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GT3-Szene: Das Erfolgskonzept braucht Stabilität

Im deutschen Motorsport ändert sich 2021 einiges. Das ADAC GT Masters wird um den Titel des Internationalen Deutschen GT-Meisters ergänzt. Dazu will die DTM auf GT3-Autos umstellen. SPEEDWEEK.com machte sich Gedanken.

ADAC GT Masters

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Im deutschen GT3-Motorsport lief es in den letzten Jahren nach Plan: Mit dem ADAC GT Masters sowie der Nürburgring Langstrecken-Serie (früher auch als VLN bekannt) haben sich zwei Player den Kuchen aufgeteilt und die international so beliebte GT3-Klasse auch auf nationaler Bühne zu einem Erfolgsrezept entwickelt. Vor allem die Geschichte des ADAC GT Masters ist bemerkenswert. Die sogenannte 'Liga der Supersportwagen' wurde zur Saison 2007 ins Leben gerufen. Sie hat sich seit dieser Zeit kontinuierlich optimiert und ein für den GT-Sport unbeschreiblich hohes Niveau erreicht. Keine andere nationale GT3-Serie kann hier mithalten.

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Alleine der Blick auf das Startfeld genügt. Selbst in einem so herausfordernden Jahr wie 2020, als Corona die Welt auf den Kopf stellte, trat das ADAC GT Masters mit über 30 Vollzeit-Autos (von sieben Marken) an. Dies ist ein Beleg für die Gesundheit und Vitalität der Serie. Da verwundert es nicht, dass der DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) das ADAC GT Masters für 2021 noch weiter aufwertet und dort den Titel des 'Internationalen Deutschen GT-Meisters' vergibt.

Die im ADAC GT Masters verwendete Fahrzeug-Klasse ist die GT3. Diese wurde 2006 von SRO-Boss Stephane Ratel erfunden. Der eifrige Franzose holte sich seinerzeit auch den Motorsport-Weltverband mit ins Boot und machte die GT3 somit zu einer internationalen FIA-Klasse. Dadurch steht es auch anderen Serienbetreibern, deren aktuelle Fahrzeugformel nicht mehr funktioniert, frei, sich der GT3-Plattform zu bedienen. Hier kommen natürlich gleich zwei Player in den Sinn: Auf nationaler Ebene die DTM. Das einst so beliebte Tourenwagen-Championat stellt 2021 bekanntlich auf GT3 um und bricht somit komplett mit der eigenen Tradition. Auf internationaler Ebene steht der ACO im Raum. Die Franzosen betreiben über eine Tochterfirma die Sportwagen-WM (FIA WEC) und auch die European Le Mans Series (ELMS). Dort wird im GT-Bereich mit den GTE-Boliden gefahren. Doch auch dieser Klasse wird mittelfristig der Exodus prophezeit. Folglich schielt der ACO bereits heimlich in Richtung GT3.

Die GT3-Ausrichtung von Rennserien, in denen Werkssport betrieben wird, könnte aber weitreichende Folgen für die Klasse haben. Denn die GT3-Formel ist bislang auf Kundensport ausgelegt. Natürlich ist ein GT3-Auto alles andere als günstig. Doch im Vergleich mit anderen Kategorien passen die Verhältnisse noch immer. Sollte mit einem GT3 aber ein Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans möglich sein, so könnte der eine oder andere Hersteller vor diesem Hintergrund sein bislang angewandtes Konzept verwerfen, indem er ein GT3-Überauto auf den Markt bringt. Konkurrierende Hersteller hätten dann zwei Möglichkeiten der Reaktion: Ebenfalls ein teures Überauto zu bauen oder die Klasse zu verlassen. Beide Varianten wären für eine gesunde GT3-Kategorie, in der mit Aston Martin, Audi, Bentley, BMW, Corvette, Ferrari, Honda, Lamborghini, Lexus, McLaren, Mercedes-AMG, Nissan und Porsche aktuell satte 13 Marken aktiv sind, jedoch äußerst suboptimal.

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Natürlich steht es jedem Serienbetreiber frei, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Hier muss sich jedoch auch die Frage gestellt werden, ob es gut ist, diese Entscheidungen auf Kosten anderer zu treffen. Bislang ist die GT3-Szene national stabil. Die Idee einer GT3-DTM könnte das Konstrukt aber womöglich ins Wanken bringen. Und das hat mehrere Gründe:

Aufgrund der allgemeinpolitischen Lage wird der Motorsport in den letzten Jahren gesellschaftlich sowieso etwas kritisch betrachtet. Die aktuelle Coronakrise mit weitreichenden Budgetkürzungen bei beispielsweise Herstellern und Sponsoren tut zudem gerade ihr Übriges, um sagen zu können, dass der Sport kurz- und mittelfristig nicht unbedingt wachsen wird. Wenn der Kuchen also nicht größer wird und mehrere davon essen wollen, bleibt am Ende weniger für jeden Einzelnen übrig. Folglich könnte eine GT3-DTM auch Auswirkungen auf das Startfeld des ADAC GT Masters und der Nürburgring Langstrecken-Serie haben.

Was die GT3-Szene aktuell aber nicht braucht, ist Verunsicherung in der Branche. Ein neuer Player wirft jedoch zunächst viele Fragen in einem Markt auf. Teams sind beispielsweise verunsichert, auf welches Pferd sie setzen bzw. welches Programm sie ihrem Sponsor präsentieren sollen. Das bringt Verzögerungen mit sich und könnte als Folge Geld aus der Szene spülen. Gerade im aktuellen Umfeld ist dies natürlich kontraproduktiv.

Auf der anderen Seite stellt das ADAC GT Masters hier ein seit Jahren bewährtes Konzept. Verhältnismäßig niedrige Einschreibegebühren und eine Saison mit sieben Kalenderstationen (die DTM hat beispielsweise neun Stationen – eine sogar in Russland) sind Argumente, die für ein Engagement in der 'Liga der Supersportwagen' sprechen. Ein weiteres Plus ist sicherlich auch die kontinuierliche Abstimmung des ADAC mit der SRO um Stephane Ratel. So werden terminliche Überschneidungen zwischen dessen GT World Challenge Europe und dem ADAC GT Masters vermieden. Teams können folglich an beiden Serien teilnehmen und somit ihr Jahresprogramm ohne kostenintensive Doppelbelastungen planen. Diese Formel funktioniert bereits seit langer Zeit.

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Es ist die große Hoffnung, dass der GT3-Sport national und auch international weiter stabil bleibt. Championate, wie das ADAC GT Masters, die Nürburgring Langstrecken-Serie, das SRO-Serienuniversum aber auch die International GT Open oder die 24h Series der niederländischen Creventic haben zur Blüte des GT3-Sports beigetragen. Sie verdienen es, auch weiterhin die Früchte ihrer so harten Arbeit ernten zu dürfen.

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