24h Le Mans: Was sonst noch alles aufgefallen ist

Von Oliver Müller
24h Le Mans

Bei den 24 Stunden von Le Mans konnte Toyota in diesem Jahr einen souveränen Doppelsieg feiern. Doch auch im Rest des 60 Wagen starken Feldes ging es zur Sache. Das sind weitere Eindrücke vom Klassiker an der Sarthe.

Inmitten des Trubels um den Gesamtsieg von Toyota ging der LMP2-Sieg des Oreca von Roman Rusinov, Jean-Eric Vergne und Andrea Pizzitola (G-Dirve Raving) fast unter. Seit 2015 bringt der Konstrukteur aus dem südfranzösischen Signes geschlossene Prototypen in Le Mans an den Start. Und seitdem sind die Oreca 05 bzw. 07 beim Klassiker an der Sarthe ungeschlagen. Insgesamt konnte Oreca 2018 sieben Fahrzeuge unter die ersten acht in der LMP2-Kategorie ringen. Bereits im letzten Jahr gab es in der kleinen Klasse eine Oreca-Dominanz.

Letztendlich lagen die anderen LMP2-Wagen (vor allem im Renntrimm) 2018 aber nicht mehr ganz so weit von der Oreca-Phalanx entfernt. Insbesondere die Ligier JS P217 konnten (dank Entwicklungs-Joker im Winter) ordentlich aufholen. Dennoch reichte es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht für ein Podiumsergebnis. So hatte der Ligier von Panis Barthez Compétition noch am Sonntagmorgen auf Position zwei gelegen. Doch dann warfen Kupplungsprobleme das Fahrzeug aussichtslos zurück. Auch die hoch eingeschätzten Ligier von United Autosports stellten sich selbst ein Bein. Am Wagen von Hugo de Sadeleer, Will Owen und Juan Pablo Montoya musste zunächst der Funk zur Rennleitung repariert werden, was sieben Minuten kostete. Später verbremste sich dann Superstar Montoya in Indianapolis und crashte in die Reifenstapel. Somit war in der Endabrechnung nicht mehr als Platz fünf zu holen. Insgesamt taten sich die Ex-F1-Stars im Team von Zak Brown schwer. Denn auch im Schwesterwagen war es ausgerechnet Paul di Resta, der sich sowie Philip Hanson und Filipe Albuquerque durch einen Ausrutscher im Bereich der Porsche-Kurven um ein mögliches Podium brachte.

In der GTE-Kategorie ist der Doppelsieg der beiden Porsche 911 RSR mehr als verdient. Die beiden im Retro-Design gehaltenen Wagen von Michael Christensen, Kévin Estre und Laurens Vanthoor sowie Richard Lietz, Gianmaria Bruni und Frédéric Makowiecki kamen absolut problemlos über die Distanz. Lediglich eine Tür musste bei einem Stopp ausgetauscht werden. In einem so qualitativ hochwertigen Feld, wie es 2018 in der Klasse von Le Mans vorherrschte, kann nur durch den Null-Fehler-Job gewonnen werden. Das hat Porsche eindrucksvoll geschafft.

Stark auftrumpfen konnte auch BMW. Den beiden M8 GTE hatten selbst die BMW-Mitarbeiter vor dem Rennen höchstens den Fight um die Top 10 zugetraut. Doch Martin Tomczyk, Nicky Catsburg und Philipp Eng wie auch Augusto Farfus, António Félix da Costa und Alexander Sims hielten sich in der Anfangsphase teilweise auf den Podiumsplätzen auf. Doch letztendlich wurden beide Fahrzeuge mit Dämpferschäden zurück geworfen. Ein BMW kam letztendlich auf Rang elf, der andere fiel durch einen Unfall aus. Das Endresultat sagt es zwar nicht aus, aber dennoch bot BMW beim ersten Le-Mans-Auftritt seit 2011 eine ansehnliche Leistung .

Es muss jedoch auch gesagt sein, dass die beiden deutschen GTE-Hersteller BMW und Porsche gerade in Bezug auf die BoP (Balance of Performance) in diesem Jahr nicht unbedingt benachteiligt waren. Ferrari und Aston Martin hatte hier diesmal mehr das Nachsehen. Die beste Rundenzeit des brandneuen Vantage GTE lag im Rennen beispielsweise 2,87 Sekunden hinter der Klassenspitze zurück. Diese bildete überraschenderweise die Corvette von Routinier Jan Magnussen mit 3:49,448 Minuten.

Insgesamt gab es in Le Mans in diesem Jahr 16 offizielle Ausfälle (zudem kam der Ligier LMP2 von Eurasia Motorsport nicht in die Wertung). Das sind fünf mehr als im Vorjahr. Die hohe Zahl ist tatsächlich verwunderlich. Eine Parallele zu den Außentemperaturen kann jedenfalls nicht gezogen werden. Denn das Thermometer stiegt 2018 an der Sarthe lediglich bis in den tieferen 20-Grad-Bereich.

Und dann sind da natürlich noch die Zuschauerzahlen. Insgesamt haben sich 256.900 Interessierte das Rennen an der französischen Sarthe vor Ort selbst angeschaut. 2017 waren es noch 258.500 und im Jahr davor 263.500 Zuschauer. Grundsätzlich ist somit eine leicht absteigende Tendenz festzustellen. Auch in Bezug auf die anwesenden Fan-Gruppen gab es eine Verschiebung. Durch den LMP1-Ausstieg von Porsche, konnten subjektiv viel weniger Menschen in Merchandising-Kleidung des weissacher Herstellers gesichtet werden. Dafür wurde (wohl wegen Fernando Alonso) gefühlt viel mehr spanisch gesprochen.

Das Schlusswort gebührt an dieser Stelle dem Gesamtsieger Fernando Alonso. Der 36-Jährige fand die 86. Ausgabe des großen Klassiker so toll, dass er sich inzwischen als echter Langstrecken-Fan bezeichnet. «Es ist eine Schande, dass die 24 Stunden von Le Mans nur einmal pro Jahr ausgetragen werden. Sie sollten alle zwei oder drei Wochen stattfinden!», meinte er. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


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