngste Teilnehmer in der nationalen Serie. Schon ein Jahr vorher hatte er sich als jüngster Sieger in die ewige Bestenliste der IDM eingetragen. «Ich freu mich sehr auf die IDM», versichert er. «An das Rennen damals auf dem Salzburgring kann ich mich noch erinnern, ich glaub, das war mit Georg Fröhlich. Es ist auch heute wieder eine Herausforderung. Wir haben ein gutes Team mit gutem Material mit der R1. Ich freu mich auf die Rennstrecken, die für mich teilweise neu sind. Ich bin gespannt auf die neuen Aufgaben.»

Seinen Chef Michael Galinski hat Folger bereits kennengelernt. Aber der Rest der Truppe ist noch unbekanntes Terrain. Auch seine Yamaha R1 hat er live noch nicht zu Gesicht bekommen. «Per Handy habe ich zum Team Kontakt», so Folger. Beim Test in Spanien war das allgemeine Kennenlernen geplant gewesen, doch das fiel Corona-bedingt flach.

Die IDM-Kollegen erwarten viel von Jonas Folger, dessen MotoGP-Zweikampf gegen Marc Márquez am Sachsenring und sein Podestplatz noch lebhaft in Erinnerung sind. «Wie kam es zu dem Entschluss», fragt Mielke, «es nach deiner Zwangspause in der IDM nochmal zu versuchen?»

«Es ist natürlich ein Neuanfang», so Folger. «Wie hoch das Level der IDM ist, kann ich derzeit nicht beurteilen, das wird sich dann beim ersten Rennen rausstellen. Auch wo ich stehe, nach dem Testjahr mit Yamaha. Die Strecken kenne ich teilweise nicht und die Jungs dort können auch Motorradfahren. Mein Ziel ist natürlich, dass ich gewinne. Das ist auch das Ziel des Teams.»

Ein weiterer Fokus lag und liegt auf den geplanten Wildcard-Einsätzen in der Superbike-Weltmeisterschaft, aber auch da ist die Lage durch die Corona-bedingten Absagen und Verschiebungen schwierig. Keiner kann sagen, wie es konkret weitergeht.

«Die IDM zu gewinnen steht klar im Fokus», so Folger. «Die Wildcard-Einsätze sind für mich persönlich, um zu zeigen, was ich noch drauf habe in einer Weltmeisterschaft. Wo liegt mein Level?»

Auch über seine längerfristige Zukunft macht sich Folger so seine Gedanken. Doch momentan liegt seine Konzentration noch voll beim Motorrad. Ein Job als Moderator wie Eddie Mielke? Eine Vorstellung, die bei Folger jetzt nicht die helle Begeisterung hervorruft. «Das ist ja eher nicht meine Stärke», meint der 26-jährige Yamaha-Pilot. «Vielleicht später, wenn ich mal älter bin. Ich wäre vielleicht kein so ein schlechter Experte.»

Um seine Existenz muss der Familienvater derzeit nicht bangen. «Ich bin angestellt und habe dadurch meine monatlichen Einkünfte», erklärt er auf eine Fan-Frage nach dem Auskommen. «Da bin ich abgesichert. Es ist nicht einfach, aber besser als nichts. Selbstständige und Freiberufliche schreiben derzeit Nuller, das ist extrem hart. Jeder muss ja seine Miete zahlen.»

Das virtuelle MotoGP-Rennen mit Rossi und Co hatte sich Folger teilweise im Netz angeschaut. «Ich hatte bis vor ein paar Tagen noch die Playstation 3», verrät er. «Das ist nicht der neueste Stand. Die Jungs sind ja alle mit Playstation 4 unterwegs, die habe ich mir jetzt auch geholt. Jetzt fehlt noch das MotoGP-Spiel. Ich werde fleissig trainieren, vielleicht kann ich mal mitfahren.» Ansonsten findet man Folger oft im Keller, da steht sein Rad auf der Rolle.

Folger rechnet erst im Sommer mit seinem ersten IDM-Renneinsatz. «Aber ich weiß es nicht», gibt er zu. «Man redet ja jetzt schon von der kompletten Absage der MotoGP. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr bei der IDM noch zum Fahren kommen. Und wenn es nur ein Rennen ist, denn eins ist immer noch besser als keins.»

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