Sebring 12h: Himmel und Hölle

Kolumne von Marc Lieb
ALMS
Gemischte Emotionen bei den 12h von Sebring für Marc Lieb

Gemischte Emotionen bei den 12h von Sebring für Marc Lieb

Marc Lieb über die 12h von Sebring 2009

Am letzten Samstag ging auch für mich endlich die lange Winterpause zu Ende. Mein letztes Rennen fuhr ich im November auf der Nürburgring Nordschleife. Aber Sie können mir glauben, dass trotz der langen Lenkradpause im Winter nicht einmal ansatzweise Langeweile aufkam, denn ich habe im Februar mein Studium der Fahrzeugtechnik erfolgreich abgeschlossen.

Die Woche vor dem Rennen in Sebring ist sehr lang und man hat nicht so viele freie Trainingssessions wie man es sich wünschen würde. Mit drei Mann auf einem Auto kommt es schon mal vor, dass man an einem Tag gar nicht zum Fahren kommt. Zudem wechseln die Streckenbedingungen extrem schnell in Sebring, und man muss sehr vorsichtig mit der Abstimmung sein, um nicht durcheinander zu kommen.

Die Strecke von Sebring ist ein uralter, holpriger Kurs, aber ich fahre sehr gerne dort. Überhaupt mag ich die amerikanischen Strecken. Sie sind ganz anders als die meisten Formel1-Kurse, auf denen wir im Regelfall in Europa unterwegs sind.

Das Rennen startet am späten Samstagvormittag und endet abends nach zwölf Stunden in der Dunkelheit. Die Temperaturen schwanken zwischen extremer Hitze in der Mittagszeit und kühlen Temperaturen am Abend. Ähnlich verhält es sich mit den Asphalttemperaturen und dem Gripniveau. Dazu kommt noch, dass wir aufgrund der neuen vorgeschriebenen Fahrzeughöhe kaum auf Erfahrungswerte aus den Vorjahren zurückgreifen konnten. Gemeinsam mit unserem Ingenieur Stefan Pfeiffer und meinen Teamkollegen Jörg Bergmeister und Patrick Long versuchten wir die ganze Woche ein Set-Up zu finden, das als Kompromiss auf die verschiedenen Bedingungen gut passt.

Wir waren uns vor dem Start nicht zu 100% sicher ob uns das auch gelungen ist. Einzig Roland Kussmaul war entspannt und war vom Set-Up überzeugt. Und so war es dann auch. Das Auto war gigantisch gut. Leider konnten wir die gute Performance des neuen GT3 RSR nicht umsetzen. Eine Berührung zu Beginn des Rennens mit dem Ford GT warf uns sechs Runden zurück, da wir die Spurstange wechseln mussten.

Danach ging es nur noch um Schadensbegrenzung, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als wir nach dem ersten Renndrittel mit sicherer Führung nur noch den Sieg nach Hause fahren mussten, hiess es nun Vollgas! Das war ein Spass, das Auto war einfach ein Traum und wir waren mit Abstand das schnellste GT2 Auto im Feld.

Nach dem Ausfall des BMWs konnten wir sogar noch ums Podium kämpfen. Ich war am Panoz von Ian James dran, kam aber einfach nicht vorbei. Der Ford V8 mit den großen Restriktoren hat soviel Qualm dass ich nie in der Lage war, ihn sicher auszubremsen. Und in den Ecken wo wir mit unserem Auto deutlich schneller waren, machte er sich mächtig breit. Zweimal hab ich es probiert, er hat mir aber die Tür zu gemacht und ich habe nachgegeben. Dann konnte ich im Scheitelpunkt der schnellen Zielkurve innen rein stechen und war zu mehr als zwei Dritteln am Ausgang vorbei. Natürlich trug es mich nach aussen, ich war ja absolut am Limit. Er berührte mich leicht links am Heck, dadurch bog ich links ab in die Mauer der Start-Ziel Geraden. Das war natürlich sehr bitter für das ganze Flying Lizard Team, das während der gesamten Sebring-Woche extrem gut gearbeitet hatte. Einen Podiumsplatz hätten wir nach der tollen Aufholjagd allemal verdient gehabt.
 
Während bei mir die Front und der linke Hinterreifen kaputt waren, hatte der „Panzer“ von Panoz noch nicht mal einen Kratzer in der vorderen Stossstange. Immerhin konnten wir noch den vierten Rang retten, weit mehr, als wir nach den ersten zehn Minuten der 12h gedacht hatten. Und Jörg und Pat sind im Laufe der ALMS-Saison hoffentlich in der Lage die zehn Punkte Rückstand auf den Ferrari noch aufzuholen. Die Rundenzeiten im Rennen haben in jedem Fall gezeigt, dass der Porsche 911 GT3 RSR bei den meisten Rennen das Auto sein wird, das es zu schlagen gilt .

Mein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr wieder bei der Le Mans Series. Ich fahre meine dritte Saison bei Felbermayr-Proton. Nach zwei Vizemeisterschaften mit dem Team soll nun endlich endlich der Titel her. 2005 und 2006 konnte ich den Fahrertitel in der LMS ja schon gewinnen. Mein Partner Richard Lietz und ich hatten schon einen sehr guten Vortest in Le Castellet. Nach Sebring bin ich nun erst recht guter Dinge, dass wir in Barcelona beim ersten Lauf ein konkurrenzfähiges Paket haben um der Armada von neun (!) Ferraris Paroli zu bieten. Bis bald……

Marc Lieb (28), wohnhaft in Ludwigsburg, kam aus der Formel-Renault zu Porsche ins Junior-Team und gewann dort 2002 den Porsche Carrera Cup. Seitdem ist er Porsche Werksfahrer und einer der erfolgreichsten Piloten in der GT2. Er gewann u. a. 2003 die 24 Stunden von Spa in der Gesamtwertung, und hat je zwei Titel in der FIA GT und LMS. 2005 siegte er überdies bei den 24 Stunden von Le Mans, dazu gibt es Klassensiege in Sebring, Daytona und Road Atlanta. 2007 und 2008 wurde Lieb Gesamtsieger bei den 24 Stunden am Nürburgring. Darüberhinaus begann er 2006 parallel zu seiner Karriere ein Studium der Kraftfahrzeug-Technik, das er 2009 erfolgreich abgeschlossen hat. Marc Lieb ist verheiratet und hat einen Sohn. 

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