Tod von Vinales: Scott Redding über das Grundproblem

Von Ivo Schützbach
Scott Redding war 2010 in den tödlichen Unfall von Shoya Tomizawa in Misano verwickelt. Der Engländer weiß genau, was es bedeutet, wenn man einem gestürzten Gegner nicht ausweichen kann.

Auf den Tod eines Rennfahrers folgen immer Diskussionen über Sicherheit. Diese sind richtig und wichtig, denn nur deshalb wurden die Standards die letzten Jahrzehnte deutlich erhöht und Tragödien wie der tödliche Unfall von Dean Vinales (15) am vergangenen Samstag in Jerez sind nicht mehr alltäglich.

Der überwiegende Teil der Rundstrecken in den verschiedenen Weltmeisterschaften verfügt heute über große Auslaufzonen und hohe Sicherheitsstandards. An der Sicherheit des Circuito de Jerez gibt es keine Zweifel. Der gestürzte Vinales wurde von einem nachfolgenden Gegner am Kopf und Oberkörper getroffen, so etwas lässt sich nicht durch vorhergehende Maßnahmen verhindern. Das war eine Verkettung unglücklichster Umstände.

«Das hatte nichts mit dem Mindestalter zu tun, ich begann mit dem Rennsport, als ich fünf war», hielt Ducati-Werksfahrer Scott Redding fest. «Mit vier Jahren habe ich begonnen Motorrad zu fahren. Vermutlich sollten Kinder das nicht tun, aber so entstanden einige der besten Fahrer der Welt. Der Sturz hatte weder etwas mit dem Alter noch der Sicherheit zu tun. Das Problem ist, dass die Todesfälle trotz gestiegener Sicherheit wieder mehr werden. Man muss sich also fragen, was heute anders ist als vor zehn oder 15 Jahren. Ich weiß es: Die Rennen heute sind viel enger. Alle sind heute auf dem gleichen Level. Die Balance-Regeln sorgen dafür, dass wir großartigen Rennsport sehen. Aber wenn 40 15-Jährige mit dem gleichen Motorrad innerhalb einer Sekunde liegen, dann kann jederzeit alles passieren.»

«Ich bin überrascht, dass so ein Unfall nicht schon früher geschah», bemerkte der Engländer. «Ich schaue mir die 300er-Rennen nicht an, weil ich mich zu Tode fürchte. Sie liegen zu eng beisammen, ich rechne jederzeit mit einem Vorfall. Vor zehn oder 15 Jahren gab es zwei, die wegfahren konnten. Dann folgten drei andere. Früher bei den 125ern gab es maximal eine Gruppe von fünf oder sechs Fahrern, nicht 20. Wenn du heute einen Zug mit 15 Fahrern hast, und dem Dritten geschieht etwas, dann kommen der Vierte, Fünfte und Sechste vielleicht vorbei. Dann kommt aber einer, der nicht mehr ausweichen kann. Ich habe das selbst erlebt mit Tomizawa, das ist grauenvoll. Du bist in einer Position, in der du nichts siehst. Und jeder, der vor dir ausweicht, bringt dich einen Schritt näher. Und dann triffst du auf einmal auf etwas – ist es der Fahrer, kannst du nichts dagegen machen. Ich habe damals mit 20 bar Druck gebremst, das bringe ich jetzt nicht hin – aber damals tat ich es. Geholfen hat es nichts.»

«Heute geht es zu eng zu, es gibt nur noch winzigen Spielraum für Fehler. Traurig ist, dass das Leben des Jungen noch nicht mal richtig begonnen hatte, das muss auch für seine Eltern schrecklich sein. Obwohl ich ihn nicht kannte, hat mich sein Tod tief getroffen. Einen Tag später sind wir wieder Rennen gefahren, am Tag davor hat ein Mensch sein Leben gelassen. Wir sind nur gefahren, weil seine Familie wollte, dass wir für ihn weitermachen. Wir Fahrer waren so weit, dass wir nicht gefahren wären. Hätten sie uns darum gebeten nicht zu fahren, hätten wir das respektiert. Unglücklicherweise gab es solche Unfälle schon früher und wird es auch wieder geben. Das ist traurig und wirklich schlimm, dass ich das sagen muss, aber das ist die Realität. Ich bin keiner, der die Realität verschleiert, ich sage ehrlich die Wahrheit. Daran lässt sich auch mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen nichts ändern, die Rennen sind heute einfach zu eng.»

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