Formel 1: Ein selten kurioser Unfall

Historischer Moment: Michael Dunlop egalisiert Rekord

Von Helmut Ohner
Michael Dunlop gewinnt sein 26. Rennen bei der Tourist Trophy

Michael Dunlop gewinnt sein 26. Rennen bei der Tourist Trophy

Michael Dunlop schreibt im ersten Rennen der Supersport-Kategorie Geschichte. Der 35-jährige Yamaha-Pilot aus Nordirland stellt den Rekord an 26 TT-Siegen seines Onkels Joey Dunlop ein.

Gerade rechtzeitig zum ersten Renntag zeigt sich der Wettergott auf der Isle of Man gnädig mit den Aktiven. Die Temperaturen scheinen optimal zu sein und der teils starke Wind über die Mountain Mile, der die Fahrer in den letzten Tagen doch erheblich behindert hat, hat spürbar nachgelassen. Alles ist also für ein spannendes erstes Rennen der Klasse Supersport angerichtet. Allerdings musste der Start erheblich nach hinten geschoben werden, weil ein undisziplinierter Verkehrsteilnehmer mit einem Ausritt zwischen Ramsey und Creg-Ny-Baa den Einsatz der Rettungskräfte und die Reinigung der Strecke nötig machte.

Michael Dunlop geht als großer Favorit in die erste Entscheidung der diesjährigen Tourist Trophy. Elf seiner 25 TT-Siege hat er in dieser Kategorie geholt. Nach dem ersten Training, das er noch auf seiner Triumph Street Triple 765 bestritten hatte, zeigte er sich unzufrieden mit dem Motorrad. Der Nordire, der die Chance hat den Rekord von 26 TT-Erfolgen seines Onkels Joey Dunlop einzustellen, wechselte auf die bewährte Yamaha R6. Die Trainingsbestzeit unterstrich, dass seine Entscheidung richtig war.

Auch wenn er der Dominator dieser Klasse ist, locker nehmen kann Dunlop die Sache nicht. Mit Jamie Coward (Triumph), der als Trainingszweiter überraschend Mitfavorit Davey Todd auf der Ducati Panigale hinter sich lassen konnte, hat er einen Konkurrenten, der nichts unversucht lassen wird, endlich seinen ersten TT-Sieg einzufahren. Aber auch Todd fehlt ein Sieg bei der Tourist Trophy noch in seiner Sammlung. Auch Peter Hickman (Triumph) und Dan Harrison (Honda) wollen es ihm garantiert nicht leicht machen. Aus deutschsprachiger Sicht steht lediglich der Österreicher Julian Trummer (Honda) an der Startlinie.

Mit der Startnummer 1 hat Paul Jordan die Ehre, das Rennen über vier Runden auf dem über 60 Kilometer langen Snaefell Mountain Course unter die Räder seiner Honda zu nehmen. Direkt hinter ihm stürmen Coward und Harrison die Glencrutchery Road Richtung Bray Hill, Dunlop hat die Startnummer 6. Zwanzig Sekunden darauf folgt Todd, Hickman hat sich die Nummer 10 geben lassen. Trummer wird als 33. Von der Startlinie gelassen.

Es ist Harrison, der bei Glen Helen die Führung übernimmt, acht Hundertstelsekunden vor Todd, Dunlop liegt weitere 0,7 Sekunden auf Platz 3, Hickman ist überraschend hinter Hillier, James Hind (Suzuki), Michael Evans (Triumph) und Coward nur an der achten Stelle. Bevor es zum ersten Mal auf die Mountain Mile geht, hat Harrison in Ramsey 0,6 Sekunden Vorsprung auf Todd, Dunlop hat 1,3 Sekunden auf den Honda-Werksfahrer verloren. Nach den ersten 60,725 Kilometer lautet die Reihenfolge Harrison 1,979 Sekunden vor Todd und 3,182 Sekunden vor Dunlop. Der Rest ist bereits mehr als zehn Sekunden zurück.

