Was bringt das Jahr 2021 im Sportwagen-Motorsport?

Von Oliver Müller
Sportwagen
Erster Blick auf das Toyota-Hypercar: Die offizielle Vorstellung des Rennwagens wird bereits im Januar erfolgen

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Nach einem sehr ungewöhnlichen Jahr 2020 gibt es im Motorsport aktuell viele Fragezeichen. 2021 wird richtungsweisenden Charakter haben. SPEEDWEEK.com schaut auf das Jahr 2021 im Sportwagen-Bereich des Motorsports.

Der tatsächliche Verlauf des Jahres 2020 hat jede zum Jahreswechsel 2019/20 angestellte Prognose komplett über den Haufen geworfen. Corona und dessen Folgen waren das beherrschende Thema 2020. Und auch 2021 ist diese Krise noch nicht ausgestanden. Das wird natürlich erneut Auswirkungen auf den Motorsport haben. Rennprogramme stehen auf der Kippe und auch Verschiebungen bzw. Absagen von Rennwochenenden haben wirtschaftliche Nachwirkungen. Wie vor Corona wird die Welt nie mehr sein. Insgesamt bleibt aber dennoch zu hoffen, dass über das Jahr wieder eine gewisse Art von Normalität einziehen wird.

Corona hat natürlich auch im Sportwagen-Bereich etliche Umstellungen auf den Plan gerufen. Ganz oben in der Pyramide hat die Sportwagen-WM für 2021 wieder auf einen Terminplan umgestellt, der sich am Kalenderjahr orientiert. Saisonauftakt ist im März in Sebring (mal sehen, ob das klappt) und das Finale im November in Bahrain. Highlight wird die Einführung der neuen Top-Klasse sein. Anstatt der LMP1 fahren nun die Hypercars (LMH) um den Gesamtsieg in der WM und somit auch bei den 24h von Le Mans.

Toyota, Glickenhaus und ByKolles bauen aktuell an ihrem Hypercar. Eine Balance of Performance (BoP) wird die unterschiedlichen Konzepte künstlich auf ein Rundenzeiten-Niveau bringen. Der traditionelle Sportwagen-Purist wird das hassen. Jedoch sorgt die BoP auch dafür, dass die Entwicklungskosten nicht ausufern und somit unterschiedliche Player in der Szene mit dabei sind. Also: Lieber künstlicher Sport als gar kein Sport.

Neben den Hypercars werden auch die LMDh die Schlagzeilen 2021 prägen. Das sind die Nachfolger der amerikanischen DPi. Die kostengünstigen Prototypen fahren in diesem Jahr zwar noch keine Rennen, doch einige Hersteller werden den Einstieg in die Klasse verkünden. Audi und Porsche haben hier 2020 schon den Anfang gemacht. Da die LMDh über die BoP auf das LMH-Niveau gebracht werden, stehen mittelfristig wieder abwechslungsreiche Rennen mit vielen Marken an der Spitze der WM an. Hier war die abgelaufene WEC-Saison selbst für Enthusiasten ein wirklich zähes Brot mit Einschlaffaktor.

Umbrüche wird es auch im GT-Sport geben. In dieser Aufstellung hat SPEEEDWEEK.com die einzelnen Klassen kurz erläutert. Die GTE-Kategorie steht nicht mehr am Scheideweg – dieses Schiff wird bald sinken. Die involvierten Hersteller haben ihre GTE-Engagements teilweise extrem verkleinert oder sind bereits ganz aus der Klasse ausgestiegen. Da der Werkssport im GTE-Bereich in etwa so viel kostet wie bei den neuen LMDh, ist die Rechtfertigung der Klasse ausgehebelt. Denn für das gleiche Geld wird man in Zukunft mit einem LMDh um die Gesamtsiege fahren können – was natürlich viel mehr Publicity bringt. 2021 ist die GTE-Klasse zwar noch aktiv, doch womöglich wird in den nächsten zwölf Monaten bereits das Todesurteil für eine der anstehenden Saisons ausgesprochen.

Als Folge wird die GT3-Klasse zum GT-Spitzensport. Die GT3 sind sowieso schon auf einem ähnlichen Rundenzeiten-Niveau wie die GTE. Und optisch können selbst Fachleute nur sehr schwer die Unterschiede zwischen einem (beispielsweise) GTE- und GT3-Ferrari aufzählen. Das Erfolgskonzept der GT3-Kategorie ist die BoP, die aktuell 13 Hersteller in die Klasse geführt hat. Zwar werden auch hier einige Marken auf der Strecke bleiben, (Bentley machte mit dem Einstampfen des GT3-Engagements bereits 2020 den Anfang), die Klasse wird aber überleben.

Das liegt alleine schon daran, dass das GT3-Konzept auf Kundensport ausgelegt ist. Somit fahren private Teams um die prestigeträchtigen Gesamtsiege - und die Hersteller können die Triumphe dann marketingmäßig verarbeiten. Diese Methodik wird beispielsweise in der Intercontinental GT Challenge angewandt, die auch 2021 wieder die internationale Spitze im GT3-Sport bildet. Auf nationaler Ebene bleibt das ADAC GT Masters das Maß der Dinge. Die sogenannte «Liga der Supersportwagen» hat bereits wieder über 30 Nennungen für 2021 vorliegen. Zudem bekommt die Serie das Prädikat «Internationale Deutsche GT-Meisterschaft» vom DMSB (Deutscher Motorsport Bund) verliehen. Einen Deutschen Meister im Automobil-Rundstreckensport gab es seit etlichen Jahren nicht mehr und ist somit sicherlich eines der Highlights der anstehenden Saison.

Nun endlich Gas geben wird 2021 auch die GT2-Klasse. Die kostengünstige Alternative zur GT3 ist derzeit noch auf Gentleman-Piloten ausgelegt und somit eine Hinführung zum GT-Spitzensport. Jedoch hat die GT2 das Potenzial zu Großem, da die Fahrzeuge optisch etwas hermachen und auf ausufernde Aerodynamik verzichten. Somit ist es möglich, das Preisniveau im Griff behalten zu können. Mit Porsche, Audi und KTM haben bereits drei Hersteller einen GT2 in der Auslage – weitere werden kommen. Die GT2 steht im Jahre 2021 vor ihrem Durchbruch. Doch Vorsicht: Mittelfristig könnte es jedoch einen Kannibalisierungseffekt in Bezug auf die GT3 geben.

Die GT4-Kategorie wird auch 2021 stabil bleiben. Die GT-Einsteigerklasse überzeugt mit (verhältnismäßig) günstigen Budgets. Das ist besonders in Zeiten einer wirtschaftlichen Krise ein großer Trumpf.

Alles in allem wird 2021 wieder ein interessantes Sportwagen-Jahr. Von der Spitze bis zur Basis der Pyramide kann richtig gutes Racing und ordentlich Unterhaltung erwartet werden. Sicherlich wird es einige mehr oder weniger große Umstrukturierungen und Einschnitte geben, die an dieser Stelle überhaupt noch nicht abzusehen sind. Doch der Motorsport wird bleiben und die Zuschauer begeistern – einfach schon deswegen, weil er so spektakulär ist. Es sind die außergewöhnlichen Momente, die ein Leben prägen und hierfür bietet der Sportwagen-Bereich viele Impulse. Freuen wir uns also auf eine tolle Vollgas-Saison.

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