MotoGP-Start: Planung läuft, aber viele Hindernisse

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Mugello-GP: Solche Bilder werden wir in absehbarer Zeit nicht mehr sehen

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Inzwischen liegen klare Zahlen vor, mit welchem Personalaufwand die GP-Teams bei einem Neustart im Herbst aufkreuzen dürfen. Aber welche Grenzen werden bis dahin geöffnet?

Es existieren zwar viele Hinweise darauf, dass sich der Neustart der MotoGP-WM 2020 vielleicht nicht mehr bewerkstelligen lässt, weil die Grenzen zu lange geschlossen bleiben, weil bei jedem Grenzübertritt sogar in Europa bis auf weiteres 14 Tage Quarantäne oder die Vorlage einer maximal vier Tage alten Gesundheitsbestätigung vorgelegt werden muss, weil weiterhin Versammlungsverbote, Anstandsregeln, Gesichtsmaskenpflicht und viele andere Maßnahmen gelten.

In Spanien (bisher 20.000 Tote) wurde verlautbart, dass der Tourismus voraussichtlich erst wieder am Jahresende erlaubt werden wird. In Österreich hat Europa-Ministerin Karoline Edtstadler gestern verlautbart, man werde im Sommer eventuell die Grenzen für den Tourismus öffnen – aber nur für Deutschland.

Trotzdem wappnet sich MotoGP- und Superbike-WM-Promoter Dorna für die Zukunft und für den Fall, dass im Herbst einzelne Grands Prix in Europa stattfinden können. Von Übersee-Events redet momentan fast niemand mehr. Denn Amerika ist zu stark betroffen, die Reise nach Argentinien allein ist zu teuer. Ähnliches gilt für die Tournee nach Australien und Asien (Buri Ram, Motegi, Sepang).

Eher ist denkbar, dass die WM an zwei, drei Schauplätzen mit jeweils zwei bis drei Grands Prix abgewickelt wird. Vorher müssten alle Teams in Quarantäne oder einen Gesundheitscheck erledigen. Die Formel 1 denkt an Austragungsorte wie Spielberg und Silverstone. Aber England zählt zu den Corona-Hotspots in Europa – gestern wieder 888 Todesopfer.

Seit einigen Wochen bemühen sich die Dorna und die Teamvereinigung IRTA, die Anzahl der Fahrerlagerbesucher für den Fall eines Re-Starts im Herbst auf ein Minimum zu reduzieren.

«Normal haben wir im Schnitt 2000 Personen im Paddock. Jetzt versuchen wir die Anzahl auf 1000 zu drücken, ohne Gäste, ohne Personal für Marketing und Kommunikation und ohne Medien», erklärte Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta letzte Woche im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com.

Intact-GP-Moto2-Teamchef Jürgen Lingg meinte damals: «Notfalls kommen wir mit drei Technikern pro Fahrer aus.»

Red Bull-KTM-MotoGP-Teamprinzipal Pit Beirer meinte: «Wenn wir in dieser Notsituation nur vier Techniker pro Fahrer zu den Rennen bringen dürfen, werden wir diese Anordnung befolgen. Hauptsache, wir können 2020 noch einige Rennen durchführen.»

Inzwischen haben Dorna und IRTA festgelegt: In den Klassen Moto3 und Moto2 dürfen bei einem Neustart 2020 bis zu zwölf Personen ins Fahrerlager. In der MotoGP werden den Werksteams 40 Leute zugestanden, den Privatteams 25.

«KTM hatte bisher für MotoGP eine Hardcore-Gruppe von 35 Leuten im Paddock», rechnet Pit Beirer vor. In der Box sind normal für die zwei Fahrer Pol Espargaró und Brad Binder ca. 25 Techniker beschäftigt.

Bisher ist den Teams nicht mitgeteilt worden, ob bei der Mindestanzahl von 12, 25 und 40 Personen das Personal für die Hospitality mitgezählt wird. «Bisher wissen wir nicht, ob bei den zwölf erlaubten Teammitgliedern Personal für die Hospi dabei ist», sagt Husqvarna-Moto3-Teambesitzer Peter Öttl (Romano Fenati, Alonso Lopez).

Die Dorna hat den Teams auch erzählt, man habe 20.000 SARS-CoV2-Testkits bestellt.

Das Problem: Auf dem Weltmarkt bekommen nicht einmal die Regierungen genügend Testkits für ihre Verdachtsfälle, Krankenhäuser, Alters- und Pflegeheime, also wird sich auch ein Sportveranstalter kaum rasch genug eindecken können.

Außerdem liefern 70 Prozent der Tests falsche Ergebnisse. In Südkorea wurde deshalb jeder Verdachtsfall zweimal getestet. In Italien werden im Schnitt inzwischen drei Tests pro Person durchgeführt. Aber allein in Venetien warten die Gesundheitsbehörden auf bestellte 700.000 Testkits.

Und gleichzeitig mehren sich in Italien inzwischen die Kritiker, die die drakonischen Maßnahmen als unverhältnismäßig bezeichnen und eine raschere Rückkehr zur neuen Normalität fordern.

Denn bis Mitte April sind in ganz Italien 2019 fast 24.000 Menschen gestorben. Jetzt sind es bis 18. April 23.227 Personen, wobei auch Herzinfarkte und andere Todesursachen zu den Corona-Opfern gezählt werden, wenn sie positiv getestet waren. Die Zahlen sind also nicht wirklich vergleichbar. Der Mittelwert aus 1689 Gemeinden von 2015 bis 2019 ist aber zwischen 1.3. bis 4.4. 2019 gegenüber dem gleichen Zeitraum 2020 um 20 Prozent gestiegen.

Manche Corona-Cluster wurden vom Virus richtiggehend überrollt:  Lodi 261,5 % mehr Todesopfer gegenüber 2019; Bergamo plus 382,8 %; Brescia plus 203,8 %; Piacenza plus 309,1 %; Pesaro plus 218,5 %.

Aber das Dramatische an den Zahlen: 15.000 Tote wurden in diesem Jahr allein in der Lombardei gezählt.

Trotzdem sind manche Provinzen nur schwach betroffen, deshalb sehen die Bewohner dort nicht ein, warum die «rote Zone» auf ganz Italien ausgeweitet und die Wirtschaft überall bis 3. Mai stillgelegt wurde.

Anderseits ist verständlich, dass sich bisher kein Land gemeldet hat, das in absehbarer Zeit Italiener einreisen lassen will.

In Italien sind aber 16 der 42 GP-Teams und 24 GP-Piloten zuhause. Und ohne diese Rennställe und Fahrer ist keine Weltmeisterschaft denkbar.

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