Was Julian Puffe in der Superstock-EM erleiden musste

Von Ivo Schützbach
Superstock-1000-EM
Nach vier Jahren in der Superstock-EM hat sich Julian Puffe für 2018 entschieden, in die IDM Superbike zu wechseln. Im Team Althea BMW war es für den 22-Jährigen nicht so rosig, wie es den Anschein hatte.

2016 gewann Althea BMW mit Raffaele De Rosa die Superstock-1000-EM. Julian Puffe glaubte, er hätte einen Sechser im Lotto, als er für 2017 im Team von Genesio Bevilacqua unterschrieb. Doch während sein Teamkollege Marco Faccani immerhin das Rennen in Misano gewann, kam Puffe nie über einen neunten Platz (Lausitzring) hinaus.

Für 2018 lenkt er seine Karriere deshalb in eine andere Richtung und unterschrieb im Team alpha Racing Van Zon BMW von Werner Daemen für die IDM Superbike.

«Ich habe ewig lang rumüberlegt und hatte Angebote von sechs Superstock-Teams», schilderte Puffe SPEEDWEEK.com. «Dort ist aber alles wahnsinnig teuer. Nach 2013 ging ich für zwei Jahre in die Superstock-600-EM, dann in die Stock 1000. Was wir in den vier Jahren an Geld verloren haben und aufbringen mussten, das sind Unsummen – das geht auf Dauer nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das Geld zusammenbekommen sollte. Und ich fragte mich natürlich, was ich für das viele Geld geboten bekomme. In Stock 600 hatte ich Mechaniker, die waren teilweise Praktikanten des Betriebs, denen musste man erst mal erklären, wie man ein Hinterrad einbaut.»

Der 22-Jährige weiter: «Ich fuhr immer für ausländische Teams, das ist ein Riesennachteil, wenn man Deutscher ist. Ich kann englisch mit den Leuten sprechen. Wenn die, mit denen ich arbeite, aber nicht perfekt englisch sprechen, dann verstehen sie mich nicht perfekt und es passieren immer wieder Fehler. Das ist letztes Jahr oft passiert. Ich hatte bei Althea zwei Mechaniker, die haben kein Wort englisch gesprochen, nur italienisch. Auch mit meinem Datenmann war es schwierig. Er ist ein guter Elektroniker und hat es ziemlich raus, aber wir hatten dauernd Verständigungsprobleme. Ich wollte etwas getauscht haben, sie tauschten etwas anderes.»

Hinzu kam, dass Puffe von Anfang an minderwertigeres Material bekam. «Die ersten fünf Rennen fuhr ich mit alter Elektronik», hielt er fest. «Man wird sauer, wenn man verdammt viel Geld reinbuttert und einem immer gesagt wird, dass sie das Beste für einen machen – es aber nichts kommt. Erst zum siebten Rennen in Portimao bekam ich die neue Elektronik, innerhalb einer Rennveranstaltung mussten wir sie auf mich einstellen. Ich hatte keinen Test vorher damit, Faccani hatte sie schon zum Frühjahrstest, er fuhr ab dem zweiten Tag auf dem Motorrad mit der neuen Elektronik. Die funktioniert wirklich weitaus besser. Sicher sind solche Sachen vertraglich irgendwo geregelt. Aber es hieß dann immer, dass die neue Elektronik auch nicht besser sei. Es gab dauernd Gründe, dass man sie mir nicht einbaute. Ich sollte erst lernen, mit dem Motorrad schneller zu fahren.»

Bedeutend bessere Lernkurve

Puffe erlebte mit, wie Teamkollege Markus Reiterberger bei Althea den Spaß am Fahren verlor und in die größte Krise seiner Karriere schlidderte. Nach drei Events 2017 gab der Obinger seinen Traum Superbike-WM auf und kehrte freiwillig in die IDM zurück – in der er überragend zum dritten Mal Meister wurde.

«Ich habe Markus Reiterberger das erste Vierteljahr kennengelernt, als er noch mein Teamkollege war», erzählte Puffe. «Er hat mir viel vom Team von Werner Daemen erzählt, bei der IDM in Oschersleben habe ich es mir selber angeguckt. Irgendwann dachte ich für mich, dass ich erstens das Geld für Stock 1000 nicht aufgetrieben bekomme und zweitens fragte ich mich, wo ich mehr lerne. Ich fuhr vier Jahre lang EM – ich weiß nicht, ob ich dort so viel gelernt habe. Bei Werner habe ich Topmaterial und Top-Leute um mich herum und die sprechen alle deutsch. Ich kann mich mit denen perfekt verständigen. Ich glaube, die Lernkurve ist bedeutend besser, wenn ich als Deutscher in Deutschland fahre, wie als Deutscher in einem ausländischen Team in der EM. Ich gehe zwar zurück in die IDM, aber das ist die perfekte Lösung für mich. Da kann ich mich sportlich viel schneller weiterentwickeln. Ich habe den Anspruch, schneller voranzukommen.»

Der Thüringer abschließend: «Ich wollte für die Saison 2018 unbedingt ein Team finden, mit dem ich einen großen sportlichen Sprung schaffen kann. Ich freue mich riesig, die Rennen in der IDM zu bestreiten und endlich wieder auf meiner Heimstrecke, dem Schleizer Dreieck, zu fahren. Mein Ziel ist, regelmäßig um Podestplätze zu kämpfen und mich sportlich weiter zu entwickeln. Ich bin mir sicher, dafür eines der besten Teams gefunden zu haben.»

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