Überraschendes Karriere-Ende von Michael Grabmüller

Von Helmut Ohner
An eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft war schon länger nicht mehr zu denken. Erschwert durch die Coronavirus-Pandemie wurde der zeitliche Aufwand so groß, dass Michael Grabmüller den Stecker ziehen muss.

Nach dem Rückzug von Klaus Klaffenböck – er gewann zusammen mit Christian Parzer 2001 die Weltmeisterschaft sowie 2010 und 2011 mit Daniel Sayle dreimal auf der Isle of Man – war Michael Grabmüller lange Zeit Österreichs einziger Seitenwagen-Pilot mit Weltformat. 2008 verpasste er den Titel in der IDM Seitenwagen nur um einen Punkt. Seine größten Erfolge feierte er in den Jahren 2014 und 2015, in denen er den Weltcup der F2-Gespanne an der zweiten Stelle beendete.

2017 wechselt er in die Formel-1-Klasse und bestritt eine volle WM-Saison. Bei den ersten drei Rennen saß seine Lebensgefährtin Sophia Kirchhofer im Boot, danach übernahm der Franzose Sébastien Lavorel ihre Position im Seitenwagen. In Le Mans verpasste er mit der Schweizerin als Vierter noch knapp den angestrebten Top-3-Platz, mit Lavorel gelang beim letzten Lauf in Rijeka als Dritter das Kunststück. Die Weltmeisterschaft beendete der Wiener auf Position 5.

Nach der WM-Saison 2018, die er an der neunten Stelle beendete, entschloss sich Grabmüller in der Weltmeisterschaft eine Auszeit zu nehmen. «Unser Sport entwickelt sich in die falsche Richtung», merkte er damals an. «Anstatt die Kosten durch ein vifes Reglement zu minimieren, wird es von Jahr zu Jahr teurer.» Ein Start bei der Tourist Trophy 2019 musste abgesagt werden, weil sich die Auslieferung des bei den Birchall-Brüdern bestellten F2- Chassis erheblich verzögert hatte.

2019 beschränkten sich die sportlichen Aktivitäten von Grabmüller mit dem kurzen TT-Gespann auf einige Läufe zur Internationalen Seitenwagen-Trophy. 2020 und 2021 wollte sich der dreifache Familienvater wieder vermehrt der IDM Seitenwagen zuwenden, weil sie günstiger, aber sportlich auf WM-Niveau war. «Das zeigt allein schon die Tatsache, dass sich die Weltmeister Tim Reeves und Bennie Streuer Markus Schlosser und Josef Sattler entschlossen hatten, daran teilzunehmen.»

Die diesjährige Saison verlief durchaus erfolgreich. Nach vier Läufen liegt Grabmüller an der vierten Stelle der Gesamtwertung. Nach dem ersten Rennen in Most und dem zweiten Lauf in Schleiz durfte er als Zweiter auf dem Podest Platz nehmen. Auch im zweiten Rennen in Most war er auf dem besten Weg zu einer Top-3-Paltzierung, kam es in der letzten Runde in der Zielkurve zu einer Kollision mit einem Konkurrenten. Als Fünfter konnte er sich ins Ziel retten.

Zur dritten IDM-Veranstaltung im niederländischen Assen reiste Grabmüller erst gar nicht mehr an, vielmehr überraschte er seine Fans mit der Ankündigung, mit sofortiger Wirkung seinen Helm an den Nagel zu hängen. «Es ist nicht einfach, die richtigen Worte zu finden. Aber wie Ihr wisst, bin ich ein Privatfahrer der sich zu über 90 Prozent alles selber finanzieren muss. Seit 22 Jahren betreibe ich diesen Sport mit sehr viel Herz und halt mit meinen Mitteln wie es möglich ist.»

«Mit der Coronavirus-Pandemie wird es für mich immer schwieriger, die Zeit für den Sport zu finden. Wenn ein Rennwochenende vor der Tür steht, muss ich davor und danach 18 bis 20 Stunden arbeiten. Diesen großen Aufwand und den Stress mit der Fahrerei und dann den Auf- und Abbau kann ich so nicht mehr bewältigen. Jetzt geht auch schon wieder diese Covid-Testerei los – vorher, nachher, Grenzkontrolle, Stau, Quarantäne etc. – das liegt schlichtweg für mich nicht drin.»

«Mein Aufwand in der Firma wird immer mehr. Beim Rennen in Most hat mich ein Rennkollege abgeräumt. Es ging gottlob zwar ohne Verletzung ab, aber bei mir ist etwas passiert. Ich habe nach 22 Jahren zum ersten Mal bei einem Start negative Gedanken im Kopf gehabt. In Schleiz habe ich gehofft, dass mich nicht wieder einer abräumt. Denn mit der Arbeit unter Corona-Bedingungen kann ich mir eine Verletzung nicht leisten, das wäre extrem schlimm für meine Firma.»

Noch nie in meiner aktiven Zeit ist mir so ein Gedanke durch den Kopf gegangen, nicht einmal vor den zugegebenermaßen gefährlichen Rennen zur Tourist Trophy. Somit habe ich mich entschieden, dass ich den Helm an den Nagel hängen werde! Ich hoffe, dass ihr das versteht, auch weil ich diese Entscheidung mitten in der Saison fälle. Ich habe zu viel Verantwortung gegenüber meiner Familie und meinen Mitarbeitern. Das Risiko kann ich zu Corona-Zeiten nicht mehr eingehen.»

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