Marcel Gerhard: «Dann sind Tuner-Geschäfte gestorben»

Von Ivo Schützbach
In jeder Krise wird das Geld knapp und Kostendiskussionen branden auf. Der Schweizer Motorenkonstrukteur Marcel Gerhard verlangt seit Jahren homologierte Teile für den Bahnsport.

Bahnsport ist Prototypen-Sport wie Formel 1 und MotoGP. Doch während es in den beiden größten Rennserien der Welt seit vielen Jahren eine limitierte Anzahl Motoren gibt, gehen im Bahnsport die Motoren vor jedem wichtigen Rennen zum Service. Es gibt bis auf die Maximaldrehzahl, seit diesem Jahr 13.500/min in der EM und WM, keinerlei Vorgaben, was die Haltbarkeit betrifft.

Marcel Gerhard, 1992 Langbahn-Weltmeister und einer der erfolgreichsten Motorentuner, verfolgt mit seinem GTR-Motor ein anderes Konzept. Das Werbeversprechen ist, dass der GTR-Standardmotor genauso gut ist wie ein voll getunter GM, aber viel länger haltbar. Während bei GM und Jawa die Tuner dafür sorgen, dass ein Motor konkurrenzfähig wird, hat der GTR alle leistungssteigernden Teile serienmäßig verbaut.

Gerhard hat außerdem bereits vor Jahren erläutert, wie die Kosten drastisch gesenkt werden können, etwa durch Kostendeckel für Teile wie Kolben oder Pleuel.

«In der Moto3-WM fahren sie im Renntrimm über 2000 Kilometer, in der Superbike-WM ebenfalls, sicher ist das machbar», sagte Gerhard gegenüber SPEEDWEEK.com. «Aber diese Vorschrift muss von der FIM kommen. Langfristig führt kein Weg an einer Homologation vorbei. Dann muss jeder Hersteller seine Teile homologieren, dann sind aber alle Tuner-Geschäfte gestorben. Dann müssen Servicestellen geschaffen werden und es bräuchte wie ein Fahrtenbuch zum Motor. Meine Idee ist, dass ich einen Productionrenner habe, ready to race. Mit meinem Motor kann man im Grand Prix mitfahren, das geht mit keinem anderen Standardmotor, der ab Fabrik geliefert wird. Ich muss schauen, dass die Leistungsfähigkeit stimmt und sich der Preis auf einem Niveau bewegt, dass er noch zahlbar ist.»

Der Frauenfelder abschließend: «Weltweit gibt es ungefähr 2000 Lizenznehmer. Im Speedway-Grand-Prix gibt es 12 oder 14 Fahrer, bei denen Geld keine Rolle spielt, aber auch die überlegen. Keiner gibt Geld gerne unnötig aus.»

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