Der Dreikampf um den Sieg hat an Spannung zugenommen. Dunlop, der vor allem auf dem Abschnitt von Ballaugh Bridge zur Ramsey Hairpin extrem schnell ist, hat sich an die erste Stelle vor Todd und Harrison gesetzt. Hickman kommt dieses Mal nicht für den Sieg in Frage. Er liegt bevor es nach dem zweiten Umlauf für die Aktiven an die Box geht, um nachzutanken und das Visier des Helmes zu wechseln, hinter Coward, Hillier und Hind nur an der siebenten Stelle. Dunlop hat sich abgesetzt und führt 4,5 Sekunden vor Todd und 5,3 Sekunden vor Harrison. Trummer ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Rennen.

Dunlop hat sich in einen Rausch gefahren. Nur noch Harrison, der 30 Sekunden vor ihm gestartet ist, liegt auf der Straße vor ihm. Aber auch Todd ist in einer unglaublichen Form. Noch hat er den Sieg nicht aus den Augen verloren. Coward, der komfortabel an der vierten Stelle gelegen war, hat ebenso aufgegeben wie Lokalmatador Conor Cummins (Honda). Auch Hickman ist in der Zwischenzeit von der Zeitentabelle verschwunden, obwohl er nach wie vor im Rennen ist. Mit 5,073 Sekunden Vorsprung auf Todd geht Dunlop in seine letzten Runde. Harrison kann mit 17 Sekunden Rückstand nicht mehr in die Entscheidung eingreifen.

Es sieht so aus, als könnte nur noch ein technischer Defekt Dunlop davon abhalten, einen weiteren Sieg in der Supersport-Kategorie einzufahren. Von Sektor zu Sektor kann er seinen Vorsprung weiter Zehntel um Zehntel ausbauen. Nach der Ramsey Hairpin hat er sich auch auf dem Kurs an die erste Stelle gesetzt. Wie die exakte Reihenfolge hinter dem Trio Dunlop, Todd, Harrison aussieht, ist nicht abschließend geklärt, weil für Hickman nach wie vor keine Zeit angezeigt wird. Der 35-jährige Liebling des Publikums aus Nordirland schafft es mit seinem zwölften Supersport-Sieg tatsächlich den Rekord seines Onkels Joey Dunlop einzustellen.

Nicht nur Dunlop, den man selten zuvor mit einem so breiten Lächeln gesehen hat, ist nach der Zieldurchfahrt zufrieden mit dem Resultat, auch Todd und Harrison zeigen sich hoch erfreut über den Ausgang des Rennens. Für Todd ist es das bisher beste Zielankunft bei der Tourist Trophy und Harrison hat eindrücklich unter Beweis gestellt, dass er nicht unverdient einen Werksvertrag bei Honda bekommen hat.

Bemerkenswertes Detail zum Abschluss: Joey Dunlop, die «unsterbliche» Rennsportlegende, die nicht ungefähr den Namen «King of the Mountain» bekommen hat, gewann im Jahr 2000 mit 48 Jahren sein letztes Rennen bei der Tourist Trophy und verunglückte nur wenige Wochen danach bei einem vergleichsweise unbedeutenden Rennen in Tallinn (Estland) tödlich, Michael war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal elf Jahre alt.

Ergebnis, Supersport 1
1. Michael Dunlop (GB), Yamaha, 4 Runden in 1h11:19,297 min. 2. Davey Todd (GB), Ducati, 8,574 sec zur. 3. Dean Harrison (GB), Honda, +30,955 sec. 4. James Hillier (GB), Kawasaki. 5. James Hind (GB), Suzuki. 6. Josh Brookes (AUS), Yamaha. 7. Paul Jordan (GB), Honda. 8. Mike Browne (IRL), Yamaha. 9. Peter Hickman (GB), Triumph. 10. Michael Evans (GBM), Triumph. Ferner: Julian Trummer (A), ausgefallen.

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