Sandro Cortese: «Im Leben ergibt sich immer etwas»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Am 21. April durfte Sandro Cortese das Krankenhaus in Murnau verlassen, die kommenden Wochen arbeitet er von zuhause aus mit seinen Physiotherapeuten an der Gesundung. Danach entscheidet er über seine Karriere.

Am 15. April entfernte die Chefärztin der BG Unfallklinik Murnau Sandro Cortese sämtliche Platten und Schrauben, die seit seinem schlimmen Unfall bei der Superbike-WM in Portimao am 8. August 2020 die Wirbel stabilisiert hatten. Sechs Tage später durfte er das Krankenhaus verlassen und ist seit Mittwoch wieder daheim in Illerbachen bei Berkheim.

«Die ersten zwei Wochen muss ich etwas ruhig tun, dann werden die Fäden gezogen», schilderte Cortese. «Anschließend habe ich mobile Reha, in vier bis sechs Wochen bin ich wieder gut dabei.»

Erst wenn er die Genesungsphase hinter sich hat, wird sich Cortese mit seinem Manager Alberto Vergani zusammensetzen und besprechen, ob die Fortsetzung seiner Sportkarriere sinnvoll ist. Natürlich hat er sich die letzten Monate intensiv Gedanken darüber gemacht.

«Im Motorradsport passiert schnell etwas», ist dem Süddeutschen bewusst. «Ich habe für mich selbst entschieden, dass ich nur weiterfahre, wenn ich topfit, genesen und schmerzfrei bin und dazu ein super Motorrad habe. Sonst macht es keinen Sinn. Man muss nicht drum herumreden: Ich werde nur fahren, wenn ich Material habe, mit dem ich erfolgreich sein kann. Und natürlich muss ich gesund sein. Es nützt ja nichts, wenn ich für ein gutes Team fahren könnte, körperlich aber nicht in der Lage bin, konkurrenzfähig zu sein. Da spielen viele Faktoren rein.»

Nach achteinhalb Monaten Verletzungspause fragen sich potenziell interessierte Teams im SBK-Paddock natürlich, welche Spuren der Unfall bei Cortese hinterlassen hat. Wenn im Spätsommer oder Herbst für die Saison 2022 verhandelt wird, ist Sandro seit mindestens einem Jahr kein Rennen mehr gefahren.

«Jetzt ist für mich in erster Linie die Gesundheit wichtig», unterstrich der zweifache Weltmeister gegenüber SPEEDWEEK.com. «Was dann in Zukunft geschieht, passiert – oder eben nicht. Ich mache mir keinen Druck. Es ergibt sich im Leben immer etwas, wie zuletzt mit Yamaha. Das sind Geschichten, die ich über viele Jahre machen kann. Selbst wenn ich nicht fahren sollte, werde ich dem Rennsport treu bleiben.»

Seit dem 31. März ist der 31-Jährige Markenbotschafter von Yamaha und Riding-Coach für den R3-Cup. Außerdem ist aus dem Red Bull Media House zu hören, dass Sandro für den Privatsender ServusTV dieses Jahr als Experte für die Berichterstattung der Ende Mai beginnenden Superbike-WM vorgesehen ist.

Sandro Cortese ebnete sich über die IDM 125 in den Jahren 2003/2004 den Weg auf die internationale Bühne. 2005 debütierte der Schwabe mit dem Kiefer-Team in der 125er-WM; seine erste Saison beendete er mit überschaubaren 8 Punkten als 26. Im Caffe Latte-Team fuhr Cortese 2008 seine erste schnelle Rennrunde, 2009 im Ajo-Team folgte in Katar als Dritter das erste Podium. Fortan zählte der heute 31-Jährige zu den etablierten Piloten.

Den endgültigen Durchbruch schaffte Cortese 2012 im Red Bull KTM Ajo Team, als er mit fünf Siegen und 15 Podestplätzen Moto3-Weltmeister wurde. Der folgende Aufstieg in die Moto2-Klasse erwies sich schwierig, nach fünf Jahren mit nur drei Podestplätzen war der Deutsche als Bruchpilot verschrien.

In der Supersport-WM 2018 hat sich Cortese bereits in seiner Rookie-Saison rehabilitiert. Alle zwölf WM-Rennen beendete er in den Top-6, das Rennen in Portimão sogar nach einem Sturz. In Aragón holte der Berkheimer den ersten Sieg in dieser Kategorie, dazu gewann er in Donington Park.

Bis Katar erreichte er vier zweite und zwei dritte Plätze sowie drei Pole-Positions. In einem dramatischen Saisonfinale, das nach einem Wetterchaos auf zwölf Runden verkürzt wurde, setzte er sich gegen seinen Rivalen Jules Cluzel aus Frankreich durch und krönte sich zum Supersport-Weltmeister – 18 Jahre nach Jörg Teuchert, der zuvor als einziger Deutscher die 600er-WM gewinnen konnte.

Für die Saison 2019 unterschrieb Cortese bei GRT Yamaha für die Superbike-WM. Bereits beim Saisonstart auf Phillip Island bestätigte sich der Berkheimer als konstanter Top-10-Pilot. Platz 6 in Jerez (Lauf 2) sollte sein Saisonhighlight werden. Eine langwierige Schulterverletzung (unverschuldeter Sturz in Donington Park) begleitete Cortese bis zum Saisonende und verhinderte ein besseres Gesamtergebnis als WM-Rang 12. Aufmerksamkeit erregte der Schwabe in Aragon, Misano, Portimao und Losail, als er in der Superpole in die erste Startreihe fuhr.

Trotz einer ordentlichen Debüt-Saison in der Superbike-Klasse musste sich Cortese für 2020 ein neues Team suchen. Erst wenige Tage vor dem Saisonauftakt kam er bei Pedercini Kawasaki unter und fuhr in Australien sogleich in die Top-10.

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